Hält die Trump-Eu­pho­rie?

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

US-Ak­ti­en haus­sie­ren, Schwei­zer Ak­ti­en lei­den un­ter star­kem Fran­ken.

Die Ak­ti­en­ral­ly nach dem Tri­umph Do­nald Trumps hält auch rund zwei Wo­chen nach der US-Wahl an. So­wohl der S&P 500 als auch der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq er­reich­ten in den ers­ten Ta­gen die­ser Wo­che All­zeit­hochs. Un­ter­stützt wird der Hö­hen­flug von der Hoff­nung, Trump wer­de sei­ne Wahl­ver­spre­chen um­set­zen und Steu­ern sen­ken, die Staats­aus­ga­ben er­hö­hen und Re­gu­lie­run­gen im Ener­gie- und Fi­nanz­be­reich zu­rück­fah­ren. Trumps jüngs­te An­kün­di­gung, als ers­te Amts­hand­lung im Ja­nu­ar den Rück­zug der USA aus dem transpa­zi­fi­schen Han­dels­pakt TPP ein­zu­lei­ten, zeigt aber auch die Ri­si­ken sei­ner Prä­si­dent­schaft für die glo­ba­le Wirt­schaft.

Doch selbst oh­ne Wahl­ge­schen­ke steht die US-Wirt­schaft gut da. Die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne wach­sen und un­ter­stüt­zen den An­stieg der Ak­ti­en­prei­se. Die US-Zins­märk­te sta­bi­li­sier­ten sich zu Be­ginn der Wo­che nach dem schärfs­ten An­stieg seit 2013. Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger US-Tre­a­su­ries lag zu­letzt bei 2,3%. An­fang No­vem­ber wa­ren es noch 1,8%.

Mer­kel, Fil­lon, Ren­zi

Auch aus­ser­halb der USA zeig­ten sich die Ak­ti­en­märk­te freund­lich. Der Dax leg­te seit Mon­tag 0,7% zu, der Eu­roS­to­xx klet­ter­te 1,1% und auch der ja­pa­ni­sche Nik­kei stieg um 1,1%. Schwei­zer Ak­ti­en­prei­se lei­den da­ge­gen un­ter der star­ken Wäh­rung. Der SMI ver­lor seit Mon­tag ent­ge­gen dem welt­wei­ten Trend 1,6%. Vor al­lem ex­port­star­ke Fir­men wie Ri­che­mont (–2,8%) und Swatch (–3,9%) schnit­ten schwach ab. Jetzt rü­cken wich­ti­ge po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen in Eu­ro­pa in den Fo­kus der An­le­ger. An­ge­la Mer­kel kün­dig­te am Wo­che­n­en­de an, bei der deut­schen Bun­des­tags­wahl nächs­tes Jahr für ei­ne vier­te Amts­zeit als Bun­des- kanz­le­rin kan­di­die­ren zu wol­len. Das ist zwar kei­ne grosse Über­ra­schung, sorgt aber in Zei­ten gros­ser po­li­ti­scher Un­si­cher­heit für ei­ne ge­wis­se Sta­bi­li­tät.

In Frank­reich ging über­ra­schend Fran­cois Fil­lon als Fa­vo­rit aus den Vor­wah­len der kon­ser­va­ti­ven Par­tei her­vor. Wenn er sich in der nächs­ten Run­de ge­gen Alain Jup­pé durch­setzt, dürf­te er bei der Prä­si­dent­schafts­wahl im Früh­jahr der Haupt­kon­kur­rent der RechtsPo­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen sein.

Am 4. De­zem­ber steht aber zu­nächst ein­mal das ita­lie­ni­sche Re­fe­ren­dum über die Se­nats­re­form an. Ein Nein der Be­völ­ke­rung könn­te die Re­form­be­mü­hun­gen von Pre­mier­mi­nis­ter Mat­teo Ren­zi deut­lich brem­sen. Die Sor­ge liess al­ler­dings zu Be­ginn die­ser Wo­che et­was nach. Ita­lie­ni­sche Ak­ti­en stie­gen seit Mon­tag um 1,8% und die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen fiel am Di­ens­tag un­ter 2%.

Auch der Eu­ro konn­te sich in den letz­ten Ta­gen sta­bi­li­sie­ren, er han­del­te mit 1.0590 $/€ am Di­ens­tag trotz­dem fast 5% schwä­cher als vor dem Wah­l­er­folg Trumps.

Dol­lar ist über­be­wer­tet

Haupt­grund für die Stär­ke des Dol­lars dürf­te die Er­war­tung der An­le­ger sein, dass die an­ge­kün­dig­ten haus­halts­po­li­ti­schen Mass­nah­men die In­fla­ti­on und da­mit die Zin­sen in den USA schnel­ler nach oben trei­ben als bis­her ge­dacht. In Eu­ro­pa dürf­te das Wachs­tum 2017 an­zie­hen, wenn auch auf ei­nem tie­fe­ren Ni­veau als in den USA. Die EZB wird wohl in ab­seh­ba­rer Zeit laut über ei­ne Re­duk­ti­on ih­rer An­lei­hen­käu­fe nach­den­ken. Gleich­zei­tig ist der Dol­lar ge­mes­sen an der Kauf­kraft­pa­ri­tät der­zeit deut­lich über­be­wer­tet. Die­se Mi­schung spricht für ein bal­di­ges En­de der Dol­lars­tär­ke.

Auch ge­gen­über dem Fran­ken zeig­te sich der Eu­ro zu­letzt schwach; der Wech­sel­kurs rutsch­te bis auf 1,07 ab, konn­te sich aber zu Be­ginn die­ser Wo­che auf 1,0730 er­ho­len. An­hand ih­rer Sicht­gut­ha­ben hat die SNB in der ers­ten Wo­che nach der Wahl mit et­wa 5 Mrd. Fr. am De­vi­sen­markt in­ter­ve­niert.

Der Öl­preis leg­te seit Wo­chen­be­ginn um 5% auf 49 $/Fass zu, nach­dem sich die An­zei­chen mehr­ten, dass sich die OPEC-Staa­ten bei ih­rem Tref­fen am 30. No­vem­ber in Wi­en auf kon­kre­te Mass­nah­men zur Dros­se­lung der För­der­men­ge ei­ni­gen könn­ten. Die Ener­gie­mi­nis­ter Irans, Iraks so­wie Russ­lands Prä­si­dent Pu­tin be­kräf­tig­ten ih­re Ent­schlos­sen­heit, die För­der­men­ge zu be­gren­zen.

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