Fed nutzt die Ge­le­gen­heit

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - THOMAS HEL­LER,

Dol­lar ge­rät nach der Zins­ent­schei­dung un­ter Druck. Gold pro­fi­tiert.

Die ab­ge­lau­fe­ne Bör­sen­wo­che stand ganz im Zei­chen der No­ten­ban­ken. Die Leit­zins­an­he­bung der US-No­ten­bank (Fed) um 25 Ba­sis­punk­te (0,25 Pro­zent­punk­te) auf 0,75%– 1% kam wie er­war­tet. Ver­schie­de­ne Fed-Ver­tre­ter hat­ten die Märk­te vor­ab qua­si im Eil­tem­po dar­auf vor­be­rei­tet. Noch Wo­chen vor­her hat­te, nur drei Mo­na­te nach dem letz­ten Zins­schritt, we­nig auf ei­ne un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­de Er­hö­hung hin­ge­deu­tet.

War­um al­so die plötz­li­che Ei­le? Das Fed sah wohl ein Win­dow of Op­por­tu­ni­ty. Zum ei­nen ist ei­ne Zins­er­hö­hung auf­grund der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung und der jüngs­ten In­fla­ti­ons­zah­len ver­tret­bar. Zum an­de­ren – und das war wahr­schein­lich ent­schei­dend – lau­ern bis zu den nächs­ten Fe­dSit­zun­gen im Mai und Ju­ni ei­ni­ge Ri­si­ko­fak­to­ren ( Wah­len in Frank­reich, Trumps Steu­er­plä­ne, Grie­chen­land­kri­se), wel­che für Un­ru­hen sor­gen könn­ten und den Hand­lungs­spiel­raum des Fed wo­mög­lich ein­ge­schränkt hät­ten. So nutz­te es die der­zeit recht ru­hi­ge Pha­se. Die US-No­ten­bank be­hält die Zü­gel in der Hand und wird nicht zur Ge­trie­be­nen.

Kon­trä­re Re­ak­tio­nen

Die Märk­te re­agier­ten kon­trär im Ver­gleich zur Zins­er­hö­hung im De­zem­ber, als die Ak­ti­en­kur­se san­ken, die Zin­sen stie­gen und der Dol­lar zu­leg­te. Den Ak­ti­en­märk­ten hat das Fed dies­mal ein «Wohl­fühl­pa­ket» ge­lie­fert: In­tak­te Wachs­tums­aus­sich­ten, mo­de­ra­ter Preis­auf­trieb, kei­ne Ver­schär­fung des Zins­pfads zu er­war­ten. Ent­spre­chend re­agier­ten die Ak­ti­en. Der S&P500 leg­te nach dem Fe­dEnt­scheid rund 0.5% zu.

Die Ob­li­ga­tio­nen­märk­te hat­ten in den Aus­füh­run­gen zum Zins­ent­scheid hin­ge­gen mit re­strik­ti­ve­ren Zwi­schen­tö­nen ge­rech­net, al­so ei­ner Ver­schär­fung des geld- po­li­ti­schen Kur­ses. Da die­se aus­ge­blie­ben sind, ga­ben die Ren­di­ten für Staats­an­lei­hen deut­lich nach. Eben­falls un­ter Druck kam der Dol­lar. Man wird den Ein­druck nicht los, dass der Dol­lar-Hausse trotz Zins­er­hö­hungs­fan­ta­si­en die Pus­te aus­geht. Der Dol­lar-In­dex no­tiert je­den­falls tie­fer als nach dem Fed-Mee­ting vom De­zem­ber. Gold pro­fi­tier­te von den tie­fe­ren Ren­di­ten und dem schwä­che­ren Dol­lar und wur­de gut 2% teu­rer.

Eben­falls über die Geld­po­li­tik be­fun­den ha­ben die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB), die Bank von Ja­pan und die Bank von En­g­land (BoE). «Kei­ne Än­de­rung an der ak­tu­el­len Aus­rich­tung» war der ein­heit­li­che Te­nor. Bei der SNB hat­te es im Vor­feld ver­ein­zelt Be- fürch­tun­gen ge­ge­ben, die SNB wer­de ge­zwun­gen sein, die Ne­ga­tiv­zin­sen wei­ter zu sen­ken. Bis auf Wei­te­res blei­ben aber De­vi­sen­markt­in­ter­ven­tio­nen das be­vor­zug­te In­stru­ment, um den laut SNB im­mer noch deut­lich über­be­wer­te­ten Fran­ken zu schwä­chen.

BoE-Dis­si­den­tin

Auf­merk­sam­keit er­reg­te BoE-Mit­glied Kris­tin For­bes, die über­ra­schend für ei­ne Zins­er­hö­hung vo­tier­te. Sie wur­de von den an­de­ren Mit­glie­dern zwar klar über­stimmt, trotz­dem hör­ten die Märk­te den Si­gnal­ruf ei­nes «Fal­ken». Die Ren­di­ten bri­ti­scher Gilts zo­gen an, das Pfund wer­te­te auf.

Mit den Par­la­ments­wah­len in den Nie­der­lan­den stand die ers­te von meh­re­ren rich­tungs­wei­sen­den Wah­len in die­sem Jahr in der Eu­ro­zo­ne an. Mit dem Sieg der rechts­li­be­ra­len Par­tei von Pre­mier­mi­nis­ter Mark Rut­te blieb der be­fürch­te­te Rechts­rutsch aus. Der Ams­ter­da­mer Ak­ti­en­markt quit­tier­te das Er­geb­nis mit leich­ten Avan­cen. Das et­was We­ni­ger an Un­si­cher­heit kam spa­ni­schen und ita­lie­ni­schen Ak­ti­en am stärks­ten zu­gu­te. Fi­nanz­wer­te leg­ten über­durch­schnitt­lich zu. In Mailand stan­den Ge­ne­ra­li im Fo­kus. Ge­ne­ra­li-Chef Phil­ip­pe Don­net stell­te klar, es ge­be kei­ne Über­nah­me­be­dro­hung. Auch ei­ne Fu­si­on mit In­te­sa San­pao­lo er­ge­be, so Don­net, kei­ne in­ter­es­san­ten Sy­ner­gi­en.

Mi­nen­wer­te pro­fi­tier­ten von den hö­he­ren Me­tall­prei­sen und den we­ni­ger re­strik­ti­ven Fed-Aus­sa­gen. Der Ein­stieg des in­di­schen In­ves­tors Anil Agar­wal bei Ang­lo Ame­ri­can reg­te die M&A-Fan­ta­sie in der Bran­che an. Der bri­ti­sche Mi­nen­kon­zern gilt seit Jah­ren als Über­nah­me­ziel oder Kan­di­dat für ei­ne Auf­spal­tung. Mit Agar­wal könn­te nun Be­we­gung in die ge­sam­te Bran­che kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.