Noch tie­fe­re Mi­nus­zin­sen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Die Wahr­schein­lich­keit wächst, dass die Na­tio­nal­bank noch tie­fe­re Ne­ga­tiv­zin­sen be­schlies­sen muss. Der Auf­wer­tungs­druck auf den Fran­ken nimmt ge­gen­wär­tig ra­sant zu, und die Wäh­rungs­hü­ter kön­nen die De­vi­sen­käu­fe nicht un­be­grenzt hoch­fah­ren, um den Kurs­rück­gang des Eu­ros zu stop­pen. Be­reits jetzt ist die SNB-Bi­lanz­sum­me auf ein Ma­xi­mum an­ge­schwol­len. Sie über­steigt den Wert des Brut­to­in­land­pro­dukts. Rund 90% da­von sind De­vi­sen­re­ser­ven. Das Wech­sel­kurs­ri­si­ko für die In­sti­tu­ti­on ist in­zwi­schen im­mens.

Hin­zu kommt, dass sie über die De­vi­sen­in­ter­ven­tio­nen ei­nen Teil des Mi­nus­zins­ef­fekts aus­löscht. In­dem sie deut­sche Bun­des­an­lei­hen kauft, drückt sie die Ka­pi­tal­markt­zin­sen im Aus­land hin­ab, wor­auf der Zins­ab­stand zur Schweiz schrumpft. Das ha­ben Wäh­rungs­ex­per­ten her­aus­ge­fun­den (vgl. Sei­te 18). Je län­ger die Fran­ken­stär­ke an­hält, des­to of­fen­sicht­li­cher wer­den die Gren­zen der Geld­po­li­tik. Seit die SNB den Min­dest­kurs zum Eu­ro auf­ge­ge­ben hat, um­schreibt sie ihr Vor­ge­hen als Zwei­säu­len­stra­te­gie: Sie schafft ers­tens durch ei­nen mög­lichst tie­fen Zins resp. ei­ne mög­lichst grosse Zins­dif­fe­renz zum Aus­land ein Um­feld, das die Nach­fra­ge nach Fran­ken bremst. Und zwei­tens pflegt sie den Wech­sel­kurs di­rekt, in­dem sie am Markt in­ter­ve­niert.

Bei­de Va­ri­an­ten wir­ken nicht nur wie ge­wünscht, son­dern ver­ur­sa­chen eben­falls Kol­la­te­ral­schä­den, die sich ab ei­nem Punkt nicht mehr mit den ver­meint­li­chen volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten ei­nes zu fes­ten Fran­kens recht­fer­ti­gen las­sen. In Zu­kunft dürf­te da­her ei­ne drit­te Säu­le der geld­po­li­ti­schen Stra­te­gie für die Na­tio­nal­bank an Be­deu­tung ge­win­nen: be­grenz­te Auf­wer­tungs­schrit­te des Fran­kens auch ein­mal zu­zu­las­sen.

Re­dak­tor zum The­ma Fran­ken­stär­ke

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