Das Wich­tigs­te

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN -

Der Zins­an­stieg und die da­mit ver­bun­de­nen Ver­schie­bun­gen sei­en je­doch sehr schnell ab­ge­lau­fen, be­fin­den Pa­na­gio­tis Spi­lio­pou­los, Lei­ter Fi­nanz­ana­ly­se der Bank Von­to­bel, und Pa­trik Schwen­di­mann, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter Re­se­arch der Zürcher Kan­to­nal­bank. Doch mit schnel­len Be­we­gun­gen steigt an den Fi­nanz­märk­ten die Nei­gung, zu über­schies­sen.

Pa­na­gio­tis Spi­lio­pou­los hegt denn auch ge­wis­se Zwei­fel an der Nach­hal­tig­keit des Zins­ni­veaus und der dar­in ent­hal­te­nen Wachs­tums­er­war­tun­gen: «Die Ma­k­ro­in­di­ka­to­ren sind nach wie vor sehr ge­mischt.» Dem­ent­spre­chend hält er die Ro­ta­ti­on in zy­kli­sche Sek­to­ren für «et­was über­trie­ben». Da wer­de in den Be­wer­tun­gen teil­wei­se schon sehr viel Po­si­ti­ves vor­weg­ge­nom­men. In dem Zu­sam­men­hang er­in­nert er an die Hoff­nung auf ei­ne Er­neue­rung der US-Stromin­fra­struk­tur, die mit der Wahl von Ba­rack Oba­ma vor acht Jah­ren ein­her­ge­gan­gen war. Sie er­füll­te sich nicht.

Be­den­ken äus­sert auch Adol­fo Lau­ren­ti, Öko­nom von J. Saf­ra Sa­ra­sin. Was den Ein­fluss und den Zeit­rah­men der Wirt­schafts­plä­ne von Do­nald Trump be­tref­fe, schie­nen die Fi­nanz­märk­te mit De­fen­si­ve Qua­li­täts­ak­ti­en mit an­spre­chen­der Di­vi­den­de und ge­ho­be­ner Be­wer­tung sind un­ter Druck ge­kom­men. Haupt­grün­de sind der welt­wei­te An­stieg lang­fris­ti­ger Zin­sen und die da­mit ver­bun­de­ne Wachs­tums­hoff­nung. Vie­le Un­wäg­bar­kei­ten ver­lei­hen den De­fen­si­ven je­doch wei­ter­hin Reiz – ge­ra­de nach der Be­wer­tungs­kor­rek­tur. über­zo­ge­nem Op­ti­mis­mus zu fre­veln. Trum­po­no­mics ste­he nicht nur für Auf­wärts­ri­si­ko. Pa­trik Schwen­di­mann von der ZKB sieht zu­min­dest kei­nen zwei­ten Zins­schock auf die De­fen­si­ven zu­kom­men. Das nimmt zins­sei­tig Druck weg.

Mit Blick auf wei­te­re, an sich wün­schens­wer­te Zin­s­a­van­cen sei wich­tig, dass sie be­hut­sam ab­lau­fen – auch we­gen mög­li­cher Ver­wer­fun­gen in Schwel­len­län­dern, die wich­ti­ge Trei­ber der Welt­wirt­schaft und der Un­ter­neh­mens­ge­win­ne sind. Zu­dem dür­fe Do­nald Trump das Ver­trau­en, das ihm die Fi­nanz­märk­te ent­ge­gen­brin­gen, nicht ent­täu­schen. Sonst neh­me die Ri­si­ko­aver­si­on wie­der zu.

