Ita­li­ens Ver­fas­sungs­re­form

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Die Stimm­bür­ger be­stä­ti­gen oder ver­wer­fen ei­ne Ver­fas­sungs­re­form, die bei­de Kam­mern des Par­la­ments nach jah­re­lan­gem po­li­ti­schen Rin­gen im Früh­jahr 2016 ver­ab­schie­det ha­ben. Im Mit­tel­punkt steht der Um­bau des par­la­men­ta­ri­schen Sys­tems des «Bi­ca­me­ra­lis­mo per­fet­to», bei dem Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer und Se­nat die glei­chen Rech­te be­sit­zen, zu ei­nem, in dem nur noch die Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer über die wich­tigs­ten Ge­set­ze ab­stim­men wird. Der Se­nat wird nicht mehr vom Volk ge­wählt, son­dern be­steht aus 74 Mit­glie­dern der Re­gio­nal­par­la­men­te, 21 Bür­ger­meis­tern und 5 vom Staats­prä­si­den­ten er­nann­ten Se­na­to­ren. Sie ge­ben nur un­ver­bind­li­che Emp­feh­lun­gen ab – aus­ge­nom­men sind Än­de­run­gen der Ver­fas­sung oder des Wahl­ge­set­zes so­wie EU-Ge­set­ze.

Dar­über hin­aus wird die Min­dest­zahl der Un­ter­schrif­ten für ei­ne Volks­in­itia­ti­ve auf 150 000 ver­drei­facht. Da­für er­hal­ten die­se Initia­ti­ven künf­tig die Ga­ran­tie, dass das Par­la­ment sie nicht igno­riert, son­dern über sie auch be­rät und ab­stimmt.

Die Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen Zen­tral­staat und Re­gio­nen wird re­or­ga­ni­siert. Rom er­hält u. a. das Recht, be­stimm­te re­gio­na­le Fra­gen zu ent­schei­den, wenn sie von na­tio­na­ler Be­deu­tung sind; da­für kön­nen Re­gio­nen oh­ne Son­der­sta­tus spe­zi­el­le Au­to­no­mi­en er­hal­ten, vor­aus­ge­setzt, sie ver­fü­gen über ei­nen aus­ge­gli­che­nen Haus­halt.

Die Pro­vin­zen – ei­ne Ver­wal­tungs­ebe­ne zwi­schen den Ge­mein­den und den Re­gio­nen –, die be­reits mit ei­nem frü­he­ren Ge­setz lahm­ge­legt wur­den, wer­den nun auch aus der Ver­fas­sung ent­fernt, d. h. end­gül­tig ab­ge­schafft. Ein be­ra­ten­der Wirt­schafts- und Ar­beits­rat (CNEL), der 1948 ins Le­ben ge­ru­fen wur­de, um zur Wirt­schafts­po­li­tik bei­zu­tra­gen, wird eben­falls auf­ge­löst. In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten kos­te­te er vor al­lem viel Geld, lie­fer­te aber we­nig Kon­kre­tes.

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