Fa­ke Sta­te

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Der pol­ni­sche Aus­sen­mi­nis­ter Wi­told Wasz­c­zy­kow­ski kom­mu­ni­zier­te nur zur Hälf­te post­fak­tisch, als er neu­lich sag­te, Re­gie­rungs­ver­tre­ter «von Be­li­ze und San Es­co­bar» ge­trof­fen zu ha­ben. Be­li­ze näm­lich ist kein «Fa­ke». San Es­co­bar hin­ge­gen – viel­leicht ima­gi­niert als Pri­vat­staat ei­nes Dro­gen-

ba­rons? – ist so fik­tiv wie Lili­put, La­pu­ta oder Brob­ding­nag in Jo­na­than Swifts Klas­si­ker «Gul­li­vers Rei­sen». Das re­al exis­tie­ren­de Be­li­ze hat im­mer­hin sehr wohl ei­nen Stich ins Mär­chen­haf­te. Es ist der ein­zi­ge eng­lisch­spra­chi­ge Staat in Mit­tel­ame­ri­ka, zählt zum Com­mon­wealth – dem ope­ret­ten­haf­ten Nach­hall ei­nes Welt­reichs –, bringt es auf ei­ne bunt ge­misch­te Be­völ­ke­rung von nur rund 370 000 Men­schen: Mes­ti­zen, Kreo­len, Ma­ya, deut­sche Men­no­ni­ten. Die Haupt­stadt Bel­mo­pan (wer kennt sie nicht?) ist knapp so gross wie, sa­gen wir, Lan­gen­thal (di­to). Be­li­ze, bis 1981 Bri­tisch Hon­du­ras, ex­por­tiert Öl, Früch­te, et­wa aus die­ser Plan­ta­ge, und Mee­res­früch­te. Tou­ris­ten ent­de­cken zu­neh­mend die Schön­hei­ten des Riffs vor der ka­ri­bi­schen Küs­te. So weit, so gut, wä­re da nicht der miss­güns­ti­ge Nach­bar Gua­te­ma­la, der das hal­be Ter­ri­to­ri­um Be­li­zes für sich be­an­sprucht, einst gar das gan­ze. Von Be­li­ze blie­be so we­nig üb­rig wie von San Es­co­bar.

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