Öl steigt vor Opec-Tref­fen

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

Der Markt an­ti­zi­piert ei­nen Be­schluss zur För­der­kür­zung.

Die über­ra­schen­de Auf­bruchs­stim­mung im Nach­gang zur Prä­si­dent­schafts­wahl hält an. Re­kord­ho­he US-Ak­ti­en­in­di­zes und ein kräf­tig an­zie­hen­der Dol­lar zeu­gen von Zu­ver­sicht der An­le­ger in die USKon­junk­tur. Die­se po­si­ti­ve Stim­mung schlägt sich auch in der Ent­wick­lung der Roh­stoff­prei­se nie­der. Mit we­ni­gen Aus­nah­men ten­dier­ten die in­ter­na­tio­na­len Wa­ren­märk­te in den ver­gan­ge­nen Ta­gen freund­lich, wenn­gleich teils auch pro­dukt­spe­zi­fi­sche Fun­da­men­tal­fak­to­ren für Un­ter­stüt­zung sorg­ten. Be­son­ders ein­drück­lich sind die Preis­stei­ge­run­gen an den Ener­gie­märk­ten. Der Preis für ein Fass Erd­öl der Sor­te Brent ist von 45 $ fast 10% auf 49 $ ge­stie­gen.

Der Fo­kus liegt auf der Sit­zung der Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) vom 30. No­vem­ber in Wi­en, wo An­ge­bots­kür­zun­gen be­schlos­sen wer­den sol­len. Be­reits seit An­fang Wo­che tagt ei­ne Ex­per­ten­grup­pe des Kar­tells zur Aus­ar­bei­tung von kon­kre­ten Emp­feh­lun­gen. Der Knack­punkt dürf­te die Wie­der­ein­füh­rung von in­di­vi­du­el­len För­der­quo­ten sein. Ver­schie­de­ne Opec- und Nich­tOpec-Pro­du­zen­ten ha­ben zu­letzt ih­re För­der­men­gen mar­kant er­höht. Es stellt sich die Fra­ge, wel­che Men­gen als Aus­gang­la­ge für Kür­zun­gen her­an­ge­zo­gen wer­den. Auch die Fra­ge, wel­che Pro­du­zen­ten­län­der von der Dros­se­lung ver­schont wer­den sol­len, wird für Dis­kus­sio­nen sor­gen.

Üb­li­cher­wei­se nut­zen ein­zel­ne Ver­tre­ter die Ge­le­gen­heit, mit In­dis­kre­tio­nen und dem Streu­en von Ge­rüch­ten die Stim­mung an den Märk­ten zu be­ein­flus­sen. Das ge­lingt meist bes­ser als das Ein­hal­ten von be­schlos­se­nen Quo­ten. Das zeigt die Markt­re­ak­ti­on der ver­gan­ge­nen Ta­ge.

Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass am 30. No­vem­ber auch ent­spre­chen­de Be­schlüs­se zu Pa­pier ge­bracht wer­den. Erst da­nach muss der Be­weis an­ge­tre­ten wer­den, dass die­sen Ver­ein­ba­run­gen auch nach­ge­lebt wird. Ge­nau das ist nicht die Stär­ke der Opec. In der Ver­gan­gen­heit ha­ben hö­he­re Prei­se stets auch zu mehr An­ge­bot ge­führt, und so ist auch dies­mal ei­ne ge­sun­de Por­ti­on Skep­sis an­ge­bracht. Bis zum Mo­nats­en­de dürf­te die Preis­span­ne bei Erd­öl­Fu­tures auf Brent wei­ter­hin zwi­schen 46 und 54 $/Fass lie­gen. Fu­tures auf eu­ro­päi­sches Heiz­öl (Ga­soil) dürf­ten sich zwi­schen 430 und 480 $/Ton­ne be­we­gen.

Bei den Ge­nuss­mit­teln setzt sich die Preis­kor­rek­tur bei Kaf­fee und Zu­cker fort. Bei­de Roh­stof­fe hat­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na- ten un­ter Mit­hil­fe der gros­sen Hedge Funds kräf­tig zu­ge­legt. Jetzt sor­gen die Spe­ku­lan­ten mit Li­qui­da­tio­nen für Preis­druck.

Ge­trei­de-Fu­tures ha­ben sich da­ge­gen in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ver­teu­ert. Zu Wo­chen­be­ginn über­zeug­te vor al­lem So­ja mit ei­nem kräf­ti­gen Kurs­ge­winn. Die US-Ern­te ist fast kom­plett ein­ge­fah­ren, was am Fu­tures­markt oft zu Na­chern­te-Ral­lies führt. Hin­zu kommt, dass die Ge­trei­de­märk­te in der Thanks­gi­ving-Wo­che meist ei­nen po­si­ti­ven Trend auf­wei­sen.

Be­son­ders wich­tig ist aber die chi­ne­si­sche Nach­fra­ge. Der Ren­min­bi hat sich ge­gen­über dem Dol­lar auf das tiefs­te Ni­veau seit 2008 ab­ge­schwächt. Die Ab­wer­tung der chi­ne­si­schen Wäh­rung ver­teu­ert die So­ja­im­por­te aus den USA. Chi­ne­si­sche Im­por­teu­re ha­ben aus Angst vor wei­te­ren Wech­sel­kurs­ver­wer­fun­gen das Kauf­vo­lu­men er­höht.

Auch die Wei­zen- und Mai­s­prei­se leg­ten beid­seits des At­lan­tiks deut­lich zu. Spe­ku­la­ti­ve In­ves­to­ren set­zen mit Leer­ver­käu­fen in­ten­siv auf fal­len­de Kur­se. Das er­höht die Wahr­schein­lich­keit von Ge­gen­be­we­gun­gen, wie sie der­zeit statt­fin­den.

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