Zin­sen im Auf­wind

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALEXANDER_KRÄMER

Ak­ti­en von Ban­ken und Ver­si­che­rern stei­gen, Gold und Öl un­ter Druck.

Nach dem Ar­beits­markt­be­richt vom Frei­tag dürf­te ei­ne An­he­bung des USLeit­zin­ses am Mitt­woch in Stein ge­meis­selt sein. Blie­se die US-No­ten­bank (Fed) den Zins­schritt ab, wür­de sie in ei­ne Glaub­wür­dig­keits­kri­se stür­zen – nach ei­nem Be­schäf­ti­gungs­zu­wachs aus­ser­halb der Land­wirt­schaft um 235 000 Stel­len und ei­nem An­stieg der durch­schnitt­li­chen St­un­den­löh­ne im Fe­bru­ar um 2,8%. Den­noch wird man mit Span­nung den Aus­füh­run­gen von Fed-Che­fin Ja­net Yel­len fol­gen. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist, ob das Fed ei­nen ge­ne­rell op­ti­mis­ti­sche­ren Aus­blick für In­fla­ti­on und Wachs­tum prä­sen­tiert (wie am Don­ners­tag die EZB) und des­we­gen in die­sem Jahr viel­leicht doch vier statt drei Zins­er­hö­hun­gen not­wen­dig sein könn­ten. Dies wür­de über­ra­schen und dürf­te die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger US-Tre­a­su­ries ober­halb von 2,6% ma­ni­fes­tie­ren.

Da­von soll­te dann auch der Dol­lar pro­fi­tie­ren, der nach der EZB-Sit­zung am Don­ners­tag fast sei­ne ge­sam­ten Ge­win­ne ge­gen­über dem Eu­ro wie­der ab­gab und auch trotz star­ker US-Ar­beits­markt­da­ten wei­ter ver­lor. Hat­te er un­mit­tel­bar vor der EZB-Sit­zung noch bei 1.0520 $/€ ge­han­delt, lag er im eu­ro­päi­schen Nach­mit­tags­han­del am Frei­tag bei 1.0633 $/€. Die EZB zeich­ne­te näm­lich ein deut­lich op­ti­mis­ti­sche­res Wachs­tums- und In­fla­ti­ons­bild. Dies lässt die Hoff­nung (bzw. die Angst) kei­men, dass die lo­cke­re Geld­po­li­tik bald zu En­de sein könn­te.

Gold – Op­fer der Fal­ken

Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger deut­scher Bun­des­an­lei­hen stieg deut­lich und lag im spä­ten eu­ro­päi­schen Frei­tags­han­del bei 0,45% – im Wo­chen­ver­lauf ein An­stieg von 10 Bp. Dass die Ren­di­ten zwei­jäh­ri­ger Bun­des­an­lei­hen auch nach der EZB-Sit­zung noch bei 0,85% han­del­ten, ist dem An­lei­he­kauf­pro­gramm ge­schul­det: Die Deut­sche Bun­des­bank macht ex­ten­siv von der Mög­lich­keit Ge­brauch, An­lei­hen un­ter­halb des Ein­la­gen­zin­ses zu kau­fen. Bei An­lei­hen aus Spa­ni­en und Ita­li­en stie­gen die zehn­jäh­ri­gen Ren­di­ten um 19 bzw. 24 Bp auf 1,85 bzw. 2,32%.

Die eher fal­ken­haf­ten Tö­ne der letz­ten Wo­che hin­ter­lies­sen auch deut­li­che Krat­zer bei Gold. Im eu­ro­päi­schen Frei­tags­han­del fiel das gel­be Me­tall erst­mals seit Ja­nu­ar wie­der un­ter die Mar­ke von 1200 $/Fein­un­ze. Vor al­lem Ka­pi­tal­an­le­ger wand­ten Gold den Rü­cken zu; seit An­fang März wur­den al­lein mehr als 15 t phy­si­sches Gold aus ETF ver­kauft. Ei­nen noch deut­li­che­ren Rück­gang er­leb­te Roh­öl, des­sen Preis zwi­schen­zeit­lich 8% im Ver­gleich zur Vor­wo­che ab­sack­te.

Nach­dem der Preis der Sor­te WTI lan­ge Zeit sta­bil ober­halb von 53 $/Fass ge­le­gen hat­te, schei­nen die Märk­te nun ein­zu­prei­sen, dass trotz der Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen der Opec Öl wei­ter in rau­en Men­gen spru­delt – dank den USA. Dort wa­ren die La­ger­be­stän­de ver­gan­ge­ne Wo­che deut­lich stär­ker ge­stie­gen als er­war­tet – und drück­ten den Preis für WTI erst­mals die­ses Jahr un­ter 50 $/Fass.

Eu­ro­pa bes­ser als USA

Die Dis­kus­si­on um hö­he­re Leit­zin­sen in den USA hat in die­ser Wo­che auch den US-Ak­ti­en­markt er­reicht. Zur Han­dels­er­öff­nung in den USA stand am Frei­tag ein Wo­chen­mi­nus von 0,4% für den S&P 500 – ei­ne klei­ne Ent­täu­schung, nach­dem der S&P 500 zu­letzt von ei­nem neu­en All­zeithoch zum nächs­ten ge­sprun­gen war. Aber auch die Aus­fall­wahr­schein­lich­kei­ten (fünf­jäh­ri­ge Cre­dit De­fault Swaps, CDS) für US-Un­ter­neh­mens­an­lei­hen gu­ter Bo­ni­tät stie­gen letz­te Wo­che mo­de­rat.

Den eu­ro­päi­schen Ak­ti­en ging es da bes­ser. Der Eu­ro Sto­xx 50 klet­ter­te erst­mals seit De­zem­ber 2015 über 3400 Punk­te, wäh­rend sich der Dax ober­halb von 12 000 eta­blier­te und nur noch 2,7% un­ter sei­nem All­zeithoch von April 2015 han­delt. So ab­strus dies viel­leicht im ers­ten Mo­ment klin­gen mag: Die Hoff­nung auf hö­he­re Zin­sen war der Trei­ber – der Ban­ken­sek­tor leg­te in der ver­gan­ge­nen Wo­che zu, und auch Ver­si­che­rer ge­wan­nen. Aber nicht für al­le Fi­nanz­wer­te wa­ren hö­he­re Zin­sen gu­te Nach­rich­ten: Im­mo­bi­li­en­ak­ti­en ge­hör­ten ne­ben Öl- und GasWer­ten und Roh­stof­fen zu den Ver­lie­rern der Wo­che.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.