Post aus Bel­gi­en für die Pos­tNL

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - HTZ,

Mit ei­nem zwei­ten An­lauf ver­sucht der bel­gi­sche Post­kon­zern BPost, den nie­der­län­di­schen Bran­chen­nach­barn Pos­tNL (Ams­ter­dam: PNL, Kurs 4.53 €, Bör­sen­wert 2 Mrd. €) zu über­neh­men. Ein ers­ter Ver­such war im Mai ge­schei­tert, weil die Of­fer­te zu nied­rig war. Nun ver­sucht es die BPost ein zwei­tes Mal. Die Bel­gi­er kom­men den Nie­der­län­dern in vie­len Punk­ten, die im Mai strit­tig wa­ren, ent­ge­gen. So wol­len sie mehr als die da­mals ge­bo­te­nen 5.10 € je Ak­tie zah­len, die Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen der Pos­tNL über­neh­men und in den Nie­der­lan­den ein For­schungs- und Lo­gis­tik­zen­trum bau­en. Zu­dem ist an­ge­dacht, dass in ei­ner kom­bi­nier­ten BPost und Pos­tNL ein Nie­der­län­der den Pos­ten des VRPrä­si­den­ten er­hält. Als CEO wird der Bel­gi­er Ko­en Van Ger­ven ge­nannt.

Bis­her we­nig Ge­gen­lie­be

In Ams­ter­dam schos­sen Pos­tNL An­fang No­vem­ber nach Be­kannt­wer­den der Of­fer­te 10% auf gut 4.80 € hoch, fie­len aber auf 4.50 € zu­rück. Denn die Fu­si­on der bei­den Post­be­trie­be ist noch lan­ge nicht in tro­cke­nen Tü­chern. Trotz des we­sent­lich ver­bes­ser­ten Über­nah­me­an­ge­bots re­agier­te die Pos­tNL kühl. «Wir ha­ben die Of­fer­te zur Kennt­nis ge­nom­men, und wir re­den mit der BPost», so die Pos­tNL.

Die nie­der­län­di­sche Post un­ter­streicht aber auch: «Wir ver­trau­en auf ei­ne selb­stän­di­ge Stra­te­gie und ha­ben bei der Durch­füh­rung die­ser Stra­te­gie gros­se Fort­schrit­te ge­macht so­wie die Sta­bi­li­tät der Pos­tNL ver­bes­sert.» Auch der nie­der­län­di­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Henk Kamp ist ge­gen ei­ne Fu­si­on und sagt: «Das wä­re ein Schritt zu­rück. Die Pos­tNL hat selb­stän­dig ei­ne gu­te Zu­kunft.» Ein Dorn im Au­ge ist den Nie­der­län­dern, dass Bel­gi­en noch im­mer die Mehr­heit an der BPost hält. Deut­lich ist: Die Hol­län­der wol­len ih­re Post nicht in aus­län­di­sche Hän­de fal­len las­sen.

Doch die Bel­gi­er ge­ben nicht auf. Am Markt heisst es, die BPost wer­de min­des­tens 6 € je Ak­tie bie­ten. Al­ler­dings: Es braucht auch noch die Zu­stim­mung der Kar­tell­be­hör­den bei­der Län­der und der bel­gi­schen Re­gie­rung. Post- und Tele­com­mi­nis­ter Alex­an­der De Croo hat sich bis­her da­zu nicht ge­äus­sert.

Po­ten­zi­al mit Pa­ke­ten

Die BPost er­ziel­te 2015 ei­nen Um­satz von 2,4 Mrd. €, die Pos­tNL setz­te 3,5 Mrd. € um. Die Bel­gi­er be­för­dern mehr Brie­fe als die Hol­län­der, aber deut­lich we­ni­ger Pa­ke­te. Wäh­rend das Brief­auf­kom­men rück­läu­fig ist, boomt doch der Pa­ket­dienst. Durch ei­ne Fu­si­on könn­te vor al­lem das Pa­ket­ge­schäft aus­ge­baut und ra­tio­na­li­siert wer­den. Hier liegt Sy­ner­gie­po­ten­zi­al. Aus­ser­dem könn­te das neue Ge­bil­de bes­ser ge­gen die US-Grös­sen DHL, Fe­dEx oder UPS kon­kur­rie­ren. Der­zeit kommt die BPost auf ei­nen Un­ter­neh­mens­wert von 3,6 Mrd. €, die Pos­tNL auf nur 2 Mrd. Die Kom­bi­na­ti­on wä­re nach der deut­schen, der fran­zö­si­schen und der bri­ti­schen Post der viert­gröss­te An­bie­ter Eu­ro­pas.

Von ei­ner Über­nah­me der Pos­tNL durch die BPost wür­den die Pos­tNLAk­tio­nä­re pro­fi­tie­ren. Soll­te der Kauf schei­tern, wä­re das Rück­schlag­ri­si­ko eher be­grenzt, denn ge­mes­sen an den Ge­winn­schät­zun­gen für das Jahr 2017 ge­mäss Bloom­berg kom­men die Ti­tel auf ein Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von nur 10. Die BPost kommt auf ei­nen Wert von 13, bie­tet da­für aber ei­ne ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te von 6%.

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