Roh­stoff­ak­ti­en loh­nen sich dop­pelt

Ti­tel von Mi­nen- und Öl­un­ter­neh­men er­hö­hen die Ren­di­te und sen­ken das Ri­si­ko. Jetzt ist der Ein­stieg be­son­ders at­trak­tiv.

Finanz und Wirtschaft - - R - GABRIELLA HUN­TER

Mehr Ren­di­te bei ge­rin­ge­rem Ri­si­ko? Wel­cher An­le­ger träumt nicht da­von. Nicht nur in Zei­ten von Ne­ga­tiv­zin­sen und ra­ren An­la­ge­al­ter­na­ti­ven scheint das un­mög­lich. Doch die Bei­mi­schung von Roh­stoff­ak­ti­en zum Port­fo­lio bie­tet ge­nau das, zeigt ei­ne Stu­die des Ver­mö­gens­ver­wal­ters GMO.

Das mag über­ra­schen, schnei­den die Ti­tel von För­der- und Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men doch seit Mit­te 2011 schlecht ab. Wäh­rend der Wel­t­ak­ti­en­in­dex über 20% ge­stie­gen ist, ha­ben sich Roh­stoff­ak­ti­en hal­biert (vgl. Gra­fik 1).

Ge­nau da liegt in­des der Clou: Die Kur­se der Roh­stoff­ak­ti­en wer­den durch an­de­re Fak­to­ren wie die In­fla­ti­on be­stimmt und ver­hal­ten sich des­halb nicht wie der Ge­samt­markt. Zu­dem sind sie vo­la­ti­ler als an­de­re Ti­tel, weil sie über­pro­por­tio­nal auf die Preis­ver­än­de­run­gen der zu­grun­de­lie­gen­den Roh­stof­fe re­agie­ren (vgl. Text­box un­ten links). Denn steigt der Preis, nimmt nicht nur der Wert der För­de­rung zu, son­dern auch der der Res­sour­cen des Un­ter­neh­mens, die noch un­an­ge­tas­tet im Bo­den la­gern – und um­ge­kehrt.

Aber auch das tra­di­tio­nell schlech­te Ma­nage­ment von Roh­stoff­un­ter­neh­men hat zu gros­sen Preis­schwan­kun­gen ge­führt. In gu­ten Zei­ten in­ves­tie­ren die För­de­rer über­mäs­sig – auch in we­nig pro­fi­ta­ble Mi­nen –, was das An­ge­bot nach oben treibt. Wenn die Prei­se in der Fol­ge sin­ken, sind vie­le Pro­duk­ti­ons­stät­ten nicht mehr trag­bar und müs­sen ein­ge­stellt wer­den – so wie im jet­zi­gen Zy­klus.

Un­ter­be­wer­tung als Vor­teil

Gera­de für An­le­ger mit ei­nem kurz­fris­ti­gen Ho­ri­zont wir­ken die un­be­re­chen­ba­ren Kurs­schwan­kun­gen ab­schre­ckend. Des­halb han­deln Roh­stoff­ak­ti­en lang­fris­tig mit ei­nem Ab­schlag von fast 20% zum Ge­samt­markt, wenn man auf gän­gi­ge Be­wer­tungs­kri­te­ri­en wie das nor­ma­li­sier­te Kurs-Ge­winn- oder das Kur­sBuch-Ver­hält­nis so­wie die Di­vi­den­den­ren­di­te ab­stellt (vgl. Gra­fik 2).

Die­ser Be­wer­tungs­ab­schlag er­mög­licht aber, dass Roh­stoff­ak­ti­en lang­fris­tig bes­ser ab­schnei­den als der brei­te Markt. So sind die Kur­se von Roh­stoff­ti­teln seit 1925 stär­ker ge­stie­gen als der US-Leit­in­dex S&P 500 (vgl. Gra­fik 3). Des­halb er­höht ih­re Bei­mi­schung die Ren­di­te ei­nes ge­misch­ten Port­fo­li­os.

