War­um Lon­don kei­ne Me­ga­bör­se mehr will

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ -

Die Gross­fu­si­on der Deut­schen Bör­se und der Lon­don Stock Ex­ch­an­ge (LSE) steht vor dem Aus. Nach 2000 und 2005 scheint auch der drit­te An­lauf zu miss­lin­gen. Der Grund: LSE wei­gert sich, ei­ne For­de­rung der EU-Kom­mis­si­on zu er­fül­len. LSE soll­te die Mehr­heits­be­tei­li­gung an MTS, ei­ne Han­dels­platt­form für eu­ro­päi­sche Staats­an­lei­hen in Ita­li­en, ver­kau­fen. Doch der Ge­winn­bei­trag von MTS ist ge­ring, zu­dem war mit Auflagen zu rech­nen, be­vor die Be­hör­den grü­nes Licht für die Ele­fan­ten­hoch­zeit ge­ben. War­um macht LSE al­so nun ei­nen Rück­zie­her und bringt den 25-Mrd.-€-De­al an den Rand des Schei­terns?

Zum ei­nen könn­te an der Be­grün­dung von LSE wirk­lich et­was dran sein. Ita­li­en droht ein EU-De­fi­zit­ver­fah­ren, die po­li­ti­sche Land­schaft ist nach dem Rück­tritt von Pre­mier Mat­teo Ren­zi chao­tisch. Die ita­li­e­ni- schen Be­hör­den wür­den laut den Lon­do­nern dem Ver­kauf der Platt­form, über die die ita­lie­ni­schen Staats­an­lei­hen ge­han­delt wer­den, in der jet­zi­gen tur­bu­len­ten La­ge nicht zu­stim­men. Auch müss­ten Re­gu­la­to­ren in Gross­bri­tan­ni­en, Bel­gi­en, Frank­reich und den USA die Trans­ak­ti­on ab­seg­nen.

An­de­rer­seits ist es nicht so, dass der De­al im Post-Br­ex­it-Lon­don je Ju­bel­stür­me aus­ge­löst hät­te. So be­rich­te­te die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters, LSE-Prä­si­dent Do­nald Bry­don hät­te bei sei­nem deut­schen Pen­dant Joa­chim Fa­ber Be­den­ken ge­gen des­sen CEO Cars­ten Ken­ge­ter ge­äus­sert, ei­ne fu­sio­nier­te Bör­se zu füh­ren. Ge­gen Ken­ge­ter lau­fen Er­mitt­lun­gen we­gen In­si­der­han­dels im Zu­sam­men­hang mit der Fu­si­on. Ken­ge­ter deck­te sich vor Ver­öf­fent­li­chung des Vor­ha­bens mit Ak­ti­en der Deut­schen Bör­se ein. Fa­ber steht hin­ter dem CEO.

Die LSE-Ab­fuhr ge­gen­über der EU rückt den Macht­po­ker zwi­schen LSE und Deut­scher Bör­se in ein neu­es Licht. Es gab vie­le Fra­gen: Wer wird Chef? Wo wird der Haupt­sitz sein? Nach der Br­ex­it-Ab­stim­mung for­der­te die Re­gie­rung des deut­schen Bun­des­lands Hes­sen, dass Frank­furt der Sitz des fu­sio­nier­ten Un­ter­neh­mens sein soll und nicht Lon­don. Ein Af­front, nicht nur für das eu­ro­pa­skep­ti­sche La­ger in Gross­bri­tan­ni­en, wür­den die Deut­schen doch so­wie­so be­reits die Mehr­heit (53%) an der neu­en Bör­se hal­ten. Die Lon­do­ner grei­fen al­so die of­fe­ne Flan­ke Ken­ge­ter an und ge­hen of­fen­sicht­lich so­weit, die Fu­si­on dar­über völ­lig plat­zen las­sen zu wol­len.

Die EU-Kom­mis­si­on hält sich zu den Vor­gän­gen be­deckt. Wie schon zu­vor be­kannt, wird sie ih­ren Ent­scheid über die Fu­si­ons­plä­ne am 3. April be­kannt ge­ben.

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