EZB ist noch nicht be­reit

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - STE­PHA­NIE LINDECK,

Die US-No­ten­bank steht da­ge­gen nächs­te Wo­che in den Start­lö­chern.

Die US-No­ten­bank (Fed) macht sich für ei­ne wei­te­re Zins­an­he­bung Mit­te März be­reit. Das hat in der ver­gan­ge­nen Wo­che zu er­neu­ten Hochs an den Ak­ti­en­märk­ten ge­führt. Seit Frei­tag aber ha­ben sie ei­ne Ver­schnauf­pau­se ein­ge­legt. Es wur­den Ge­win­ne mit­ge­nom­men, wäh­rend sich der Fo­kus mit der Sit­zung der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) am Don­ners­tag in Rich­tung Eu­ro­zo­ne ver­la­gert. Der Druck auf die EZB steigt, all­mäh­lich eben­falls von der ex­trem lo­cke­ren Geld­po­li­tik ab­zu­rü­cken.

Die jüngs­te Schät­zung der In­fla­ti­ons­ra­te in der Eu­ro­zo­ne liegt für Fe­bru­ar bei 2% p.a. Sie er­reicht da­mit erst­mals seit lan­gem das von der EZB an­vi­sier­te Ziel. Die im De­zem­ber ab­ge­ge­be­ne In­fla­ti­ons­pro­gno­se der EZB von 1,3% für 2017 ist über­holt. Ei­ne Auf­wärts­re­vi­si­on auf et­wa 1,9% für 2017 ist für die Sit­zung am Don­ners­tag, bei der auch die neu­en Wachs­tumsund In­fla­ti­ons­pro­gno­sen ver­öf­fent­licht wer­den, ab­seh­bar. Dies dürf­te die De­bat­te um ei­ne Dros­se­lung der An­lei­hen­käu­fe oder Be­en­dung der Ne­ga­tiv­zins­po­li­tik an­hei­zen. Wir er­war­ten, dass die EZB die­se Op­tio­nen zu­rück­weist.

Die Zu­rück­hal­tung der EZB ist zum Teil ver­ständ­lich, denn der In­fla­ti­ons­an­stieg be­ruht fast aus­schliess­lich auf der Er­ho­lung der Öl­prei­se. Die Zwei­fel an der Nach­hal­tig­keit sind be­rech­tigt. So hat sich die Kern­in­fla­ti­on (oh­ne Nah­rungs­mit­tel und Ener­gie) in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren kaum ver­än­dert. Die Lohn­in­fla­ti­on ver­harrt auf mo­de­ra­ten 1,4%. Zu­dem er­scheint ein län­ge­res Über­schies­sen des EZB-In­fla­ti­ons­ziels sinn­voll, zu­mal die Ver­brau­cher­prei­se 2016 nur 0,2% an­zo­gen.

Star­ker Dol­lar

Die Be­reit­wil­lig­keit des Fed, die Zin­sen an der Sit­zung am 14./15. März zu er­hö­hen, ist un­ter­des­sen stark ge­stie­gen. Gu­te Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren und Hin­wei­se von hoch­ran­gi­gen Fed-Ver­tre­tern ha­ben die vom Geld­markt in den Fe­deral Fund Fu­tures im­pli­zier­te Wahr­schein­lich­keit ei­ner Zins­er­hö­hung auf über 98% er­höht. Um ei­ner Zins­an­he­bung noch ei­ne Ab­sa­ge zu er­tei­len, be­dürf­te es ei­nes mehr als ka­ta­stro­pha­len Ar­beits­markt­be­richts En­de der Wo­che.

Aber nicht nur die Er­war­tun­gen der nächs­ten Zins­er­hö­hun­gen ha­ben sich nach vor­ne ver­la­gert. Auch der er­war­te­te Pfad der Er­hö­hun­gen ist stei­ler ge­wor­den. Wir er­war­ten min­des­tens zwei wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen im Ju­ni und Sep­tem­ber. Die Di­ver­genz der Fe­dGeld­po­li­tik ge­gen­über an­de­ren Zen­tral­ban­ken wird er­neut zum Haupt­trei­ber für den Dol­lar, der sei­nen Auf­wärts­trend nun fort­set­zen dürf­te. Fan­ta­si­en um ei­ne straf­fe­re EZB-Po­li­tik min­dern den Druck auf den Eu­ro. Um von der Dol­lar­stär­ke zu pro­fi­tie­ren, bleibt der Kauf des Dol­lars ge­gen Yen das be­vor­zug­te Wech­sel­kurspaar.

An­la­gen, die dem Re­fla­ti­ons­trend Rech­nung tra­gen, se­hen nach ei­ner Pau­se seit Jah­res­be­ginn nun wie­der bes­se­ren Zei­ten ent­ge­gen. Zehn­jäh­ri­ge US-Staats­an­lei­hen ren­tie­ren na­he 2,5%, ver­gleich­ba­re deut­sche Bund­ren­di­ten bei über 0,3%. Im Ak­ti­en­seg­ment schnei­den Zy­kli­ker über­pro­por­tio­nal gut ab. Bank­ak­ti­en blei­ben – mit we­ni­gen Aus­nah­men – ge­fragt, da sie so­wohl von hö­he­ren Zin­sen als auch von nied­ri­gen Aus­fall­ra­ten pro­fi­tie­ren.

Chi­nas heh­re Zie­le

Gleich zu Be­ginn des Na­tio­na­len Volks­kon­gres­ses Chi­nas gab Pe­king am ver­gan­ge­nen Sonn­tag die Wirt­schafts­zie­le 2017 be­kannt. Das Wachs­tums­ziel liegt mit 6,5% et­was un­ter Vor­jahr (6,7%). So kann das zwei­te gros­se Ziel, das Ein­däm­men fi­nan­zi­el­ler Ri­si­ken und der Ab­bau von Über­ka­pa­zi­tä­ten, stär­ker ver­folgt wer­den. Zugleich bleibt aber das Ziel, das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt bis 2020 zu ver­dop­peln, in Reich­wei­te. Ge­ne­rell gilt: Pe­king geht Re­for­men nur an, so­lan­ge das Wachs­tum stimmt.

Ein Ab­bau von Über­ka­pa­zi­tä­ten, fau­ler Kre­di­te oder Ex­zes­sen im Im­mo­bi­li­en­sek­tor wird von hö­he­ren Staats­aus­ga­ben oder staat­li­cher Kre­dit­ver­ga­be be­glei­tet und not­falls aus­ge­setzt. Das wird auch 2017 so blei­ben. Die Geld­po­li­tik über­nimmt ei­ne eher neu­tra­le Rol­le. Die ho­hen De­vi­sen­ab­flüs­se stel­len die grösste Her­aus­for­de­rung dar. Der Ren­min­bi dürf­te sich über die nächs­ten Mo­na­te wei­ter leicht ab­schwä­chen.

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