Von Gre­en­mail zu Go­ver­nan­ce

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MH

Frü­her nann­te man sie «Bar­ba­ri­ans» und Gre­en­mai­ling ge­hör­te zu ih­rem Stan­dard­re­per­toire. Sie kauf­ten grosse Ak­ti­en­pa­ke­te zu­sam­men und nö­tig­ten die Un­ter­neh­men, die­se Pa­ke­te teu­er zu­rück­zu­kau­fen. Heu­te heis­sen sie ak­ti­vis­ti­sche In­ves­to­ren und ih­re Me­tho­den sind sub­ti­ler ge­wor­den als in den 80er Jah­ren. Doch das Ziel ist das­sel­be ge­blie­ben: mög­lichst schnell mög­lichst viel Geld zu ma­chen. Nicht «Buy and Hold» ist die Stra­te­gie, son­dern «Buy and Budge», al­so ver­su­chen, Be­we­gung in die Fir­ma zu brin­gen. Die meis­ten Dis­kus­sio­nen fin­den hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren statt, öf­fent­li­che De­bat­ten dürf­ten die Aus­nah­me sein.

Ak­ti­vis­ti­sche In­ves­to­ren ver­fü­gen ge­mäss dem Da­ten­an­bie­ter Pre­qin über Ver­mö­gen von 113 Mrd. $ (2016). Von den 742 ak­ti­vis­ti­schen Hedge Funds ope­rie­ren die meis­ten von Nord­ame­ri­ka aus; 96 sit­zen in Eu­ro­pa, dar­un­ter ge­hö­ren Ce­vi­an (bei ABB), Knight Vin­ke (ehe­mals bei UBS) und TCI (bei VW) zu den be­kann­tes­ten Ver­tre­tern.

Wo­nach hal­ten Ak­ti­vis­ten Aus­schau? An­griffs­flä­chen bzw. Chan­cen bie­ten Un­ter­neh­men mit tie­fer Be­wer­tung, ho­hen Bar­mit­teln oder gros­sen di­vi­sio­na­len Un­ter­schie­den in der Ka­pi­tal­ren­di­te. Aber auch Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Fra­gen kön­nen zum The­ma wer­den.

Nach meh­re­ren Jah­ren mit ho­hem Ver­mö­gens­wachs­tum müs­sen ak­ti­vis­ti­schen Hedge Funds nun mehr tun, um ih­re ho­hen Gebühren zu recht­fer­ti­gen. Der­sel­be Er­klä­rungs­not­stand be­wirkt, dass nicht nur spe­zia­li­sier­te Ak­ti­vis­ten, son­dern auch an­de­re Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten ak­tiv wer­den und sich in den Füh­rungs­pro­zess der Un­ter­neh­men ein­brin­gen. Ge­mäss Bran­chen­über­blick von Ac­tivist In­ves­tor ha­ben 2016 welt­weit 758 Un­ter­neh­men öf­fent­li­che Be­geh­ren er­hal­ten, ein Plus von 13%. Da­bei war auf­fäl­lig, dass die er­klär­ten Ak­ti­vis­ten ten­den­zi­ell we­ni­ger ak­tiv wa­ren und sich zu­dem klei­ne­re Fir­men vor­knöpf­ten. Die An­zahl eu­ro­päi­scher Fir­men im Fo­kus von Ak­ti­vis­ten stieg von 72 auf 97.

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