Trü­ge­ri­scher Op­ti­mis­mus

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

An­le­ger set­zen zu­nächst auf Trump-in­iti­ier­te Kon­junk­tur­sti­mu­lie­rung.

Hat­ten Ana­lys­ten im Vor­feld der US-Wah­l­ent­schei­dung im Fal­le ei­nes Er­folgs von Do­nald Trump noch von ei­nem dras­ti­schen Kurs­ein­bruch an den Ak­ti­en­märk­ten ge­warnt, ent­pupp­ten sich die­se Be­fürch­tun­gen im Nach­hin­ein als un­be­grün­det. Mit er­staun­li­cher Ge­las­sen­heit nah­men die Bör­sen den über­ra­schen­den Wahl­aus­gang zur Kennt­nis, und An­le­ger setz­ten in der Fol­ge auf ei­ne op­ti­mis­ti­sche Aus­le­gung der vom de­si­gnier­ten US-Prä­si­den­ten ver­spro­che­nen Kon­junk­tur­pro­gram­me und Steu­er­sen­kun­gen.

An der Wall Street er­reich­te der Dow Jo­nes In­dus­tri­al am Mon­tag gar ein neu­es Re­kord­hoch. Da­bei schie­nen die ne­ga­ti­ven Im­pli­ka­tio­nen mög­li­cher iso­la­tio­nis­ti­scher Ten­den­zen der zu­künf­ti­gen Re­gie­rung Trump in den Hin­ter­grund ge­rückt zu sein.

Gleich­zei­tig kam es an den An­lei­hen­märk­ten zu ei­nem re­gel­rech­ten Aus­ver­kauf, und die Ren­di­ten schos­sen in die Hö­he. So stieg die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger USStaats­an­lei­hen bis auf rund 2,25%, und der 30-jäh­ri­ge Tre­a­su­ry knack­te gar die 3%-Gren­ze. Im Ge­fol­ge zog auch die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger «Eid­ge­nos­sen» kräf­tig an. Hin­ter­grund ist die An­nah­me, dass die von Trump in Aus­sicht ge­stell­ten kon­junk­tur­sti­mu­lie­ren­den Mass­nah­men die In­fla­ti­on an­hei­zen wer­den. Gleich­zei­tig wä­re die US-No­ten­bank (Fed) ge­zwun­gen, die Leit­zin­sen kräf­ti­ger als bis­her an­ge­nom­men zu er­hö­hen.

Eu­ro­pa wächst mo­de­rat

Die von Ana­lys­ten ver­an­schlag­te Wahr­schein­lich­keit ei­nes Zins­schritts des Fed im De­zem­ber er­reich­te im Nach­gang zum Wah­l­er­geb­nis mehr als 80%. Die Spe­ku­la­tio­nen auf stei­gen­de Zin­sen in den USA trie­ben auch den Dol­lar zu Wo­chebe­ginn ge­gen­über dem Fran­ken auf den höchs­ten Stand seit März 2016. Zum Eu­ro stieg der Gre­en­back auf den höchs­ten Wert seit En­de 2015.

Die ers­te Trump-Eu­pho­rie scheint je­doch ab­zu­eb­ben, und der an­fäng­li­che Op­ti­mis­mus der Bör­sen­an­le­ger könn­te an­ge­sichts in den Vor­der­grund tre­ten­der ne­ga­ti­ver Aspek­te, vor al­lem mit Be­zug auf die Un­be­re­chen­bar­keit des künf­ti­gen US-Prä­si­den­ten, von kur­zer Dau­er sein.

In der Eu­ro­zo­ne blieb die Wirt­schaft im drit­ten Quar­tal kon­stant auf ei­nem mo­de­ra­ten Ex­pan­si­ons­kurs. Im Ver­gleich zum Vor­quar­tal wuchs das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) wie er­war­tet um 0,3%, gleich stark wie be­reits im zwei­ten Quar­tal. Die Aus­wir­kun­gen des bri­ti­schen Br­ex­it-Re­fe­ren­dums wa­ren da­bei ge­rin­ger als ver­mu­tet. Die deut­sche Wirt­schaft blieb mit ei­nem BIP-Plus von nur 0,2% un­ter den Er­war­tun­gen und wuchs nur halb so stark wie in den vor­an­ge­gan­ge­nen drei Mo­na­ten. Ei­ner­seits hat­ten sich die Ex­por­te schwä­cher als ver­mu­tet ent­wi­ckelt, an­de­rer­seits sorg­ten die Kon­sum­aus­ga­ben und der Bau­sek­tor für Schwung. Der Aus­blick für Eu­ro­pa bleibt mit Ri­si­ken be­haf­tet: ein­mal mit Blick auf den Amts­an­tritt Trumps und die künf­ti­gen Han­dels­be­zie­hun­gen zu den USA und auch we­gen der noch un­be­kann­ten Kon­se­quen­zen des bri­ti­schen EU-Aus­tritts.

Abe trifft Trump

Auch für Ja­pan stellt Trump ei­nen Un­si­cher­heits­fak­tor dar, nach­dem der an­ge­hen­de US-Prä­si­dent wäh­rend des Wahl­kampfs das für Ja­pan wich­ti­ge Frei­han­dels­ab­kom­men TPP in­fra­ge ge­stellt hat­te. Um schnell Klar­heit zu ge­win­nen, will Ja­pans Re­gie­rungs­chef Shin­zo Abe noch die­se Wo­che Trump in New York tref­fen. In­zwi­schen er­hielt die ja­pa­ni­sche Wirt­schaft et­was Rü­cken­wind von stär­ke­ren Ex­por­ten. Da­bei hat sich das Wachs­tums­tem­po im drit­ten Quar­tal zum Vor­quar­tal ver­drei­facht.

Die auf das Jahr hoch­ge­rech­ne­te Ra­te war mit 2,2% deut­lich stär­ker als vom Markt­kon­sen­sus er­war­tet (le­dig­lich 0,8%). Und auch die Aus­fuh­ren zo­gen mit 2% so mar­kant an wie seit ei­nem Jahr nicht mehr. Wer­muts­trop­fen blei­ben der schwa­che Pri­vat­kon­sum, der im drit­ten Quar­tal nur mi­nim zu­leg­te, und die In­ves­ti­ti­ons­schwä­che der Un­ter­neh­men. Ja­pans No­ten­bank­chef Ha­r­u­hi­ko Ku­ro­da geht für die kom­men­den Quar­ta­le von ei­nem mo­de­ra­ten Aufschwung aus, ge­tra­gen von stei­gen­der Aus­land­nach­fra­ge und In­dus­trie­pro­duk­ti­on.

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