Zins­er­hö­hung im März?

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - JAN BOPP,

Die glo­ba­len Ak­ti­en­märk­te rei­ten auf der Kon­junk­tur­wel­le.

Ei­nem Zins­schritt der USNo­ten­bank (Fed) im März scheint nichts mehr im Weg zu ste­hen. Der Of­fen­markt­aus­schuss (FOMC) schafft es mitt­ler­wei­le, sei­ne Ab­sich­ten klar mit­zu­tei­len. So sprach der stimm­be­rech­tig­te New-York-Fed-Prä­si­dent Bill Dud­ley so­gar von der in­zwi­schen «über­wäl­ti­gen­den» Not­wen­dig­keit eines Zins­schrit­tes. Vor die­sem Hin­ter­grund stieg die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Zins­er­hö­hung am 15. März ba­sie­rend auf den Fed Funds Fu­tures auf 88%. Vor ei­ner Wo­che lag die­ser Wert bei 34%.

Die US-Kon­junk­tur prä­sen­tiert sich in ei­nem sehr ro­bus­ten Zu­stand. Al­ler­dings be­ruht das po­si­ti­ve Wachs­tums­mo­men­tum ins­be­son­de­re auf Um­fra­ge- und Kon­junk­tur­zy­klus­in­di­ka­to­ren. So stieg der Phil­adel­phia Fed In­dex auf den höchs­ten Stand seit 33 Jah­ren, und auch der ISM Ein­kaufs­ma­na­ger­index be­hielt sein dy­na­mi­sches Auf­wärts­mo­men­tum bei. Hin­ge­gen fie­len Da­ten zum Im­mo­bi­li­en­markt, so­wie zum In­dus­trie- und Haus­halts­sek­tor leicht ent­täu­schend aus.

Der Anstieg der Früh­in­di­ka­to­ren wird von gros­sen Er­war­tun­gen an die Steu­er­re­form, die In­fra­struk­tur­mass­nah­men und die De­re­gu­lie­rungs­plä­ne der US-Re­gie­rung ge­trie­ben. Doch die­se Hoff­nun­gen sind (un­rea­lis­tisch) hoch. Die va­gen Aus­sa­gen von Do­nald Trump, zu­letzt auch vor dem USKon­gress, dürf­ten In­ves­to­ren ir­gend­wann be­sorgt stim­men.

In­di­zes auf Re­kord­hoch

Die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit hat im glo­ba­len Kon­text in­zwi­schen ein All­zeit­hoch er­reicht. Die Wah­len in Eu­ro­pa und die un­be­re­chen­ba­re US-Politik wer­den die kom­men­den Mo­na­te prä­gen.

Die glo­ba­len Ak­ti­en­märk­te zei­gen sich von den po­li­ti­schen Ri­si­ken bis­lang un­be­ein­druckt. Im Um­feld po­si­ti­ver Fun­da­men­tal­da­ten und un­ver­än­dert ho­her Ri­si­ko­be­reit­schaft der In­ves­to­ren ha­ben die gros­sen Ak­ti­en­in­di­zes im Fe­bru­ar neue Jah­res­hochs er­reicht. Nach­dem der Dow Jones In­dus­tri­al be­reits an zwölf auf­ein­an­der­fol­gen­den Ta­gen ei­nen neu­en Höchst­stand er­reich­te, ist er am Mittwoch erst­mals über die Mar­ke von 21 000 ge­klet­tert.

Auch an den eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­märk­ten stie­gen die Kur­se deut­lich. Der SMI no­tier­te in der Spit­ze bei 8676 und da­mit auf dem höchs­ten Wert seit Ja­nu­ar 2016. In Frankfurt über­wand der Leit­in­dex Dax die psy­cho­lo­gisch wich­ti­ge Mar­ke von 12 000. Das Um­feld dürf­te in den kom­men­den Wochen sta­bil blei­ben, denn kurz­fris- tig ist we­der kon­junk­tu­rel­les noch po­li­ti­sches Stör­feu­er zu er­war­ten. Doch wach­sen auch hier die Bäu­me nicht in den Him­mel. Die Fall­hö­he ei­ni­ger Ak­ti­en­in­di­zes ist mitt­ler­wei­le hoch und die fran­zö­si­schen Wah­len ha­ben das Po­ten­zi­al, Tur­bu­len­zen aus­zu­lö­sen.

Ren­di­ten stei­gen

Die stei­gen­den Er­war­tun­gen hin­sicht­lich eines Zins­schritts im März ha­ben auch zu ei­ner Neu­be­wer­tung an den Ren­ten­märk­ten ge­führt. Die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger US-Tre­a­su­ries sind seit Wo­chen­be­ginn deut­lich ge­stie­gen. Die No­tie­run­gen lie­gen knapp un­ter 2,5% und da­mit am obe­ren En­de der Han­dels­span­ne von 2,3 und 2,55%, die sich seit Jah­res­en­de eta­bliert hat. Die Mar­ke von 2,5% hat sich be­reits seit Mit­te 2015 als schwer über­wind­ba­re Hür­de er­wie­sen. Kurz­fris­tig dürf­te sich dar­an nichts än­dern.

Bei eu­ro­päi­schen Staats­an­lei­hen war eben­falls ein deut­li­cher Anstieg der Ren­di­ten zu be­ob­ach­ten. Ins­be­son­de­re deut­sche Bun­des­an­lei­hen ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen von ih­ren Tiefs er­holt. Sie wa­ren auf­grund der gros­sen po­li­ti­schen Un­si­cher­heit als si­che­rer Ha­fen stark ge­fragt. Ver­gan­ge­ne Wo­che ren­tier­ten zwei­jäh­ri­ge Bunds auf ei­nem Re­kord­tief von –0,96%. Dies nicht zu­letzt auf­grund mas­si­ver Käu­fe der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB), die im Rah­men ih­rer Wäh­rungs­in­ter­ven­tio­nen vor al­lem deut­sche Staats­an­lei­hen bes­ter Bo­ni­tät kauft.

Seit En­de Ja­nu­ar hat der Fran­ken ins­be­son­de­re ge­gen­über dem Eu­ro deut­lich zu­ge­legt. Im Tief no­tier­te das Wäh­rungs­paar bei 1.0629 €/Fr. Die SNB hat alle Mü­he, den Kurs zu sta­bi­li­sie­ren. Ei­ne wei­te­re Zins­sen­kung scheint un­ver­meid­bar.

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