Gold be­haup­tet sich

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOM­BARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

Der Preis für das Edel­me­tall steigt trotz Zins­er­hö­hung in den USA.

Gold stemmt sich ge­gen die hö­he­ren Zin­sen. Nach der Zins­er­hö­hung durch die US-No­ten­bank Fed stieg der Preis des Edel­me­talls am Mitt­woch ge­gen 1230 $ je Un­ze. Der Ent­scheid war nach der Re­de von Fe­dChe­fin Ja­net Yel­len Mit­te Fe­bru­ar vor dem Kon­gress be­reits ein­ge­preist ge­we­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund stütz­te der zu­rück­hal­ten­de Kon­junk­tur­aus­blick des Fed die Gold­no­tie­rung. Die wirt­schaft­li­che Un­si­cher­heit in Be­zug auf das Pro­gramm von US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­an­lasst die Wäh­rungs­hü­ter, von ei­nem stei­le­ren Zins­pfad ab­zu­se­hen.

Die jüngs­te Wi­der­stands­kraft von Gold ist drei Fak­to­ren zu­zu­schrei­ben. Ers­tens ist mit dem Br­ex­it ei­ne neue Ära geo­po­li­ti­scher Un­si­cher­heit an­ge­bro­chen. Zwei­tens wa­ren im Fe­bru­ar zum ers­ten Mal seit den US-Prä­si­dent­schafts­wah­len im No­vem­ber wie­der be­deu­ten­de Net­to­zu­flüs­se in phy­sisch hin­ter­leg­te Gold­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) ver­zeich­net wor­den. Drit­tens drückt die an­zie­hen­de Teue­rung die in­fla­ti­ons­be­rei­nig­ten Zin­sen in den USA un­ter null .

Die Gold­ak­ti­en hink­ten im Fe­bru­ar dem Preis des Edel­me­talls hin­ter­her. Die meis­ten Un­ter­neh­men er­füll­ten die Er­war­tun­gen, es gab aber auch un­an­ge­neh­me Über­ra­schun­gen, was auf den Ak­ti­en las­te­te. Nach Mei­nung von Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch wer­den die gros­sen und die mitt­le­ren Gold­un­ter­neh­men im lau­fen­den Jahr 51% mehr in die Ex­plo­ra­ti­on und 32% mehr in neue Pro­jek­te in­ves­tie­ren. Das dürf­te den Cash­flow die­ses Jahr drü­cken, sich lang­fris­tig aber aus­zah­len.

Das al­les trübt zwar die Be­richt­er­stat­tung zum vier­ten Quar­tal, reicht aber nicht, um das deut­lich schlech­te­re Ab­schnei­den der Edel­me­tal­l­ak­ti­en zu er­klä­ren. Un­üb­li­che Han­dels­be­we­gun­gen im Fe­bru­ar und das Feh­len fun­da­men­ta­ler Trei­ber sug­ge­rie­ren, das tech­nisch ori­en­tier­te Fonds mit Ver­käu­fen re­agiert ha­ben. Was die Ver­kaufs­si­gna­le aus­ge­löst hat, ist nicht be­kannt. Die oh­ne­hin schon nied­rig be­wer­te­ten Ak­ti­en sind nun aber sehr güns­tig.

Seit Jah­res­be­ginn fehlt dem Gold ein Preis­trei­ber. Es ist je­doch sehr wahr­schein­lich, dass sich in den kom­men­den Mo­na­ten oder Jah­ren ein geo­po­li­ti­scher, öko­no­mi­scher oder Fi­nanz­markt­fak­tor er­gibt, der die An­le­ger nach ei­nem si­che­ren Ha­fen su­chen lässt.

An­ge­sichts der welt­weit lo­cke­ren Geld­po­li­tik, der stei­gen­den Kon­junk­tur­er­war­tun­gen und der dro­hen­den pro­tek­tio­nis­ti­schen Ten­denz in den USA be­trach­ten der­zeit vie­le die an­zie­hen­de Inflation als den Haupt­trei­ber hin­ter dem Gold­preis. Ge­rät die Teue­rung aus­ser Kon­trol­le, dürf­te die Nach­fra­ge nach dem Edel­me­tall mar­kant stei­gen. Al­ler­dings ist ei­ne der­art ho­he Inflation der­zeit un­wahr­schein­lich. Der Preis­an­stieg der ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­te ist gros­sen­teils auf die Er­ho­lung der Roh­stoff­no­tie­run­gen zu­rück­zu­füh­ren. Die Er­ho­lung der Roh­stof­fe wird die Inflation kurz­fris­tig nicht mehr an­kur­beln. Die Re­fla­ti­on ba­siert auf hö­he­ren Wachs­tums­er­war­tun­gen und ver­mehr­ten staat­li­chen In­ves­ti­tio­nen, die mög­li­cher­wei­se aber we­ni­ger stark aus­fal­len wer­den als er­war­tet, da US-Prä­si­dent Trump im Kon­gress mit Her­aus­for­de­run­gen bei der Um­set­zung sei­nes Pro­gramms kon­fron­tiert ist.

Zu­dem scheint die US-No­ten­bank ent­schlos­sen, über län­ge­re Zeit ei­ne straf­fe­re Geld­po­li­tik zu ver­fol­gen. Da­mit dürf­te sie die Inflation in Schach hal­ten kön­nen. So­lan­ge sich kein an­de­rer Ka­ta­ly­sa­tor ein­stellt, dürf­te der Gold­preis – ab­ge­se­hen von den kurz­fris­ti­gen Preis­schwan­kun­gen – im Jahr 2017 gut ge­stützt no­tie­ren.

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