Ei­ne Tech-Stim­me für Do­nald Trump

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - THORS­TEN RIEDL

Pe­ter Thiel hat schon öf­ter den rich­ti­gen Rie­cher be­wie­sen. Und auch mit sei­ner jüngs­ten Wet­te lag der High­tech-En­tre­pre­neur und In­ves­tor gold­rich­tig: Als ei­ner von we­ni­gen Ge­schäfts­leu­ten, und als ein­zi­ger Pro­mi­nen­ter aus der Tech-In­dus­trie, hat er im rich­ti­gen Mo­ment auf den Sieg von Do­nald Trump ge­setzt. Nun ge­hört er ne­ben den Kin­dern von Trump, des­sen Schwie­ger­sohn und an­de­ren dem 16-köp­fi­gen Team an, das den Über­gang zur Re­gie­rung des 45. US-Prä­si­den­ten eb­net. «Ich wer­de ver­su­chen, dem Prä­si­den­ten in je­der Art zu hel­fen.» Zwei Män­ner mit deut­schen Wur­zeln fin­den da zu­sam­men. Der Gross­va­ter von Trump wan­der­te En­de des 19. Jahr­hun­derts in die Staa­ten aus, Thiels Va­ter kam 1968 – da war Ju­ni­or, ge­bo­ren in Frank­furt, ge­ra­de ein Jahr alt. Pe­ter Andre­as Thiel, so sein kom­plet­ter Na­me, lebt den Ame­ri­can Way of Li­fe: Er stu­dier­te Phi­lo­so­phie und Ju­ra an der St­an­ford Uni­ver­si­ty. Spä­ter be­reu­te er das als Zeit­ver­schwen­dung.

Nach dem Ex­amen 1992 ar­bei­te­te er für ei­nen Bun­des­rich­ter, an­schlies­send in ei­ner An­walts­kanz­lei. Auch da hielt es ihn nicht lan­ge. Er folg­te dem Ruf des Gel­des und be­gann als De­ri­va­te­händ­ler bei Cre­dit Suis­se. Nach drei Jah­ren ging er nach Ka­li­for­ni­en und grün­de­te sei­nen An­la­ge­fonds: Thiel Ca­pi­tal Ma­nage­ment. Er in­ves­tier­te ei­ne Vier­tel­mil­li­on Dol­lar in die Idee des In­for­ma­ti­kers Max Le­vchin, über das In­ter­net zu zah­len. Spä­ter wur­de Thiel CEO des Start-ups Pay­pal, heu­te füh­ren­der Be­zahl­dienst­leis­ter im Netz. Er brach­te das Un­ter­neh­men an die Bör­se, ver­kauf­te es we­nig spä­ter an eBay. Der Er­lös dar­aus leg­te den Grund­stock für sei­nen Hedge Fund Cla­ri­um Ca­pi­tal. Die Lie­be zu High­tech hat Thiel nie ver­las­sen. Er grün­de­te Pa­lan­tir, An­bie­ter von Soft­ware zur Da­ten­ana­ly­se, un­ter an­de­rem ein­ge­setzt von der USRe­gie­rung. Als ers­ter In­ves­tor un­ter­schrieb er 2004 ei­nen Scheck für den Face­book-Grün­der Mark Zu­cker­berg über 500 000 $. Spä­ter wan­del­te Thiel das Dar­le­hen in An­tei­le – und lös­te nach dem Face­book-Bör­sen­gang 2012 mehr als 1 Mrd. $. Sein Pri­vat­ver­mö­gen wird nun auf knapp 3 Mrd. $ ge­schätzt.

Da neh­men sich die 1,25 Mio. $, die Thiel für den Wahl­kampf von Trump spen­de­te, ver­gleichs­wei­se be­schei­den aus – doch das Geld kam zu ei­ner Zeit, als al­le Welt fest da­von aus­ging, dass der re­pu­bli­ka­ni­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat kei­ne Chan­ce mehr ge­gen die De­mo­kra­tin Hil­la­ry Cl­in­ton ha­be. Thiel muss­te ei­nen ve­ri­ta­blen Shits­torm über sich er­ge­hen las­sen. Sein Rück­tritt aus dem Ver­wal­tungs­rat von Face­book wur­de ge­for­dert. Zu­cker­berg ver­tei­dig­te sei­nen frü­hen In­ves­tor ve­he­ment.

Der Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber, Hed­geFund-Ma­na­ger und Bu­si­ness An­gel Thiel, 49, liegt ei­gent­lich nicht kom­plett auf der po­li­ti­schen Li­nie von Trump. Er sieht sich als li­ber­tär, tritt al­so für frei­heit­li­che Wer­te ein. Vor Trump un­ter­stütz­te er die er­folg­lo­sen US-Prä­si­dent­schafts­an­wär­ter Ron Paul, John McCain und Sa­rah Pa­lin so­wie Car­ly Fio­ri­na. Mit Trump hat­te er Er­folg. Sein Ju­gend­traum, Bun­des­rich­ter zu wer­den, er­fül­le sich jetzt nicht, sag­te er, auch wer­de er nicht nach Wa­shing­ton zie­hen. Thiel wird wohl kei­nen of­fi­zi­el­len Pos­ten be­kom­men – aber sei­ne Stim­me hat nun mehr Ge­wicht als je zu­vor.

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