Lo­kal­wäh­rung be­deu­tet mehr Ri­si­ko

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - RO­MAIN BORDENAVE

An­lei­hen der Schwel­len­län­der in lo­ka­ler Wäh­rung ha­ben die ver­gan­ge­nen Jah­re ge­gen­über Hart­wäh­rungs­an­lei­hen ent­täuscht (vgl. Gra­fik 3). Grund sind die Wech­sel­kurs­ver­lus­te die­ser Märk­te. Ge­mäss ei­nem In­dex von J. P. Mor­gan ha­ben sie ge­gen­über dem US-Dol­lar seit An­fang 2013 fast ein Drit­tel ab­ge­wer­tet. Da­bei wur­den von vie­len Stra­te­gen die Bonds in lo­ka­ler Wäh­rung gera­de des­we­gen lan­ge Zeit emp­foh­len, weil sie den De­vi­sen der Schwel­len­län­der Auf­wärts­po­ten­zi­al ein­ge­räumt ha­ben.

Die An­lei­hen in Lo­kal­wäh­run­gen bie­ten zu­min­dest in ei­nem Aspekt mehr Si­cher­heit: Es be­steht we­nig Ge­fahr, dass die Län­der ih­re Schul­den nicht zu­rück­zah­len. Da sie im Not­fall ein­fach mehr ih­rer ei­ge­nen Wäh­rung dru­cken kön­nen, muss man sich über ei­nen Man­gel an De­vi­sen als Gläu­bi­ger kei­ne Sor­gen ma­chen.

Doch das ist nur ein schwa­cher Trost. Zwar muss­te man sich nicht um ei­nen Zah­lungs­aus­fall sor­gen. Doch die Angst über die ver­gan­ge­nen Jah­re, dass die nied­ri­gen Roh­stoff­prei­se und der schwa­che Welt­han­del das Wachs­tums­mo­dell der Schwel­len­län­der un­ter Druck setzt, drück­te sich in schwä­che­ren Wäh­run­gen aus.

Auch der oft ge­nann­te Vor­teil, dass man mit Lo­kal­wäh­rungs­an­lei­hen nicht so eng an den US-Ren­di­ten hängt, schütz­te nicht vor dem Zins­schock nach der Wahl von Do­nald Trump. Denn die hö­he­ren US-Ren­di­ten lies­sen den Dol­lar er­star­ken – und führ­ten so zu Ver­lus­ten für aus­län­di­sche An­le­ger in den Lo­kal­wäh­rungs­bonds.

Paul McNa­ma­ra von GAM be­tont: «An­lei­hen in Lo­kal­wäh­run­gen hän­gen eher am Dol­lar und sind emp­find­lich ge­gen­über den tat­säch­li­chen Wirt­schafts­be­din­gun­gen in den Schwel­len­län­dern.» Die Wirt­schafts­aus­sich­ten man­cher Län­der ha­ben sich nun durch die Wahl von Trump ver­düs­tert: «Am meis­ten lit­ten die Wäh­run­gen von Me­xi­ko und an­de­ren han­dels­ori­en­tier­ten Schwel­len­län­dern», sagt McNa­ma­ra. «Die Rhe­to­rik von Do­nald Trump ist feind­lich ge­gen Han­del und Glo­ba­li­sie­rung. Und in die­sen Ge­bie­ten hat der Prä­si­dent am meis­ten Ein­fluss.» In ei­nem ty­pi­schen ETF auf Bonds in lo­ka­ler Wäh­rung ge­hö­ren die eng mit den USA ver­zahn­ten Na­tio­nen Süd­ko­rea und Me­xi­ko zu den gröss­ten Emit­ten­ten (vgl. Gra­fik 5).

Zwar ha­ben sich durch die ste­tig ab­wer­ten­den De­vi­sen der Schwel­len­län­der die Lo­kal­wäh­rungs­an­lei­hen über die letz­ten Jah­re als ris­kan­te Ver­lust­brin­ger er­wie­sen. Aber es könn­te auch in die an­de­re Rich­tung ge­hen. Hö­he­re Roh­stoff­prei­se, ein stär­ke­rer Welt­han­del und ein Prä­si­dent Trump, der sanf­ter agiert als ge­dacht, könn­ten den Wäh­run­gen neue Im­pul­se ge­ben. In solch ei­nem Sze­na­rio wä­ren die Lo­kal­wäh­rungs­an­lei­hen ei­ne loh­nen­de Wet­te.

«Im Ge­gen­satz zu 2013 hat sich der Ri­si­ko­auf­schlag nur mi­ni­mal be­wegt.»

Ed­mond de Roth­schild As­set Ma­nage­ment

Kön­nen sich nun ab­zeich­nen­de Ab­flüs­se aus Schwel­len­län­der­an­lei­hen zum Pro­blem wer­den (vgl. Gra­fik 2)? Paul McNa­ma­ra re­la­ti­viert die Sor­gen: «Wir glau­ben nicht, dass Geld­flüs­se die künf­ti­ge Per­for­mance vor­her­sa­gen kön­nen.» So ha­be das Jahr 2009 mit gros­sen Ab­flüs­sen be­gon­nen, dann aber ei­ne star­ke Per­for­mance für die Bonds ge­lie­fert.

McNa­ma­ra schaut nun auf «Si­gna­le aus der US-Po­li­tik» und die wei­te­re Zins­ent­wick­lung in den USA: «Die Ren­di­ten dort hän­gen da­von ab, wie sich die USFis­kal­po­li­tik ent­wi­ckelt.» Der Markt er­war­te un­ter Trump stei­gen­de Aus­ga­ben und hö­he­re Staats­schul­den. Über den gros­sen Angst­fak­tor der ver­gan­ge­nen Jah­re – tie­fe Roh­stoff­prei­se – macht er sich we­ni­ger Ge­dan­ken. «Wir fo­kus­sie­ren uns dar­auf, wie ro­bust Län­der ge­gen­über nied­ri­ge­ren Roh­stoff­prei­sen auf­ge­stellt sind.» Die Fun­da­men­tal­da­ten sei­en nun bes­ser als noch im Ta­per-Jahr 2013.

Auch Bordenave kon­zen­triert sich stär­ker auf die Zins­ent­wick­lung als auf die Roh­stoff­prei­se. «Wir ha­ben uns schon vor der US-Wahl ge­gen hö­he­re Ren­di­ten ab­ge­si­chert», sagt er. «Das half uns, die Per­for­mance des Bench­mark-In­dex zu schla­gen.» Sein zwei­tes Re­zept für Out­per­for­mance sind ris­kan­te An­lei­hen – et­wa aus Ve­ne­zue­la und der Ukrai­ne. «Es geht dar­um, für das ein­ge­gan­ge­ne Ri­si­ko ent­schä­digt zu wer­den. Die­se Ent­schä­di­gung ist bei Bonds mit In­vest­ment-Gra­de-Ra­ting et­wa von ost­eu­ro­päi­schen Län­dern, Pe­ru, Chi­le und Thai­land nicht der Fall.» An­lei­hen mit An­la­ge­qua­li­tät sei­en zu teu­er und hät­ten durch den Ren­di­te­an­stieg nun am meis­ten ver­lo­ren.

Ei­ne Kri­se der Schwel­len­län­der hat Trump nicht aus­ge­löst. Aber An­le­ger soll­ten sich der Ri­si­ken be­wusst sein: Die Bonds re­agie­ren auf die US-Ren­di­ten und die stark schwan­ken­den Ka­pi­tal­flüs­se. Die gu­te Ver­zin­sung kommt nicht um­sonst.

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