Da sie zu­dem auf an­de­re Fak­to­ren re­agie­ren als her­kömm­li­che Ak­ti­en, sor­gen Roh­stoff­wer­te für Di­ver­si­fi­ka­ti­on und sen­ken so­mit das Ri­si­ko (vgl. Text­box un­ten rechts und Gra­fik 4). Die kurz­fris­tig ho­hen Preis­schwan­kun­gen re­sul­tie­ren dem­nach nicht in lang­fris­tig hö­he­rer Vo­la­ti­li­tät. Im Ge­gen­teil, ins­ge­samt ha­ben sich Port­fo­li­os mit Roh­stoff­ak­ti­en über zehn Jah­re hin­weg sta­bi­ler ent­wi­ckelt als brei­te Ak­ti­en­in­di­zes.

So schlägt ein Port­fo­lio, das sich aus je 50% Ak­ti­en von Ener­gie- und Me­tall­un­ter­neh­men so­wie dem rest­li­chen US-Markt zu­sam­men­setzt, den Ge­samt­markt. Gleich­zei­tig schwankt die Ren­di­te we­ni­ger (vgl. Gra­fik 5).

Kur­stau­cher aus­sit­zen

Wer zwi­schen­zeit­li­che Kur­stau­cher wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus­sit­zen kann, soll­te Roh­stoff­ak­ti­en im Port­fo­lio hö­her ge­wich­ten, als dies bei brei­ten In­di­zes wie dem S&P 500 der Fall ist. Denn lang­fris­tig be­trach­tet sind die Schwan­kun­gen ver­nach­läs­sig­bar.

Doch lohnt sich der Ein­stieg heu­te? In der Ver­gan­gen­heit ha­ben die Ti­tel dann am bes­ten ab­ge­schnit­ten, als sie un­ter­be­wer­tet wa­ren (vgl. Gra­fi­ken 2 und 6). Der­zeit liegt die Be­wer­tung ge­mäss GMO im un­ters­ten Quin­til: Mehr als 80% der Zeit wa­ren Roh­stoff­ti­tel teu­rer. Zu­dem ha­ben die Un­ter­neh­men auf die Roh­stoff­baisse re­agiert und sind at­trak­ti­ver auf­ge­stellt.

So hat nach den ver­lust­rei­chen Jah­ren vie­ler­orts das Ma­nage­ment und da­mit die Stra­te­gie ge­wech­selt. Die För­de­rer sei­en heu­te viel kos­ten­be­wuss­ter als wäh­rend dem Roh­stoff­boom bis 2011, sagt Joe Fos­ter von VanEck. Und die tie­fen Roh­stoff­prei­se hat­ten noch ei­nen wei­te­ren hei­len­den Ef­fekt auf die Bran­che. Statt auf Wachs­tum ach­ten die Mi­nen­und Öl­un­ter­neh­men heu­te stär­ker auf die Pro­fi­ta­bi­li­tät. Da­durch bie­tet sich dem An­le­ger ei­ne grosse Aus­wahl an at­trak­ti­ven Na­men (vgl. Tex­te rechts).

Ei­ne güns­ti­ge Be­wer­tung und bes­ser auf­ge­stell­te Roh­stoff­un­ter­neh­men – der­zeit scheint das Po­ten­zi­al be­son­ders gross. Da­zu kommt der Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­vor­teil. Und trotz­dem ma­chen vie­le An­le­ger im­mer noch ei­nen Bo­gen um Roh­stoff­ak­ti­en. Sie kau­fen lie­ber al­ter­na­ti­ve An­la­gen und si­chern so das Port­fo­lio zu ho­hen Ge­büh­ren ab. Da­bei neh­men sie für die bes­se­re Ri­si­ko­streu­ung ei­ne ge­rin­ge­re Ren­di­te in Kauf, als sie mit Roh­stoff­ak­ti­en er­zie­len könn­ten.

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