Hof­fen auf Ma­rio

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Für ein­mal wird die schlech­te Nach­richt er­war­tet. Die Ita­lie­ne­rin­nen und Ita­lie­ner wer­den am kom­men­den Sonn­tag die Ver­fas­sungs­re­form ih­res Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Mat­teo Ren­zi ab­leh­nen. Das zu­min­dest sug­ge­rie­ren die Um­fra­gen und ist die weit ver­brei­te­te Mei­nung an den Fi­nanz­märk­ten.

Un­ter die­ser Prä­mis­se müss­ten die Märk­te am Mon­tag nach ei­nem «No» – im Ge­gen­satz zum Re­sul­tat der Br­ex­it-Ab­stim­mung und der US-Prä­si­den­ten­wahl – ge­las­sen re­agie­ren. Was er­war­tet wird, ist längst ein­ge­preist. Ist al­so al­les kein Pro­blem? Die­ser Schluss wä­re ge­fähr­lich. Die Ge­fah­ren ei­ner Nie­der­la­ge von Ren­zi dür­fen nicht un­ter­schätzt wer­den. Sein Rück­tritt könn­te ei­nen Pro­zess in Gang set­zen, der die Eu­ro­kri­se wie­der zum Be­ben bringt – die­ses Mal aber nicht mit dem weit­ge­hend ir­re­le­van­ten Winz­ling Grie­chen­land, son­dern mit der dritt­gröss­ten Volks­wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne als Epi­zen­trum. An bei­den Ex­tre­men des Po­lit­spek­trums in Ita­li­en po­si­tio­nie­ren sich Par­tei­en, die ei­nen Aus­tritt aus der Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­uni­on pro­pa­gie­ren.

Der un­mit­tel­bar gröss­te Ge­fah­ren­herd: Das ita­lie­ni­sche Ban­ken­sys­tem ist zu­tiefst krank. Fau­le Kre­di­te im Um­fang von rund 360 Mrd. € las­ten auf den Bi­lan­zen der Fi­nanz­häu­ser – ein eu­ro­pa­weit bei­spiel­lo­ser Re­kord. Die Bank Mon­te dei Pa­schi di Sie­na wankt, und auch der Ko­loss Uni­Credit – ein glo­bal sys­tem­re­le­van­tes In­sti­tut – braucht bis zu 13 Mrd. € fri­sches Ei­gen­ka­pi­tal. Wenn da et­was schief­geht, ist rasch das ge­samt­eu­ro­päi­sche Ban­ken­sys­tem an­ge­steckt.

Die Ge­las­sen­heit der Markt­teil­neh­mer an­ge­sichts die­ser Ge­fah­ren be­ruht – ein­mal mehr – auf der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Die EZB mit dem Ita­lie­ner Ma­rio Draghi an der Spit­ze wer­de schon nicht zu­las­sen, dass an den Märk­ten et­was Schlim­mes pas­siert. Mag sein. Doch blind dar­auf zu ver­trau­en, kann kei­ne Stra­te­gie sein.

Chef­re­dak­tor zum The­ma Re­fe­ren­dum in I ta­li­en

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