An­ge­sichts der vie­len wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Un­wäg­bar­kei­ten kann ein Fest­hal­ten an Qua­li­täts­ak­ti­en mit eher de­fen­si­vem Cha­rak­ter und at­trak­ti­ver Di­vi­den­de nicht scha­den. Das gilt um­so mehr, als mit der Kurs­kor­rek­tur auch die Be­wer­tun­gen wie­der at­trak­ti­ver ge­wor­den sind (vgl. Gra­fi­ken 2 und 3). Bei vie­len mehr oder we­ni­ger de­fen­si­ven Qua­li­täts­ak­ti­en hat­te die Be­wer­tung kaum mehr ei­ne Rol­le ge­spielt. Das hat sich nun ge­än­dert. Pa­na­gio­tis Spi­lio­pou­los spricht von ei­ner «Nor­ma­li­sie­rung auf ein halb­wegs ver­nünf­ti­ges Ni­veau hin».

Ein­zel­ne Ti­tel se­hen heu­te so­gar eher güns­tig aus. Denn an den Ge­winn­aus­sich­ten der De­fen­si­ven hat sich we­nig ge­än­dert – die län­ger­fris­ti­gen Per­spek­ti­ven für Um­satz und Mar­ge, zwei wich­ti­ge Trei­ber des Kurs­ver­laufs, sind in­takt. Das sich dar­aus ab­lei­ten­de Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al ist das­sel­be, geht nun aber von ei­nem nied­ri­ge­ren Kurs- und Be­wer­tungs­ni­veau aus.

Chan­cen tun sich auf

Die Be­wer­tung, den drit­ten wich­ti­gen Trei­ber des Kur­strends, gilt es al­ler­dings im Au­ge zu be­hal­ten. Die Ge­fahr ei­nes noch­ma­li­gen Rutschs nach un­ten ist zwar be­grenzt. Ein wei­te­res sanf­tes Ab­glei­ten ist im wirt­schaft­lich güns­ti­gen Fall von wei­te­ren ver­hal­te­nen Zin­s­a­van­cen aber denk­bar. Er­weist sich die Wachs­tum­seu­pho­rie da­ge­gen als über­zo­gen, lie­gen um­ge­kehrt auch wie­der hö­he­re Be­wer­tun­gen drin.

Na­ment­lich in Giv­au­dan und Nest­lé er­öff­nen sich für län­ger­fris­tig ori­en­tier­te An­le­ger Chan­cen. Bei­de ha­ben nach un­ten über­schos­sen, bei­de ver­spre­chen im län- ger­fris­ti­gen Trend ei­ne so­li­de, wenn auch nicht über­ra­gen­de Kurs­ent­wick­lung.

Im di­rek­ten Ver­gleich sind Giv­au­dan et­was at­trak­ti­ver. Nest­lé ha­ben zwar den Vor­teil ei­ner güns­ti­ge­ren Be­wer­tung. Da­für sind Giv­au­dan die Wachs­tums­pro­ble­me we­gen auf­kom­men­der lo­ka­ler und re­gio­na­ler Kon­kur­renz, vor al­lem in Schwel­len­län­dern, fremd.

Oh­ne­hin ver­strömt der Leis­tungs­aus­weis von Giv­au­dan nur an­ge­neh­me No­ten (vgl. Gra­fi­ken oben). Bis 2020 will der Markt­füh­rer in sei­nem Me­tier den Um­satz im jähr­li­chen Durch­schnitt or­ga­nisch 4 bis 5% stei­gern. Das ist am­bi­tio­niert, wur­de in der letz­ten Fünf­jah­res­pe­ri­ode aber er­reicht. Zu­dem wird re­gel­mäs­sig ein ho­her frei­er Cash­flow er­zielt; das spricht für ei­ne wei­ter stei­gen­de Di­vi­den­de. Die Mar­ge er­scheint da­ge­gen na­he­zu aus­ge­reizt. Un­ter der An­nah­me ei­nes sta­bi­len Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis­ses deu­tet das auf ein län­ger­fris­ti­ges Kur­s­po­ten­zi­al im Rah­men der Um­satz­ent­wick­lung hin.

Die Ak­ti­en des Wa­ren­prüf­kon­zerns SGS sind nach wie vor eher teu­er. Swiss­com kön­nen aus­ser der Di­vi­den­de we­nig für sich in die Waag­scha­le wer­fen.

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