Die Fal­ken flie­gen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - RAI­NER GUNTERMANN,

Die EZB zeich­net ein op­ti­mis­ti­sche­res Bild der Eu­ro­wirt­schaft und die USNo­ten­bank (Fed) dürf­te kom­men­de Wo­che die Zin­sen er­hö­hen. Es be­wegt sich et­was in der Zins­land­schaft, ob­wohl die po­li­ti­schen Ri­si­ken wei­ter­hin gross sind.

Die tie­fen Ren­di­ten deut­scher Bun­des­an­lei­hen mit Lauf­zeit von bis zu zwei Jah­ren täu­schen über den deut­li­chen An­stieg der EZB-Zins­er­war­tun­gen. Das mag über­ra­schen, und die Aus­sicht auf ei­ne Zins­er­hö­hung der EZB auf Sicht von zwölf bis fünf­zehn Mo­na­ten scheint über­zo­gen. Doch die For­ward Gui­dance, al­so die Steue­rung der Zins­er­war­tun­gen durch die EZB, hat Ris­se be­kom­men. Zwar be­teu­ert die EZB, dass die Leit­zin­sen weit über die An­lei­hen­käu­fe hin­aus auf dem «ak­tu­el­len oder ei­nem nied­ri­ge­ren Ni­veau» blei­ben. Der Markt wur­de je­doch durch die Be­mer­kung hell­hö­rig, dass die Gui­dance letzt­lich nur «ei­ne Er­war­tung auf Ba­sis ak­tu­el­ler In­for­ma­tio­nen» sei. Vor den Wah­len in Frank­reich wird die EZB ih­re Gui­dance al­ler­dings kaum of­fi­zi­ell än­dern. Auch wenn sich die Kon­junk­tur im Eu­ro­raum mo­de­rat wei­ter er­ho­len dürf­te, tei­len wir die EZB-Pro- gno­se nicht, dass sich die In­fla­ti­on nach­hal­tig ver­bes­sert. Un­se­re Kon­junk­tur­pro­gno­se wür­de zwar auch kei­ne wei­te­ren Zins­sen­kun­gen recht­fer­ti­gen, aber eben­so we­nig Zins­er­hö­hun­gen 2018. Dass die EZB ihr Pro­gramm für Lang­frist­ten­der über den noch aus­ste­hen­den Ten­der hin­aus nicht ver­län­gert hat, trägt zur Markt­stim­mung über ei­ne sich an­bah­nen­de geld­po­li­ti­sche Wen­de bei.

Für Ren­ten nimmt der Ge­gen­wind vo­r­erst zu, zu­mal sich in den USA wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen ab­zeich­nen. Doch meh­re­re Grün­de spre­chen für dau­er­haft nied­ri­ge Ren­di­ten: Die Eu­ro-Kern­in­fla­ti­on dürf­te dau­er­haft nied­rig blei­ben, die re­gu­la­to­risch mo­ti­vier­te Nach­fra­ge nach Bun­des­an­lei­hen bleibt hoch, und das Si­cher­heits­be­dürf­nis, was vie­le In­ves­to­ren zu Um­schich­tun­gen aus fran­zö­si­schen in deut­sche Pa­pie­re am kur­zen En­de ver­lei­tet, bleibt aus­ge­prägt. Un­ter­neh­mens­an­lei­hen er­schei­nen deut­lich an­fäl­li­ger. Die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger deut­scher Staats­an­lei­hen dürf­ten sich bis Jah­res­en­de kaum vom ak­tu­el­len Ni­veau ent­fer­nen. Ei­ne aus­ge­präg­te Zins­wen­de im Eu­ro­raum ist vo­r­erst nicht zu er­war­ten.

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