Gold zu­rück auf 1200 $

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOMBARD ODIER INVESTMENT MA­NA­GERS

Die Schwä­che dürf­te nur vor­über­ge­hend sein.

Nun, da die Prä­si­dent­schafts­wah­len in den USA end­lich vor­bei sind, müs­sen In­ves­to­ren die La­ge neu be­ur­tei­len. Sei müs­sen ein­schät­zen, wel­chen Ein­fluss der Wahl­sieg von Do­nald Trump auf das Land ha­ben wird und, wich­ti­ger noch, wie sehr sich die Ri­si­ken für das Fi­nanz­sys­tem er­hö­hen.

Der Gold­preis be­wegt sich nun auf ei­nem et­was an­de­ren Ni­veau, als es vor den Wah­len zu er­war­ten war. Seit Ju­li ist der Preis für die Un­ze von über 1360 $ auf 1205 $ ge­fal­len. Die Kor­rek­tur war aber an­ge­sichts der her­vor­ra­gen­den Per­for­mance des gel­ben Me­talls im ers­ten Halb­jahr nicht über­ra­schend. Rund 30% be­trug der An­stieg zwi­schen Ja­nu­ar und Ju­li.

Al­ler­dings hat­te es lan­ge so aus­ge­se­hen, als könn­te Gold das Ni­veau von 1300 $ / Un­ze be­haup­ten, den die­ses Jahr eta­blier­ten Trend bei­be­hal­ten und das Jahr auf rund 1400 $ be­en­den. Auf kur­ze Sicht könn­ten ei­ne sai­son­be­dingt star­ke Nach­fra­ge aus Asi­en und die Un­si­cher­heit wäh­rend der Re­gie­rungs­bil­dung in den USA den Gold­preis stüt­zen.

Do­nald Trump hat die Prä­si­dent­schafts­wahl für sich ent­schie­den. Die Un­si­cher­heit über sei­ne An­sich­ten, sein Tem­pe­ra­ment und sein Ur­teils­ver­mö­gen bleibt aber enorm. In­ter­na­tio­nal dürf­te die Be­klem­mung über sei­ne An­sich­ten zur Aus­sen­po­li­tik nicht so bald nach­las­sen, und sei­ne Hal­tung in Han­dels­fra­gen könn­te das Wirt­schafts­wachs­tum welt­weit be­ein­träch­ti­gen.

Ei­ne Zins­er­hö­hung durch die US-No­ten­bank Fed im De­zem­ber scheint be­reits so gut wie voll­stän­dig ein­ge­preist. Das gän­gi­ge Ar­gu­ment ist, dass hö­he­re Zin­sen schlecht für Gold sind, da es ei­ne zins­lo­se An­la­ge ist und dann die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten zu­neh­men. Doch nach der ers­ten Zins­er­hö­hung im De­zem­ber 2015 hat Gold im Lau­fe die­ses Jah­res über 20% zu­ge­legt. Sco­tia­bank hat die ver­gan­ge­nen sechs Straf­fungs­zy­klen seit 1982 (seit ein ge­eig­ne­ter Gold­in­dex ver­füg­bar ist) ana­ly­siert und kommt zum Schluss, dass Gold in der Hälf­te der Fäl­le im ers­ten Jahr nach der Zins­er­hö­hung avan­ciert ist, in den üb­ri­gen Fäl­len hat der Gold­preis nach­ge­ge­ben.

Wie Sco­tia­bank her­vor­hebt, gab es aber nur ei­nen Fall, in dem das Fed die Zin­sen im Um­feld nied­ri­ger In­fla­ti­on an­hob. Das war im Jahr 1986. Da­mals wur­den die Zin­sen her­auf­ge­setzt, um den sich scharf ab­wer­ten­den Dol­lar zu stüt­zen. Es war ei­ne der Zins­er­hö­hungs­pe­ri­oden, in de­nen Gold gut ab­schnitt. Auch jetzt ist die In­fla- ti­on nied­rig. Es zeich­net sich ab, dass es die­ses Mal ähn­lich läuft, wie die gu­te Per­for­mance von Gold nach der ers­ten Zins­er­hö­hung im De­zem­ber 2015 be­reits be­legt hat. Das wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le Um­feld im ge­gen­wär­ti­gen Zin­szy­klus ist in der jün­ge­ren Ge­schich­te bei­spiel­los. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Gold wei­ter­hin gut ab­schnei­den wird. Der Stress, den stei­gen­de Zin­sen für die Welt­wirt­schaft und das Fi­nanz­sys­tem be­deu­ten könn­ten, stützt das gel­be Edel­me­tall.

Der lang­fris­ti­ge Aus­blick für Gold bleibt un­ver­än­dert. Die jüngs­te Schwä­che dürf­te ei­ne Kon­so­li­die­rungs­pha­se in­ner­halb ei­ner Ent­wick­lung sein, die das frü­he Sta­di­um ei­ner neu­en Gold­markt­hausse ist. We­gen der Ver­zer­run­gen, die die un­kon­ven­tio­nel­len Mass­nah­men der No­ten­ban­ken welt­weit aus­ge­löst ha­ben, dürf­ten die glo­ba­len Fi­nanz­markt­ri­si­ken grös­ser wer­den. Das wird An­le­ger wei­ter­hin in Gold als si­che­ren Ha­fen trei­ben – erst recht an­ge­sichts des Ver­lusts von Ver­trau­en in die No­ten­ban­ken welt­weit und, in den USA, we­gen der Un­si­cher­heit nach dem Wahl­sieg von Do­nald Trump.

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