Ban­ken und Ei­gen­ka­pi­tal

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - ROLF ROTHACHER,

FuW Nr. 92 vom 19. No­vem­ber Hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal­vor­schrif­ten schrän­ken bloss die Op­tio­nen des Staa­tes in Kri­sen­zei­ten ein, füh­ren aber nicht zu sei­ner Ent­las­tung und däm­men auch die Ge­fahr nicht ein. Wenn in ei­ner Fi­nanz­kri­se sämt­li­che Gross­ban­ken rasch neu ka­pi­ta­li­siert wer­den müs­sen, weil bei al­len die EK-Quo­te durch Ver­lus­te un­ter das ge­setz­li­che Mi­ni­mum fällt, wer soll dann kurz­fris­tig in die vie­le Mil­li­ar­den ho­hen Bre­schen sprin­gen? Doch nur der Staat könn­te/wür­de die­ses Ri­si­ko ein­ge­hen. Bis­lang hat der Staat we­nigs­tens noch die Mög­lich­keit der Ga­ran­tie­aus­spre­chung, die ihn zu­erst ein­mal rein gar nichts kos­tet. Neu muss er auf je­den Fall Geld ein­schies­sen, wenn sich Pri­vat­an­le­ger mit­ten in ei­ner Kri­se lo­gi­scher­wei­se zu­rück­hal­ten. Denn auch or­dent- lich ab­wi­ckeln lässt sich ei­ne Bank mit­ten in der Kri­se nicht, oh­ne noch weit hö­he­re Ver­lus­te zu er­lei­den.

Die Milch­büch­lein­rech­nung von Kash­ka­ri geht so oder so nicht auf. Sie führt bloss dau­er­haft für al­le Kun­den zu noch hö­he­ren Kos­ten, wäh­rend ein Ein­bruch der Fi­nanz­märk­te den Staat au­to­ma­tisch zum Geld­einschies­sen zwingt und ihm die Mög­lich­keit der kos­ten­lo­sen Ga­ran­tie ver­un­mög­licht. Es wä­re ein wei­te­rer Sieg des Ka­pi­tals ge­gen den Staat.

Sinn­vol­ler und weit güns­ti­ger ist ein an­de­rer Weg, näm­lich ei­ne vier­tel­jähr­li­che Rang­lis­te der Ban­ken­auf­sicht über sämt­li­che In­sti­tu­te mit der Ri­si­ko­ge­wich­tung im Ver­hält­nis zum Ei­gen­ka­pi­tal und da­mit dem Aus­fall­ri­si­ko. So kann je­der An­le­ger selbst ent­schei­den, ob er die Ri­si­ken der Ban­ken­ma­na­ger mit­tra­gen will und da­für z. B. hö­he­re Zin­sen auf sei­nen An­la­gen er­hält. Nur mit In­for­ma­ti­on re­geln sich Grös­se und Ri­si­ko­hun­ger der Ban­ken, weil sie durch mehr Ri­si­ko au­to­ma­tisch An­le­ger ver­lie­ren. Er­gänzt durch ei­ne ex­pli- zi­te Staats­ga­ran­tie für Klein­an­le­ger wird das Fi­nanz­sys­tem zwar nur un­mit­tel­bar si­che­rer, doch ge­nü­gend «be­kömm­lich». Denn die ge­steu­er­te Si­cher­heit ist eh ei­ne po­li­ti­sche Il­lu­si­on. Im­mer hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal­quo­ten füh­ren bloss da­zu, dass noch mehr ri­si­ko­be­rei­te Kun­den sich von den klas­si­schen Ban­ken ab­wen­den und zu Hedge Funds und Schat­ten­ban­ken ge­hen, das heisst, die Fi­nanz­märk­te wer­den kei­nen Deut si­che­rer, es wech­seln bloss die Ak­teu­re. Und die neu­en Play­er ste­hen gar nicht oder nur un­voll­stän­dig un­ter der Auf­sicht des Staa­tes, so­dass es für sie kein Ran­king gibt.

Je­der Tou­rist sucht sich sein Ho­tel/Re­stau­rant mitt­ler­wei­le nach den Kun­den­be­wer­tun­gen aus. Füh­ren wir die­ses sinn­vol­le Sys­tem doch end­lich auch bei den Ban­ken ein und über­las­sen es den Märk­ten und den An­le­gern, die rich­ti­gen Prei­se und die rich­ti­gen Grös­sen fest­zu­le­gen. Der Staats macht’s be­stimmt nicht bes­ser als in­for­mier­te Märk­te.

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