An­le­ger blei­ben ru­hig

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - GA­B­RI­EL BARTHOLDI

Des­sen un­ge­ach­tet prei­sen Ka­pi­tal­markt­zin­sen hö­he­re Ri­si­ken ein.

Die op­ti­mis­ti­sche An­le­ger­stim­mung hat seit Jah­res­be­ginn stark zu­ge­nom­men. Da­von ha­ben vor al­lem Ak­ti­en pro­fi­tiert. In Fran­ken ge­rech­net ver­zeich­ne­ten Ak­ti­en aus Schwel­len­län­dern mit ei­nem Plus von rund 8% den stärks­ten An­stieg seit Jah­res­be­ginn. Ein sta­bi­ler bis et­was schwä­che­rer Dol­lar und die bes­se­re Kon­junk­tur in den ver­schie­de­nen Volks­wirt­schaf­ten dürf­te den Ak­ti­en­kur­sen ge­hol­fen ha­ben. In ei­ni­gen Län­dern wie et­wa Bra­si­li­en nimmt der In­fla­ti­ons­druck et­was ab und er­mög­licht den Zen­tral­ban­ken, die Zin­sen wie­der zu sen­ken, um das Wachs­tum zu un­ter­stüt­zen. Un­ter­neh­mens­ge­win­ne be­stä­ti­gen das ver­bes­se­re Um­feld in den Schwel­len­län­dern.

Be­reits seit Mit­te 2016 konn­te ei­ne Sta­bi­li­sie­rung auf tie­fem Ni­veau be­ob­ach­tet wer­den. Doch erst in den ver­gan­ge­nen Wo­chen sind die Ge­win­ne recht stark ge­stie­gen. Das deu­tet auf ei­ne po­si­ti­ve Trend­wen­de hin. Aber auch in den USA, der Eu­ro­zo­ne und so­gar in der Schweiz ent­wi­ckel­ten sich die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne po­si­tiv, was den Ak­ti­en­märk­ten wei­ter Rü­cken­wind ver­leiht. Al­ler­dings hat in den ver­gan­ge­nen Ta­gen die Dy­na­mik nach­ge­las­sen. Eu­ro­zo­nen-, Schwei­zer- und Schwel­len­län­der­ak­ti­en ver­zeich­ne­ten in den letz­ten fünf Han­dels­ta­gen sta­bi­le bis leicht tie­fe­re Kur­se.

Ren­dite­po­ten­zi­al

Das durch­schnitt­li­che Ren­dite­po­ten­zi­al (Preis­stei­ge­rung plus Di­vi­den­de) bei Ak­ti­en dürf­te je nach Be­rech­nung und Re­gi­on zwi­schen 3% und 7% be­tra­gen. Weil nun aber Ak­ti­en seit Jah­res­be­ginn be­reits Ren­di­ten zwi­schen 3% und 8% er­ziel­ten, ist kaum noch er­klär­ba­res Po­ten­zi­al vor­han­den. Zu­dem deu­ten ei­ni­ge Stim­mungs­in­di­ka­to­ren dar­auf hin, dass vie­le po­si­ti­ve Er­war­tun­gen be­reits ein- ge­preist sein dürf­ten. Zu­dem be­ste­hen po­li­ti­sche Un­si­cher­hei­ten. Ne­ben der Kon­junk­tur muss auch die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on ge­nau be­ob­ach­tet wer­den. Mit den an­ste­hen­den Wah­len in der Eu­ro­zo­ne könn­ten un­er­war­te­te Re­sul­ta­te zu ei­nem Stim­mungs­um­schwung der An­le­ger füh­ren und die Ak­ti­en­märk­te er­schüt­tern.

Da­bei dürf­ten vor al­lem eu­ro­päi­sche Ti­tel lei­den. Auch po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen in den USA könn­ten die Un­si­cher­heit an den Fi­nanz­märk­ten er­hö­hen. So zum Bei­spiel wird über ei­ne Um­satz­steu­er auf im­por­tier­te Gü­ter dis­ku­tiert. Soll­te dies be­schlos­sen wer­den, dürf­ten vie­le Un­ter­neh­men in Eu­ro­pa oder auch den Schwel­len­län­dern dar­un­ter lei- den. Trotz po­si­ti­ver Ge­winn­dy­na­mik und der po­si­ti­ven Grund­stim­mung dür­fen die­se Fak­to­ren nicht igno­riert wer­den.

Gold­preis steigt

Die Prei­se der Staats­an­lei­hen ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen und Wo­chen ro­bust ent­wi­ckelt. Im Ge­gen­satz zu den Ak­ti­en­märk­ten schei­nen die Zins­märk­te teil­wei­se den Ri­si­ken mehr Be­deu­tung zu ge­ben. So­wohl in den USA wie auch in Eu­ro­pa sind jüngst die Ka­pi­tal­markt­zin­sen ge­fal­len. Es scheint, dass zu­min­dest kurz­fris­tig die op­ti­mis­ti­schen Wachs­tums­er­war­tun­gen und die stei­gen­de In­fla­ti­on nicht zu hö­he­ren Zin­sen füh­ren. Dies ist nicht ganz un­ver­ständ­lich. Ne­ben be­rech­tig­ter Skep­sis über die ho­hen Wachs­tums­er­war­tun­gen und den po­li­ti­schen Ri­si­ken läuft auch der Ba­sis­ef­fekt der Ener­gie­prei­se in den nächs­ten Mo­na­ten aus. Dies könn­te tem­po­rär zu tie­fe­ren In­fla­ti­ons­ra­ten füh­ren. So­mit könn­te der Rü­cken­wind für die Ka­pi­tal­markt­zin­sen in den kom­men­den Mo­na­ten et­was nach­las­sen.

Gold setz­te auch in den letz­ten Ta­gen sei­nen Auf­wärts­trend fort. Das gel­be Me­tall wird kurz­fris­tig von vie­len Fak­to­ren be­ein­flusst wie et­wa von der Ri­si­ko­aver­si­on, der In­fla­ti­on oder dem Dol­lar. Das Züng­lein an der Waa­ge könn­ten mo­men­tan die stei­gen­den po­li­ti­schen Ri­si­ken sein, die den Gold­preis trei­ben. Ge­gen­wind spürt er kurz­fris­tig von ei­nem auf­wer­ten­den Dol­lar nicht. Soll­te sich je­doch die Kon­junk­tur in den USA wei­ter ver­bes­sern, kann ein stär­ke­rer Dol­lar nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Gera­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren trieb das Nar­ra­tiv der di­ver­gie­ren­den Geld­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken kurz­fris­tig die USWäh­rung nach oben.

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