Un­si­cher­heit stützt Gold

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CARS­TEN FRITSCH,

Stei­gen­de Gold­prei­se zum Jah­res­auf­takt ha­ben schon fast Tra­di­ti­on.

Der Gold­preis ist mit po­si­ti­ven Vor­zei­chen in das Jahr 2017 ge­star­tet. In den ers­ten bei­den Mo­na­ten ver­teu­er­te sich Gold um 8% und ver­zeich­ne­te En­de Fe­bru­ar mit gut 1260 $/Un­ze ein Drei­ein­halb­mo­nats­hoch. In Eu­ro klet­ter­te das Edel­me­tall so­gar auf ein Fünf­mo­nats­hoch von 1190 €/Un­ze. Erst in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ge­riet der Gold­preis we­gen der zu­neh­men­den Er­war­tung ei­ner Fed-Zins­er­hö­hung im März un­ter Druck.

Stei­gen­de Edel­me­tall­no­tie­run­gen zu Jah­res­be­ginn wa­ren in den letz­ten Jah­ren nicht un­ge­wöhn­lich. Be­son­ders kräf­tig war der Anstieg im ver­gan­ge­nen Jahr, als Gold nach zwei Mo­na­ten be­reits 15% über dem Jah­res­an­fangs­ni­veau no­tier­te. Vor ei­nem Jahr ging es mit dem Gold­preis noch bis An­fang Ju­li auf­wärts. 2015 hat­te Gold En­de Fe­bru­ar das Jah­res­hoch da­ge­gen schon über­schrit­ten. Be­güns­tigt wur­de der po­si­ti­ve Start je­weils durch Zuflüs­se in ko­tier­te Gold­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF). In den ers­ten bei­den Mo­na­ten des Jah­res 2015 hat­ten sich de­ren Käu­fe auf fast 80 Ton­nen be­lau­fen, be­vor im März Ab­flüs­se ein­setz­ten. Im ers­ten Quar­tal 2016 ver­zeich­ne­ten die Gold-ETF Zuflüs­se von fast 300 Ton­nen. Da­von fie­len 250 Ton­nen auf die Mo­na­te Ja­nu­ar und Fe­bru­ar. Im lau­fen­den Jahr sind den Gold-ETF bis­lang 60 Ton­nen zu­ge­flos­sen. Was wa­ren je­weils die Aus­lö­ser für die er­höh­te Gold­nach­fra­ge zum Jah­res­auf­takt?

Im Jahr 2015 sorg­te die Geld­po­li­tik schon früh für Tur­bu­len­zen an den Fi­nanz­märk­ten. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank kün­dig­te ein An­lei­hen­kauf­pro­gramm an, und die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank hob den Eu­rom­in­dest­kurs auf. Ein Jahr spä­ter kam es aus­ge­hend von Chi­na und dem Ab­sturz der Öl­prei­se er­neut zu Ver­wer­fun­gen. Das führt da­zu, dass im­mer we­ni­ger Markt­teil­neh­mer mit hö­he­ren US-Zin­sen rech­ne­ten.

Die­ses Jahr ist es vor al­lem die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit, die die An­le­ger in den si­che­ren Ha­fen Gold treibt. Die­se Un­si­cher­heit ist dies­seits und jen­seits des At­lan­tiks zu fin­den und dürf­te das gan­ze Jahr über an­hal­ten. Der US-Prä­si­dent Trump bleibt un­be­re­chen­bar. In Eu­ro­pa ste­hen in meh­re­ren wich­ti­gen Län­dern rich­tungs­wei­sen­de Wah­len be­vor, die die Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) und die Eu­rozo­ne vor ei­ne Zer­reiss­pro­be stel­len könn­ten. Zu nen­nen sind die Par­la­ments­wah­len in den Nie­der­lan­den Mit­te März, die Prä­si­dent­schafts­wah­len in Frank­reich En­de April und An­fang Mai so­wie die Bun­des­tags­wah­len in Deutsch­land im Sep­tem­ber. Zu­dem be­gin­nen dem­nächst die of­fi­zi­el­len Aus­tritts­ver­hand­lun­gen zwi­schen Gross­bri­tan­ni­en und der EU.

Die Nach­fra­ge nach Gold als si­che­rem Ha­fen und Kri­sen­wäh­rung dürf­te an­ge­sichts der zahl­rei­chen po­li­ti­schen Un­si­cher­heits­fak­to­ren in den kom­men­den Mo­na­ten gross blei­ben. Da­für spre­chen auch die zu­neh­mend ne­ga­ti­ven Re­al­zin­sen in der Eu­rozo­ne. Denn ob­wohl die In­fla­ti­on zu­letzt deut­lich ge­stie­gen ist, dürf­te die EZB mit den zins­drü­cken­den An­lei­hen fort­fah­ren, wo­durch das Zins­ni­veau ten­den­zi­ell ge­drückt wird. In­so­fern ist es vor­stell­bar, dass sich das sai­so­na­le Mus­ter der letz­ten Jah­re mit ei­nem star­ken ers­ten und ei­nem schwa­chen zwei­ten Halb­jahr – heu­er nicht wie­der­holt.

Preis­rück­set­zer wie in der ver­gan­ge­nen Wo­che, als die Fe­dZins­er­hö­hungs­er­war­tun­gen nach oben schos­sen, soll­ten da­her nur be­grenzt und von kur­zer Dau­er sein. Die ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen spe­ku­la­ti­ven Net­to-Long-Po­si­tio­nen am Ter­min­markt spre­chen eben­falls ge­gen ei­nen stär­ke­ren Preis­rück­gang. Zum Jah­res­en­de dürf­te Gold da­her um 1300 $/ Un­ze no­tie­ren.

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