Ak­ti­en und Ob­li­ga­tio­nen

Rft Fra­gen auf. Fakt ist: Das Zu­sam­men­spiel von Ak­ti­en und Bonds ist ein zen­tra­les Ele­ment der Fi­nanz­märk­te, er­weist sich aber al­les an­de­re als sta­bil.

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Grün­de, wes­halb es genau an­ders­her­um sein kann, dass sich al­so Ak­ti­en­kur­se und An­lei­hen­ren­di­ten in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung be­we­gen. So fällt der Bar­wert der Ak­ti­en, wenn die künf­ti­gen Di­vi­den­den mit ei­nem hö­he­ren Zins ab­dis­kon­tiert wer­den. Hö­he­re Zin­sen kön­nen Aus­druck von stei­gen­den Prei­sen und Löh­nen sein, was die Mar­gen der Un­ter­neh­men schmä­lert. Oder sie kön­nen die In­ves­ti­tio­nen brem­sen und die Konjunktur ab­wür­gen.

Be­son­ders äl­te­re In­ves­to­ren dürf­ten mit die­sem Zu­sam­men­hang ver­traut sein. Denn bis zu den spä­ten Neun­zi­ger­jah­ren war es die Re­gel, dass Ak­ti­en­kur­se und An­lei­hen­ren­di­ten ne­ga­tiv kor­re­lier­ten. «Die Men­ta­li­tät war von In­fla­ti­on ge­prägt», er­klärt Bi­an­co. «Wenn die Ren­di­ten an­zo­gen, in­ter­pre­tier­ten die An­le­ger das als Zei­chen für In­fla­ti­ons­ge­fahr, und die Bör­sen ge­rie­ten un­ter Druck.» Das zeigt die Sta­tis­tik ein­drück­lich. Bis En­de der Neun­zi­ger­jah­re war das Mass der Gleich­läu­fig­keit zwi­schen Ak­ti­en­kur­sen und Bond­ren­di­ten ne­ga­tiv. Der Kor­re­la­ti­ons­ko­ef­fi­zi­ent schwank­te zwar hef­tig, doch er be­fand sich meis­tens un­ter null (vgl. obe­re Gra­fik). Erst ab der Jahr­tau­send­wen­de liegt der Kor­re­la­ti­ons­ko­ef­fi­zi­ent im po­si­ti­ven Be­reich, mit zwei Aus­nah­men En­de 2006 und im Som­mer 2013.

Was hat sich ge­gen­über den Neun­zi­ger­jah­ren der­art ver­än­dert? Für den BofAML-Stra­te­gen Micha­el Hart­nett ist klar: Ent­schei­dend für das Vor­zei­chen der Kor­re­la­ti­on ist das Zins­ni­veau. Wenn die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger US-Staats­an­lei­hen be­reits über 5% lie­gen, dann sind stei­gen­de Zin­sen Gift für die Ak­ti­en­märk­te. Dar­un­ter ist das Ge­gen­teil der Fall, und die Bör­sen lau­fen im Gleich­schritt mit dem Auf und Ab der An­lei­hen­ren­di­ten.

Kri­ti­sche Gren­ze liegt tie­fer

Der­zeit brau­chen Ak­ti­en­an­le­ger dem­nach stei­gen­de Bond­ren­di­ten nicht zu fürch­ten. Al­ler­dings gibt Hart­nett zu be­den­ken, dass die kri­ti­sche Gren­ze für die US-Lang­frist­zin­sen heu­te wohl un­ter 5% liegt, da der An­stieg von ei­nem his­to­risch tie­fen Ni­veau aus statt­fin­det. Er ver­weist auch auf 2013, als der da­ma­li­ge Fed-Chef Ben Bernan­ke über ei­ne Re­duk­ti­on ( Ta­pe­ring) der An­lei­hen­käu­fe nach­dach­te und ein Be­ben an den Ak­ti­en- und den Bond­märk­ten aus­lös­te, das als Ta­per Tan­trum in die Fi­nanz­markt­ge­schich­te ein­ging.

Aus der jüngs­ten Di­ver­genz zwi­schen Ak­ti­en- und An­lei­hen­markt soll­ten An­le­ger zwei Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen: Dar­auf zu spe­ku­lie­ren, dass ab jetzt – wie vor der Jahr­tau­send­wen­de – nied­ri­ge Bond­ren­di­ten gut für die Bör­sen sind, wä­re eben­so falsch, wie die Warn­si­gna­le der Ob­li­ga­tio­nen­märk­te ein­fach zu igno­rie­ren.

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