An der Front

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ANDRE­AS KÄLIN

Ein ak­ti­vis­ti­scher In­ves­tor braucht ein ge­wis­ses Mass an Frech­heit. Ru­dolf Boh­li bringt es mit, wie sein jüngs­ter Coup zeigt. Er hat bei GAM auf der Ba­sis ei­nes An­teils von 2,1% gleich drei Ver­wal­tungs­rats­sit­ze be­an­sprucht. Nach jüngs­ter Mel­dung hat sein Hedge Fund RBR Ca­pi­tal den An­teil am Ver­mö­gens­ver­wal­ter auf 3,3% aus­ge­baut, da­für for­dert Boh­li nun auch die Ab­lö­sung von CEO Alex­an­der Fried­man.

Das Vor­ge­hen er­in­nert an den Fall Ga­te­group, wo Boh­li (48) erst­mals als Ak­ti­vist an die Öf­fent­lich­keit ging. Zu «Fi­nanz und Wirt­schaft» sag­te er 2015 un­ver­blümt, Andre­as Schmid sei als VR-Prä­si­dent des Air­line-Ca­te­rers «nicht mehr trag­bar». Dann for­der­te er vier VR-Sit­ze, wo­bei er mit dem ver­bün­de­ten Ca­m­ox Mas­ter Fund 12% an Ga­te­group hielt. Am En­de wur­den zwei ih­rer Vor­schlä­ge be­rück­sich­tigt, da­zu er­neu­er­te Schmid den Ver­wal­tungs­rat mit ei­ge­nen Kan­di­da­ten. 2016 wur­de Ga­te­group an die chi­ne­si­sche HNA ver­kauft – zu bil­lig, sagt Boh­li. Ein da­mals In­vol­vier­ter glaubt, der Ak­ti­vist hät­te in dem Fall mehr er­rei­chen kön­nen, wenn er nicht so stark auf den Mann, al­so auf VR-Prä­si­dent Schmid, ge­spielt hät­te. Boh­li sieht das selbst heu­te auch so. Sei­ne An­griffs­zie­le sind aber mit Be­dacht ge­wählt. Da nut­zen ihm sei­ne Er­fah­run­gen. Boh­li, ein Elek­tro­in­ge­nieur ETH, galt bei der Bank am Bel­le­vue nach «Bi­lanz» als «ge­nia­ler Ana­lyst». Er stieg dort zum Lei­ter der Ak­ti­en­ana­ly­se auf, be­vor er 2003 den Hedge Fund RBR Ca­pi­tal grün­de­te. Im Markt heisst es, er le­ge «die Fin­ger in die Wun­de». Ga­te­group wie GAM ha­ben sich denn auch we­gen glei­cher Pro­ble­me an­greif­bar ge­macht: we­gen über­ris­se­ner Ver­gü­tun­gen, ho­her Kos­ten und zugleich zwei­fel­haf­ter Ma­nage­ment­leis­tun­gen. Dar­um er­war­tet ein Ver­mö­gens­ver­wal­ter, der bei Ga­te­group mit en­ga­giert war, dass sich an­de­re In­ves­to­ren im Fall GAM Boh­li an­schlies­sen, «auch still­schwei­gend». So ein stil­ler Mit­spie­ler war bei Ga­te­group Pic­tet mit ih­ren Fonds. Als Gross­ak­tio­nä­rin des Air­line-Ca­te­rers ver­folg­te sie lan­ge die­sel­be Agen­da wie Boh­li, woll­te sich als no­ble Pri­vat­bank in der Öf­fent­lich­keit aber nicht ex­po­nie­ren. Sol­che An­le­ger se­hen es gern, wenn ein Ak­ti­vist für sie an die Front geht.

Of­fen ist, wie Sil­ches­ter, mit 15,3% An­teil die grösste Ak­tio­nä­rin von GAM, sich ver­hal­ten wird. Ein Bro­ker meint, die Lon­do­ner In­vest­ment­ge­sell­schaft wer­de nicht mit dem Ak­ti­vis­ten stim­men. Mit sei­ner Vor­ge­hens­wei­se er­zielt Boh­li zwei­fel­los Wir­kung. Bei Ga­te­group traf er mit Schmid aber auf ei­nen stand­haf­ten Geg­ner, auf «ei­ne Kampf­ma­schi­ne», wie es Boh­li heu­te mit ei­ni­gem Re­spekt for­mu­liert. Bei GAM ha­ben sie auf sei­ne ers­ten Auf­trit­te ner­vös re­agiert, sagt ein Ken­ner des Ver­mö­gens­ver­wal­ters. VRPrä­si­dent Jo­han­nes de Gier hat sich um­ge­hend ent­schlos­sen, nach der Ge­ne­ral­ver­samm­lung in den Ru­he­stand zu ge­hen. CEO Fried­man ist be­kannt da­für, auf Kri­tik dünn­häu­tig zu re­agie­ren. Die Schon­zeit für ihn ist vor­bei: Boh­li, dem aus frü­he­ren Zei­ten der Ruf als «wil­der Hund» an­hängt, gilt als un­ge­dul­dig. Zu­dem kann ihm Fried­man kaum viel vor­ma­chen, Boh­li kennt das Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­schäft. Mit sei­nem Hedge Fund hat er 2007 und 2008 auch schon schwe­re Zei­ten durch­lebt. Ein Ken­ner die­ser Sze­ne ver­weist aber auf sei­ne Er­fah­rung, dass Hedge-Fund-Ma­na­ger, die sich selbst aus ei­ner Kri­se her­aus­ge­ar­bei­tet ha­ben, stär­ker zu­rück­kom­men.

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