Als Nerd im Di­enst der Zu­kunft

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - THORS­TEN RIEDL

Har­per Reed ist ein Nerd – und das im bes­ten Sin­ne des Wor­tes. Beim Tref­fen wirft der 39-Jäh­ri­ge zu­nächst ei­nen Blick auf die Smart­watch des Ge­gen­über und de­bat­tiert über die Vor- und Nach­tei­le der in­tel­li­gen­ten Uhr, ver­gleicht sie mit sei­ner. Dann geht es los – und Reed strotzt vor Selbst­be­wusst­sein: Er sei wohl ei­ner der cools­ten Ty­pen je­mals, ist in sei­ner Selbst­besch rei­bung im Netz zu le­sen. Bei der Goog­le-Su­che fin­den sich Hun­der­te Bil­der, auf de­nen er durch sei­ne pun­ki­ge Fri­sur und Va­ria­tio­nen sei­ner Bart­mo­de auf­fällt. Doch Reed auf Äus­se­res zu be­schrän­ken, wür­de zu kurz grei­fen. Er hat was zu sa­gen – frü­her für die Wahl­kam­pa­gne von Ex-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma, das hat ihn be­kannt ge­macht, jetzt für sei­nen ak­tu­el­len Ar­beit­ge­ber PayPal.

Dass Reed ein­mal zum Nerd her­an­rei­fen wür­de, wur­de ihm in die Wie­ge ge­legt. In den Acht­zi­gern wuchs er in Gre­e­ley auf, im US-Bun­des­staat Co­lo­ra­do. Im El­tern­haus stand kein Fern­se­her, aber ei­ner der ers­ten App­leCom­pu­ter, ein App­le IIC. Die Lei­den­schaft war ge­weckt. Spä­ter stu­dier­te er Phi­lo­so­phie und Com­pu­ter­wis­sen­schaf­ten. Nach dem Ab­schluss 2001 mach­te er sei­ne Hob­bys zum Be­ruf. Zu­nächst ar­bei­te­te er als Pro­gram­mie­rer bei World Book Pu­blis­hing – Reed liest lei­den­schaft­lich gern. Ab 2005 war er Tech­nik­chef von Th­re­ad­less, ei­ner In­ter­net­platt­form für künst­le­ri­sche T-Shirts – die Reed im­mer noch selbst trägt. 2011 wird es Ernst: Oba­ma wählt Reed als Tech­nik­ver­ant­wort­li­chen für sei­ne Kam­pa­gne zur Wie­der­wahl. Jetzt ver­ant­wor­tet Reed den Be­reich Next Ge­ne­ra­ti­on Com­mer­ce bei PayPal. Wo­hin flies­sen die Zah­lungs­strö­me künf­tig? Wo­mit zah­len wir? Braucht es noch ein Porte­mon­naie? Bar­geld? Vor fünf Jah­ren grün­de­te Reed die Fir­ma Mo­dest, die sich schon mit sol­chen Fra­gen be­schäf­tig­te und vor zwei Jah­ren von PayPal ge­kauft wur­de. Im Prin­zip ma­che er noch das Glei­che wie beim ei­ge­nen Start-up – nur in ei­nem grös­se­ren Mass­stab. Ein­fach sei das manch­mal nicht. «PayPal muss ler­nen, sich schnell neu zu er­fin­den», sagt er. Das Be­zahl­un­ter­neh­men ist gross ge­wor­den als Toch­ter von eBay, seit 2015 ist es flüg­ge und ko­tiert.

«Wir bei PayPal ha­ben Fin­tech er­fun­den, oder?», fragt Reed – und da ist wie­der das über­bor­den­de Selbst­ver­trau­en. Das Un­ter­neh­men sieht er als Mitt­ler zwi­schen ver­schie­de­nen di­gi­ta­len Be­zahl­stan­dards. Wen ei­ner in den Staa­ten et­was über Face­book be­stel­le oder ein Uber or­de­re, wick­le PayPal die Zah­lungs­strö­me da­hin­ter ab. «Die bes­ten Fin­tech-Un­ter­neh­men wer­den von uns un­ter­stützt», er­klärt er wei­ter. Wie die Zu­kunft der Zah­lun­gen aus­sieht, weiss aber auch Reed nicht. Er set­ze jetzt sei­nen «Pro­gno­se-Hut» auf, scherzt er. «Die Ver­brau­cher wer­den auf die Art und Wei­se zah­len, die es ih­nen am ein­fachs­ten macht.» Ju­gend­li­che wür­den wohl zum Smart­pho­ne grei­fen, weil es ihr ein­zi­ger Rech­ner sei. Nicht sehr kon­kret? Ja, des­sen sei er sich be­wusst. Mit ei­ner Rei­he von Ex­pe­ri­men­ten ver­su­che das Un­ter­neh­men, den Wan­del im Um­gang mit Geld mit­zu­ge­stal­ten. Und der Nerd um­schreibt die Stra­te­gie von PayPal in ei­ner Zeit der Un­ge­wiss­heit mit ei­ner Fuss­bal­lA­na­lo­gie: «Wir wer­fen den Ball ins Feld – und ver­su­chen, das Tor zu tref­fen.»

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