In­fla­ti­on wird ein­ge­preist

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - SVEN LANG,

Ma­ke in­fla­ti­on gre­at again! Die­ser leicht ab­ge­wan­del­te Wahl­kampf­slo­gan von Do­nald Trump be­schreibt ziem­lich tref­fend, was die glo­ba­len An­lei­hen­märk­te im Nach­gang der US-Prä­si­dent­schafts­wah­len ein­ge­preist ha­ben: zu­neh­men­de Teue­rung. Die an­ge­kün­dig­ten In­ves­ti­ti­ons­pro­gram­me, um die brach­lie­gen­de In­fra­struk­tur in den USA wie­der auf Vor­der­mann zu brin­gen, die Er­he­bung von Im­port­zöl­len auf aus­län­di­sche Gü­ter und die zeit­glei­che Ab­schie­bung von il­le­ga­len (bil­li­gen) Ar­beits­kräf­ten wir­ken zwei­fels­oh­ne preis­trei­bend.

Da­her sind die In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen an den An­lei­hen­märk­ten auch in kür­zes­ter Zeit deut­lich ge­stie­gen. Dies hat zu ei­nem deut­li­chen Aus­ver­kauf bei Staats­an­lei­hen ge­führt. Die Ver­fall­ren­di­ten für zehn­jäh­ri­ge US-Tre­a­su­ries stie­gen von rund 1,8 auf tem­po­rär 2,3%.

Die in­fla­ti­ons­ge­schütz­ten An­lei­hen konn­ten sich al­ler­dings deut­lich bes­ser hal­ten, da der Zins­an­stieg haupt­säch­lich über die ge­stie­ge­nen In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen ge­trie­ben wur­de. Das un­ter­streicht ein­mal mehr die po­si­ti­ven Ei­gen­schaf­ten die­ser An­la­ge­klas­se, die die Ro­bust­heit ei­nes glo­ba­len An­lei­hen­port­fo­li­os sub­stan­zi­ell er­höht.

Eben­falls in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wur­den Schwel­len­län­der­an­lei­hen. Me­xi­ko hat es da­bei be­son­ders schwer ge­trof­fen. Zwar war der me­xi­ka­ni­sche Pe­so be­reits im Vor­feld der US-Wah­len sehr schwach. Die Schwä­che hat sich dann aber in den frü­hen Mor­gen­stun­den des 9. No­vem­ber mit Ver­lus­ten von bei­na­he 15% ge­gen­über dem Dol­lar noch wei­ter ak­zen­tu­iert. Der Wert der me­xi­ka­ni­schen Wäh­rung liegt mitt­ler­wei­le 50% un­ter sei­nem lang­fris­ti­gen Mit­tel. Das heisst, der Pe­so be­fin­det sich in et­wa wie­der dort, wo er wäh­rend der Te­qui­la-Kri­se von 1994 lag.

Da­mals war Me­xi­ko aber tat­säch­lich fak­tisch bank­rott. Im Um­kehr­schluss be­deu­tet dies, dass der Markt mit dem Pe­so­kurs ein Hor­ror­sze­na­rio ein­preist, das je­doch zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht zu er­war­ten ist. Ei­ne deut­li­che Er­ho­lung des Pe­so­kur­ses ist des­halb nicht aus­ge­schlos­sen. Dies gilt auch ins­ge­samt für Schwel­len­län­der­an­lei­hen: Hier bie­tet die jüngs­te Kor­rek­tur Ein­stiegs­chan­cen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.