Wür­se­len

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Das Mi­lieu macht den Men­schen. Was nicht gleich heis­sen muss, dass je­der zur Schiess­bu­den­fi­gur wird, der sich an der Kir­mes in Wür­se­len ver­gnügt. Das ist ei­ne Kle­in­stadt bei Aa­chen, ein Kaff, kaum der Re­de wert, hät­te dort nicht von 1987 bis 1998 Mar­tin Schulz ge­wal­tet, als Bür­ger­meis­ter.

Spä­ter mach­te er Kar­rie­re im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment, des­sen Vor­sitz er die­sen Ja­nu­ar ab­ge­ge­ben hat. Ab­ge­stan­de­ne Er­fah­rung in Lo­kal­po­li­tik, Sit­zungs­lei­ter ei­nes han­di­ca­pier­ten «Par­la­ments» (das kei­ne ei­ge­nen Ge­set­zes­vor­la­gen ein­brin­gen kann!) – ob die­ser Pal­marès Schulz für das Amt des Bun­des­kanz­lers qua­li­fi­ziert? Be­trächt­li­che Tei­le des deut­schen Pu­bli­kums scheint die Aus­sicht zu elek­tri­sie­ren. Die So­zi­al­de­mo­kra­tie, die noch bis vor kur­zem für die Bun­des- tags­wahl im Sep­tem­ber mit nur rund 20% hat­te rech­nen müs­sen, ist seit der Kan­di­da­ten­ro­cha­de von Sig­mar Ga­b­ri­el zu Schulz – der die lan­des­üb­li­che Staats­für­sorg­lich­keit pre­digt – in den Mei­nungs­um­fra­gen vor­ge­rückt: auf über 30%, gleich­auf mit Mer­kels Uni­on oder dar­über. Dass an­schei­nend so vie­le «Men­schen draussen im Lan­de» ( TV-Sprech) ei­ne in der Sub­stanz na­he­zu un­er­heb­li­che Per­so­na­lie als schier heils­brin­gend emp­fin­den, kann zum Gr­ü­beln an­re­gen.

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