Öl in en­ger Preis­span­ne

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

Li­qui­da­ti­ons­druck sorgt für brei­te Ab­ga­ben an den Roh­stoff­märk­ten.

Die in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­te ver­zeich­ne­ten in den letz­ten Ta­gen mehr­heit­lich Ab­ga­ben. Zwar wies der am Frei­tag per Di­ens­tag­schluss ver­öf­fent­lich­te Com­mit­ment of Tra­ders Re­port der US Auf­sichts­be­hör­de CFTC bei vie­len Roh­stof­fen ei­nen wei­te­ren An­stieg der spe­ku­la­ti­ven Kauf­po­si­tio­nen aus, ab Mitt­woch setz­ten dann aber er­heb­li­che Li­qui­da­tio­nen ein. Aus­ge­nom­men da­von blie­ben die Ener­gie­märk­te.

Der Roh­öl­preis schwankt beid­seits des At­lan­tiks wei­ter­hin in ei­ner en­gen Span­ne. Die No­tie­rung von Nord­see­öl der Sor­te Brent fluk­tu­iert na­he des Zen­trums des Preis­bands von 55 bis 58 $ je Fass. Ei­ner­seits stüt­zen Be­rich­te über ei­ne dis­zi­pli­nier­te Ein­hal­tung der ver­ein­bar­ten För­der­quo­ten durch die Opec-Mit­glied­staa­ten den Öl­preis. Das Öl­kar­tell sorgt bei je­dem Preis­rück­schlag durch Ver­weis auf die et­wa 90-pro­zen­ti­ge Quo­ten­dis­zi­plin und mit­hil­fe an­de­rer ver­ba­ler In­ter­ven­tio­nen für Auf­trieb. An­de­rer­seits scheint Sau­di-Ara­bi­en ei­nen Fass­preis um 60 $ an­zu­stre­ben, so­dass das spe­ku­la­ti­ve Kauf­in­ter­es­se bei stei­gen­den Kur­sen je­weils et­was nach­lässt. Zu­dem stieg die USFör­de­rung bis Mit­te Fe­bru­ar als Fol­ge des hö­he­ren Prei­ses auf das Ni­veau vom ver­gan­ge­nen April bei mehr als 9 Mio. Fass. Die Zahl ak­ti­ver Bohr­stel­len er­reich­te gar den höchs­ten Stand seit Herbst 2015.

Die Markt­teil­neh­mer schei­nen sich ei­nig zu sein, dass das neue För­der­re­gime der Opec län­ger­fris­tig nur dann er­folg­reich ist, wenn die Quo­ten ein­ge­hal­ten wer­den und an­de­rer­seits der Öl­preis nicht nach oben über­schiesst, weil dann in den USA und in an­de­ren Nich­tOpec-Län­dern der An­reiz zur Aus­wei­tung der Pro­duk­ti­on zu­nimmt. Das gröss­te Ri­si­ko für den Öl­markt stel­len wei­ter­hin die rie­si­gen spe­ku­la­ti­ven Kauf­po­si­tio­nen dar. Al­lein bei Roh­öl­fu­tures auf die USSor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) ver­fü­gen Fi­nanz­in­ves­to­ren mitt­ler­wei­le über Long­po­si­tio­nen von mehr als 400 000 Kon­trak­ten, was ei­ner phy­si­schen Men­ge von mehr als 400 Mrd. Fass ent­spricht.

Bei den Agrar­gü­tern hat in den letz­ten Ta­gen be­reits ei­ne aus­ge­präg­te Li­qui­da­ti­ons­pha­se ein­ge­setzt. Un­ter Ab­ga­be­druck stan­den so­wohl Kaf­fee- als auch Zu­cker­fu­tures. In New York ge­han­del­te Roh­zu­cker­kon­trak­te durch­bra­chen die Un­ter­stüt­zungs­li­nie um 0.20 $ pro Pfund mü­he­los und lös­ten da­mit ei­ne Viel­zahl von Ver­kaufs­stop­p­auf­trä­gen aus. Mit ei­nem Wo­chen­ver­lust von 5,3% büss­te der Zu­cker­preis den ge- sam­ten Jah­res­ge­winn ein. Eu­ro­päi­scher Weiss­zu­cker ver­bil­lig­te sich mit ei­nem Mi­nus von 4,7% eben­falls deut­lich. Be­son­ders aus­ge­prägt war der Kurs­ein­bruch bei Kaf­fee. Auch hier sind spe­ku­la­ti­ve Ver­käu­fe und Stopp-Auf­trä­ge für den Wo­chen­ver­lust von 5,6% ver­ant­wort­lich. Of­fen bleibt, ob mit dem Be­ginn des neu­en Mo­nats er­neut der Zuf­luss spe­ku­la­ti­ver Gel­der in die Roh­stoff­märk­te ein­setzt. Soll­te die­ser aus­blei­ben, kann ei­ne wei­te­re grosse Kurs­kor­rek­tur nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Auch die Ge­trei­de- und Öl­saa­ten­märk­te stan­den in den ver­gan­ge­nen Ta­gen un­ter Li­qui­da­ti­ons­druck. Die Wet­ter­be­din­gun­gen in Süd­ame­ri­ka blei­ben güns­tig und sor­gen für stei­gen­de Er­trags­er­war­tun­gen. In den USA be­fürch­ten vie­le Pro­du­zen­ten Nach­tei­le we­gen der von Prä­si­dent Do­nald Trump ge­plan­ten Han­dels­po­li­tik. Am Out­look­fo­rum des US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums (USDA) von letz­ter Wo­che ver­such­ten zwar Po­li­ti­ker und Bran­chen­ken­ner zu be­schwich­ti­gen, die Angst vor Hemm­nis­sen im Han­del mit den gröss­ten Agra­rab­neh­mern Me­xi­ko, Ka­na­da und Chi­na bleibt aber be­ste­hen.

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