Sie­mens setzt mit Mil­li­ar­den­Zu­kauf auf In­dus­trie­soft­ware

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE -

Der deut­sche In­dus­trie­kon­zern Sie­mens ver­stärkt sich mit ei­ner wei­te­ren Über­nah­me im Ge­schäft mit In­dus­trie­soft­ware. Am Mon­tag kün­dig­te das Un­ter­neh­men an, den US-Soft­warespe­zia­lis­ten Men­tor Gra­phics für 4,5 Mrd. $ zu über­neh­men. Die An­teils­eig­ner sol­len 37.25 $ je Ak­tie er­hal­ten, ei­ne Prä­mie von 21% ge­gen­über dem Schluss­kurs vom Frei­tag.

Men­tor-Gross­ak­tio­när El­liott un­ter­stüt­ze die Trans­ak­ti­on, teil­te Sie­mens mit. Erst im Sep­tem­ber war der ak­ti­vis­ti­sche In­ves­tor mit 8,1% bei Men­tor ein­ge­stie­gen und hat­te er­klärt, das Un­ter­neh­men sei deut­lich un­ter­be­wer­tet.

Sie­mens-CEO Joe Ka­e­ser baut seit ei­ni­ger Zeit das Ge­schäft mit In­dus­trie­soft­ware mas­siv aus. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­warb Sie­mens für ins­ge­samt rund 6 Mrd. $ gut ein Dut­zend Fir­men, die auf In­dus­trie- und Pro­duk­ti­ons­soft­ware spe­zia­li­siert sind. Erst am Don­ners­tag hat­te Ka­e­ser an­ge­kün­digt, sich an der Si­mu­la­ti­ons­fir­ma Bent­ley zu be­tei­li­gen. Er will Sie­mens als ei­nen der füh­ren­den Aus­rüs­ter für «In­dus­trie 4.0», die Di­gi­ta­li­sie­rung der In­dus­trie, po­si­tio­nie­ren.

Mit dem Kauf von Men­tor gibt Sie­mens nun fast so viel für den Auf­bau des In­dus­trie­soft­ware­ge­schäfts aus wie sein­er­zeit in den Ein­stieg in die La­bord­ia­gnos­tik. Der kos­te­te an­nä­hernd 11 Mrd. € und er­wies sich lang­fris­tig eher als Ent­täu­schung. Auch sonst baut das Un­ter­neh­men an ei­ner neu­en Struk­tur. Erst vor ei­ner Wo­che hat­te Ka­e­ser an­ge­kün­digt, die tra­di­ti­ons­rei­che Me­di­zin­tech­nik­spar­te an die Bör­se zu brin­gen.

Im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr 2015/16 er­wirt­schaf­te­te Sie­mens mit Soft­ware und di­gi­ta­len Di­ens­ten rund 4,3 Mrd. €, was ei­nem Um­satz­an­teil von 5% ent­spricht. Der Markt für Di­gi­ta­li­sie­rung soll jähr­lich durch­schnitt­lich acht Pro­zent wach­sen, deut­lich stär­ker als die Märk­te für her­kömm­li­che Au­to­ma­ti­sie­rungs­tech­nik und Elek­tri­fi­zie­rung und den zu­ge­hö­ri­gen Di­enst­leis­tun­gen.

Men­tor Gra­phics stellt vor­wie­gend Soft­ware für die Kon­struk­ti­on von Halb­lei­tern her, die Hälf­te der Ein­nah­men stammt aus die­sem Be­reich. Aus der Welt der Mi­kro­chips war Sie­mens vor ein­ein­halb Jahr­zehn­ten mit der Tren­nung von In­fi­ne­on aus­ge­stie­gen und hat­te sich von der Halb­lei­ter­bran­che und ih­ren Schwan­kun­gen seit­her fern­ge­hal­ten.

Die 1981 ge­grün­de­te Men­tor Gra­phics kam mit 5700 Mit­ar­bei­tern zu­letzt auf ei­nen Jah­res­um­satz von 1,2 Mrd. $ und auf ei­ne be­rei­nig­te Ebit-Mar­ge von 20%. Men­tor soll drei Jah­re nach der Über­nah­me zum Ge­winn bei­tra­gen. Nach vier Jah­ren sieht Sie­mens Sy­ner­gi­en von mehr als 100 Mio. € (Reuters)

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