Öl- und Gas­mul­tis hal­ten stur an ho­hen Di­vi­den­den fest

Finanz und Wirtschaft - - FE - MG

Gleich wie die Berg­bau­kon­zer­ne lei­den auch die Öl- und Gas­mul­tis un­ter dem Roh­stoff­preis­zer­fall. Das schmä­lert die Er­trä­ge und die Ge­win­ne. Doch an­ders als die Berg­bau­kon­zer­ne (vgl. Text rechts) hal­ten die Öl- und Gas­mul­tis stur an ih­ren Di­vi­den­den fest. Das führt im jet­zi­gen Nied­rig­zins­um­feld zu stol­zen Di­vi­den­den­ren­di­ten. Die Ak­ti­en Roy­al Dutch Shell ren­tie­ren für 2016 mit 7,4%, BP mit 6,9, Eni mit 6,3, To­tal mit 5,7, Sta­toil mit 5%. Schon et­was zu­rück fol­gen Chev­ron mit 3,9 und Exxon Mo­bil mit 3,5%.

Auf den Zer­fall der Roh­stoff­prei­se und um die Di­vi­den­den hoch­hal­ten zu kön­nen, re­agier­ten die Öl- und Gas­mul­tis mit ei­nem Bün­del von Mass­nah­men: Sie kürz­ten die In­ves­ti­tio­nen im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich um Mil­li­ar­den­be­trä­ge, sie senk­ten die Be­triebs­kos­ten und ent­lies­sen Per­so­nal, sie ver­kauf­ten Ak­ti­va, und sie er­höh­ten an­ge­sichts noch weit­ge­hend ge­sun­der Bi­lan­zen die Schul­den. Ei­ne lang­fris­tig nach­hal­ti­ge Po­li­tik ist das nicht. Zu­dem schmä­lern die In­ves­ti­ti­ons­kür­zun­gen die künf­ti­gen Wachs­tums­chan­cen. Auch birgt die Re­di­men­sio­nie­rung oder gar Sis­tie­rung von Ex­plo­ra­ti­ons- und För­der­pro­jek­ten die Ge­fahr, dass das An­ge­bot künf­tig hin­ter die Nach­fra­ge zu­rück­fällt und es in Öl und Gas wie­der zu ei­nem Preis­sprung nach oben kommt.

Zwei Öl- und Gas­mul­tis mach­ten in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit be­son­de­re Schlag­zei­len. Da ist zum ei­nen der bri­ti­sche Kon­zern BP, der 2010 im Golf von Me­xi­ko in ei­nen schwe­ren Un­fall ver­wi­ckelt wur­de, der elf Men­schen­le­ben for­der­te und zur gröss­ten Öl­pest in der Ge­schich­te der USA führ­te. Die Kos­ten für die­sen Un­fall – Zah­lun­gen für Bus­sen und zur Wie­der­gut­ma­chung von öko­lo­gi­schen und wirt­schaft­li­chen Schä­den – be­lie­fen sich auf über 60 Mrd. $. Zur Geld­be­schaf­fung lan­cier­te BP des­halb ein um­fang­rei­ches De­ves­ti­ti­ons­pro­gramm. Jetzt, da die­ses Pro­gramm ab­ge­schlos­sen ist, steht der Kon­zern schlan­ker und wett­be­werbs­fä­hi­ger denn je da.

Schlag­zei­len mach­te zum an­de­ren der nie­der­län­disch-bri­ti­sche Mul­ti Roy­al Dutch Shell. Er über­nahm An­fang Jahr für 47 Mrd. £ (59 Mrd. Fr.) den klei­ne­ren bri­ti­schen Kon­kur­ren­ten BG Group. Da­mit er­langt Shell in Zu­kunfts­be­rei­chen des Ener­gie­markts – Flüs­sig­gas und Tief­see­öl – glo­bal füh­ren­de Po­si­tio­nen. Die Kehr­sei­te ist ei­ne stark ge­stie­ge­ne Ver­schul­dung, die der Mul­ti jetzt mit ei­nem De­ves­ti­ti­ons­pro­gramm wie­der auf ein er­träg­li­ches Ni­veau zu­rück­zu­füh­ren sucht.

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