Cre­dit Suis­se ist im­mer für ei­ne Über­ra­schung gut

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - RK

Tid­ja­ne Thi­am hat mit Cre­dit Suis­se drei Pro­ble­me: Ers­tens hat der CEO 2015 ei­ne un­ter­ka­pi­ta­li­sier­te Bank ge­erbt. Zwei­tens war die­se Bank zu stark auf das In­vest­ment Ban­king aus­ge­rich­tet, das heu­te nicht mehr ka­pi­tal­ef­fi­zi­ent zu be­trei­ben ist. Drit­tens hat er das Steu­er zwar schnell und be­herzt rum­ge­ris­sen. Dann aber hat er die Mess­lat­te zu hoch ge­steckt und oft über­ra­schen­de Ent­schei­de ge­fällt, die in Tei­len der Bank für Un­mut und bei man­chem Be­ob­ach­ter für Er­stau­nen ge­sorgt ha­ben.

Die im Ok­to­ber 2015 ver­kün­de­ten Zie­le muss­ten be­reits zwei­mal an­ge­passt wer­den. Im In­ter­view legt Thi­am dar, dass er das stra­te­gi­sche Ziel, Cre­dit Suis­se stär­ker auf die Ver­mö­gens­ver­wal­tung aus­zu­rich­ten, nie aus den Au­gen ge­las­sen ha­be. Markt­ver­wer­fun­gen hät­ten ihn ge­zwun­gen, den Um­bau schnel­ler als ur­sprüng­lich ge­plant vor­an­zu­trei­ben. Dies hat nun ei­ne ver­wir­ren­de Si­tua­ti­on ge­schaf­fen: Die Fort­schrit­te im Kern­be­reich der Bank wer­den von der Alt­las­ten­be­wäl­ti­gung voll­stän­dig über­la­gert. Zwei Mil­li­ar­den­ver­lus­te hin­ter­ein­an­der sind Aus­druck da­von (vgl. Gra­fik 1).

Zu­dem ma­chen es die bis­wei­len sprung­haft wir­ken­den Wei­chen­stel­lun­gen vie­len In­ves­to­ren schwer, Ver­trau­en in den neu­en Kurs zu fas­sen: Auch der mit der Stra­te­gie­an­kün­di­gung 2015 in Aus­sicht ge­stell­te se­pa­ra­te Bör­sen­gang der Schwei­zer Ein­heit scheint nun nicht mehr ers­te Wahl zu sein. Of­fi­zi­ell be­grün­det dies die Bank mit der Ei­ni­gung im US-Steu­er­streit, die Un­si­cher­hei­ten be­sei­tigt ha­be. Gleich­zei­tig or­tet Thi­am je­doch wei­ter­hin zu­sätz­li­chen Ka­pi­tal­be­darf.

Heu­te sieht es ganz da­nach aus, als hät­te der IPO-Plan pri­mär in ei­ner Rück­ver­si­che­rung be­stan­den. Da­mit konn­te man dem Markt zei­gen, dass Cre­dit Suis­se Zu­gang zu Ka­pi­tal hät­te. Das dien­te da­zu, ei­ne Ner­vo­si­tät bei Kun­den und In­ves­to­ren zu ban­nen. Gleich­zei­tig durf­te die­ses Ka­pi­tal aber nicht für die US-Jus­tiz greif­bar wer­den. Denn sonst wä­re die Bus­se im Hy­po­the­ken­streit wohl hö­her aus­ge­fal­len. Nach Ab­schluss des Ei­ni­gungs­ver­fah­rens in den USA kann das Ma­nage­ment jetzt al­ter­na­ti­ve Ka­pi­tal­mass­nah­men an­ge­hen.

Auf­grund der Aus­sa­gen von Thi­am im In­ter­view sieht es kaum nach ei­nem Teil­bör­sen­gang der Cre­dit Suis­se Schweiz aus. An­ge­sichts ih­rer wei­ter­hin re­la­ti­ven Ka­pi­tal­schwä­che (vgl. Gra­fik 2) ist ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung gleich­zei­tig wahr­schein­li­cher ge­wor­den. Noch will sich Thi­am nicht in die Kar­ten bli­cken las­sen. Wie so oft bei Cre­dit Suis­se sind In­ves­to­ren schlicht ge­zwun­gen, auf die nächs­te Wei­chen­stel­lung zu war­ten. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Cre­dit Suis­se im On­line-Ak­ti­en­füh­rer: www.fuw.ch/CSGN

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