Dol­lar im Zins­rausch

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEX­AN­DER KRÄMER,

US-Ren­di­ten und Dol­lar stei­gen, Ak­ti­en im Plus.

US-An­lei­he­ren­di­ten er­hiel­ten kurz vor Wo­chen­schluss ei­nen neu­en Im­puls: Die Fed-Vor­sit­zen­de Ja­net Yel­len äus­ser­te sich vor dem Wirt­schafts­aus­schuss des US-Kon­gres­ses zu­ver­sicht­lich, recht bald den US-Leit­zins an­zu­he­ben. Das ist per se kei­ne gros­se Neu­ig­keit, denn das Com­mu­ni­qué des Fed von An­fang No­vem­ber deu­te­te das be­reits an. Auch dass sich die USWirt­schaft den Fed-Zie­len Voll­be­schäf­ti­gung und 2% In­fla­ti­on wei­ter ge­nä­hert hat, stellt kei­ne neue Er­kennt­nis dar. Und dass man den Leit­zins nur sach­te an­he­ben will, war eben­falls nicht neu und spricht eher ge­gen ei­nen wei­te­ren An­stieg der lang­fris­ti­gen Ren­di­ten. Was die An­lei­he­märk­te wei­ter trieb, war Yel­lens An­deu­tung, dass ei­ne zu ex­pan­si­ve Trump­sche Fis­kal­po­li­tik die In­fla­ti­on be­feu­ern und das Fed zu ag­gres­si­ve­ren Zins­schrit­ten zwin­gen könn­te. Mit 2,29% lag die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger US-Staats­an­lei­hen am Frei­tag 14 Ba­sis­punk­te hö­her als noch vor ei­ner Wo­che.

Die Aus­wir­kun­gen auf die An­lei­he­märk­te aus­ser­halb der USA wa­ren ge­mischt. Die Ren­di­ten ja­pa­ni­scher Staats­an­lei­hen glei­cher Lauf­zeit stie­gen im Wo­chen­ver­lauf eben­falls, und zwar über das von der Bank von Ja­pan an­vi­sier­te Ni­veau von rund 0%. Die Bank bot dar­auf­hin am Don­ners­tag erst­ma­lig an, in un­be­grenz­tem Um­fang An­lei­hen zu ei­nem fes­ten Zins­satz zu kau­fen. Das brems­te den An­stieg, vor al­lem weil nie­mand be­reit war, zu die­sen Kon­di­tio­nen An­lei­hen an­zu­die­nen. En­de der Wo­che la­gen zehn­jäh­ri­ge ja­pa­ni­sche An­lei­hen bei 0,02%.

Star­ke US-Wäh­rung

Von der Ent­wick­lung der US-An­lei­hen konn­ten sich deut­sche Bun­des­an­lei­hen ab­kop­peln. Sie fie­len im Ver­lauf der Wo­che um 4 Ba­sis­punk­te und ren­tier­ten am Frei­tag bei 0,27%. Der deut­li­che An­stieg der US-An­lei­he­ren­di­ten spie­gel­te sich auch in der Wäh­rung wi­der. Auf han­dels­ge­wich­te­ter Ba­sis wer­te­te der Dol­lar gut 2% auf. Am stärks­ten lit­ten dar­un­ter der ja­pa­ni­sche Yen, der im Ver­lauf der Wo­che knapp 3,8% zum Dol­lar ab­wer­te­te, und auch der Eu­ro, der 2,6% ver­lor. Der me­xi­ka­ni­sche Pe­so wer­te­te da­ge­gen 2,3% auf.

Ei­ner­seits ist das ei­ne tech­ni­sche Ge­gen­re­ak­ti­on auf die mas­si­ve Ab­wer­tung der Vor­wo­che. An­de­rer­seits hat die me­xi­ka­ni­sche Zen­tral­bank bei ih­rer dies­wö­chi­gen Leit­zins­er­hö­hung um 50 Ba­sis­punk­te auf 5,25% klar ge­macht, dass sie ei­ne wei­te­re Ab­wer­tung des Pe­sos als gröss­tes Ri­si­ko für ih­ren In­fla­ti­ons­aus­blick sieht und ent­spre­chend wil­lens ist zu agie­ren. Eben­falls nicht gut be­kom­men ist der An­stieg der An­lei­he­ren­di­ten dem Gold. Im Wo­chen­ver­lauf fiel der Preis um 2% auf 1.207 $/Fein­un­ze.

Trend­wen­de

Die Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten un­ter­schied­lich. In den USA hielt die Trump-Eu­pho­rie an; der S&P 500 leg­te im Wo­chen­ver­lauf et­wa 1% zu und no­tiert mit 2 185 nur knapp un­ter sei­nem All­zeit­hoch von Au­gust. Der Dax gab im spä­ten Frei­tags­han­del sei­ne Wo­chen­ge­win­ne wie­der her, der Eu­ro Sto­xx 50 lag mit 0,3% leicht un­ter Vor­wo­che. Schwel­len­län­der­ak­ti­en sta­bi­li­sier­ten sich nach den zu­letzt deut­li­chen Kurs­ver­lus­ten.

Al­ler­dings schwin­det das Ver­trau­en der An­le­ger in die­se An­la­ge­klas­se: In den letz­ten bei­den Wo­chen flos­sen aus Ak­ti­en­fonds, die haupt­säch­lich in Schwel­len­län­der­ak­ti­en in­ves­tie­ren, Mit­tel­von 0,7% des ver­wal­te­ten Ver­mö­gens. Da gleich­zei­tig Ak­ti­en­fonds mit dem An­la­ge­schwer­punkt in In­dus­trie­län­dern Zuflüs­se hat­ten, deu­tet sich nach fast ei­nem hal­ben Jahr ei­ne Trend­wen­de an, die bis weit in 2017 an­dau­ern soll­te.

Den Öl­preis hielt ein äus­serst op­ti­mis­ti­sches Auf­tre­ten des sau­di­schen Öl­mi­nis­ters al-Fa­lih im Plus: Er stell­te ei­ne Kür­zung der Opec-För­de­rung um 1 Mio. Fass auf 32,5 Mio. Fass/Tag in Aus­sicht. Die jüngs­te Dol­lar­stär­ke und der gröss­te Öl­fund al­ler Zei­ten auf dem ame­ri­ka­ni­schen Fest­land konn­ten das nicht über­tref­fen. Die ge­schätz­ten 20 Mrd. Fass die­ses Felds soll­ten aber da­für sor­gen, dass den USA das Öl so schnell nicht aus­geht – und den Öl­preis un­ter Druck set­zen, falls sich die Opec am 30. No­vem­ber mal wie­der nicht ei­nigt.

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