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Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ERNST HERB,

Schnel­ler als er­war­tet muss Adrian Cheng be­wei­sen, ob die drit­te Ge­ne­ra­ti­on der drittreichs­ten Hong­kon­ger Fa­mi­lie ei­nen der gröss­ten asia­ti­schen Im­mo­bi­li­en­kon­zer­ne auf Kurs hal­ten kann. Sein Gross­va­ter ist im Herbst im Al­ter von 91 Jah­ren ge­stor­ben, und sein Sieb­zig­jäh­ri­ger Va­ter ist of­fen­bar schwer er­krankt. Erst­mals oh­ne den Rück­halt der zwei Pa­tri­ar­chen prä­sen­tier­te der 36-jäh­ri­ge Cheng ver­gan­ge­ne Wo­che die Halb­jah­res­zah­len von New World De­ve­lop­ment. Da­zu war er noch schnell mit den Ti­teln Haupt­ge­schäfts­füh­rer und stell­ver­tre­ten­der Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent ver­se­hen wor­den.

Das Re­sul­tat kann sich zu­min­dest auf den ers­ten Blick se­hen las­sen, wur­de der Rein­ge­winn doch 31% auf 4,3 Mrd. HK-$ (559 Mio. $) ge­stei­gert. Doch der um 27% ein­ge­bro­che­ne Um­satz zeigt auch, dass der Wett­be­werb auf dem Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en­markt schär­fer ge­wor­den ist. Das Glei­che trifft auf das zwei­te Kern­ge­schäft der Chen­gFa­mi­lie zu, die Ju­we­lier- und Uh­ren­la­den­ket­te Chow Tai Fook. Der Um­satz der über 2000 Ge­schäf­te in Hong­kong, Ma­cau und Fest­land­chi­na litt in den letz­ten zwei Jah­ren un­ter dem Kampf der chi­ne­si­schen Re­gie­rung ge­gen die Kor­rup­ti­on und dem Ab­fluss von Ka­pi­tal ins Aus­land. Der Kurs der in Hong­kong ko­tier­ten Ak­ti­en ist seit 2014 mehr als 50% ein­ge­bro­chen.

Cheng er­lang­te an der Har­vard-Uni­ver­si­tät ei­nen Ab­schluss in Os­t­a­si­en­stu­di­en und stu­dier­te dar­auf­hin in Ja­pan Kunst­wis­sen­schaf­ten. Nun muss er be­wei­sen, dass er das Fa­mi­li­en­kon­glo­me­rat – es um­fasst auch ei­ne Wa­ren­haus­ket­te und ein Bus­un­ter­neh­men – in ei­nem ver­än­der­ten In­ves­ti­ti­ons­kli­ma neu auf­stel­len kann. Ein Ver­such ist K11, ein für New World ge­schaf­fe­nes neu­es La­den­kon­zept, in dem sich Kunst und Mas­sen­kon­sum tref­fen.

Vor dem Ein­tritt ins Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ar­bei­te­te Cheng ein Jahr lang als Ak­ti­en­ana­lyst für die UBS. Jetzt tritt er in grosse Fus­stap­fen. Das zeigt sich schon ein­mal dar­an, dass sein Va­ter Hen­ry vor drei Jahr­zehn­ten zu­sam­men mit dem jet­zi­gen ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Do­nald Trump er­folg­reich in ei­nen New Yor­ker Wol­ken­krat­zer in­ves­tier­te. Die ur­sprüng­lich gu­te Part­ner­schaft ging je­doch in Brü­che, wo­bei Trump im Streit vor Ge­richt be­mer­kens­wer­ter­wei­se un­ter­lag. Die An­fän­ge des von der US-Fi­nanz­pu­bli­ka­ti­on «For­bes» auf über 16 Mrd. $ ge­schätz­ten Pri­vat­ver­mö­gens der Chengs ge­hen auf den Gross­va­ter zu­rück, der im Zwei­ten Welt­krieg vor den ja­pa­ni­schen In­va­so­ren aus Chi­na nach Ma­cau floh und dort die Toch­ter ei­nes Gold­händ­lers – des Be­sit­zers von Chow Tai Fook – hei­ra­te­te. Der spä­te­re Grün­der der New World war in den Sech­zi­ger­jah­ren ei­ner der ers­ten In­ves­to­ren, die das enor­me Po­ten­zi­al des Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en­mark­tes sa­hen.

Die­sen Wur­zeln ver­dankt die Fa­mi­lie wert­vol­le Be­zie­hun­gen in Wirt­schaft und Po­li­tik. Es bleibt zu se­hen, ob der Kron­prinz dar­an an­knüp­fen und das Kon­glo­me­rat zu neu­er Blü­te füh­ren kann. Wenn nicht, bleibt ihm im­mer noch ein in­ter­es­san­tes Ste­cken­pferd, ist er doch ei­ner der welt­weit gröss­ten Samm­ler zeit­ge­nös­si­scher Kunst. Dem Ver­neh­men nach fühlt er sich auf dem ge­schlif­fe­nen Parkett der Art Ba­sel mehr zu Hau­se als auf dem rau­en Hong­kon­ger Im­mo­bi­li­en­markt.

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