Sor­gen um Frei­han­del

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Es herrscht Er­nüch­te­rung über den Aus­gang des G20-Tref­fens.

Die Tat­sa­che, dass sich die Fi­nanz­mi­nis­ter und No­ten­bank­chefs der füh­ren­den In­dus­trie- und Schwel­len­län­der der G-20 am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de un­ter dem Druck der neu­en US-Re­gie­rung nicht ei­ni­gen konn­ten, die Ab­sa­ge an den Pro­tek­tio­nis­mus zu er­neu­ern, scheint ei­ne ge­wis­se Er­nüch­te­rung an den Fi­nanz­märk­ten hin­ter­las­sen zu ha­ben.

Üb­li­cher­wei­se be­ken­nen sich die G-20 in ih­rer ge­mein­sa­men Ab­schluss­er­klä­rung zum Frei­han­del und er­tei­len wirt­schaft­li­cher Ab­schot­tung und Pro­tek­tio­nis­mus ei­ne deut­li­che Ab­sa­ge. Dies war dies­mal nicht der Fall, und des­halb ist die Ge­fahr zu­neh­men­der Han­dels­kon­flik­te nicht mehr von der Hand zu wei­sen.

Mög­li­cher­wei­se wird nun ver­sucht, bis zum G-20-Gip­fel der Staats- und Re­gie­rungs­chefs An­fang Ju­li in Ham­burg ei­nen neu­en An­lauf für ei­ne Ei­ni­gung zu un­ter­neh­men. Da­nach über­gibt Deutsch­land den G-20-Vor­sitz an Ar­gen­ti­ni­en.

Vor die­sem Hin­ter­grund ten­dier­ten die Ak­ti­en­bör­sen in der ers­ten Wo­chen­hälf­te mehr oder we­ni­ger seit­wärts mit ei­nem mo­de­rat freund­li­chen Un­ter­ton – nicht zu­letzt auch auf­grund ei­ner ge­wis­sen Er­leich­te­rung nach dem jüngs­ten und lan­ge an­ti­zi­pier­ten Zins­schritt der US-No­ten­bank (Fed). Zu­sätz­lich trug auch das Er­geb­nis der al­les in al­lem glimpf­lich aus­ge­gan­ge­nen Par­la­ments­wahl in den Nie­der­lan­den zur po­si­ti­ven Stim­mung bei.

Dol­lar pro­fi­tiert nicht

Die har­te Hal­tung der Re­gie­rung Trump in Sa­chen Welt­han­del könn­te auch dem Dol­lar scha­den. Die US-Wäh­rung steht al­ler­dings schon seit dem vor­an­ge­gan­ge­nen Zins­schritt des Fed un­ter Druck. Zwar ma­chen hö­he­re Zin­sen – vor al­lem dann, wenn sie auf­grund ei­ner star­ken Kon­junk­tur an­ge­ho­ben wer­den – üb­li­cher­wei­se ei­ne Wäh­rung at­trak­ti­ver. Je­doch in­ter­pre­tier­ten die Markt­teil­neh­mer die be­glei­ten­den Äus­se­run­gen von No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len als eher «do­vish» und schei­nen da­von aus­zu­ge­hen, dass das Fed die Leit­zin­sen wei­ter­hin be­hut­sam an­he­ben wird. Im lau­fen­den Jahr soll das ge­mäss Yel­len noch zwei­mal ge­sche­hen.

Im Fo­kus steht da­her die­se Wo­che ei­ne Rei­he von Auf­trit­ten hoch­ran­gi­ger Fed-Mit­glie­der. An­le­ger er­hof­fen sich da­von Hin­wei­se auf das Tem­po und den Zeit­punkt wei­te­rer Zins­er­hö­hun­gen. Füh­ren­de Mit­glie­der be­ton­ten be­reits, dass sie sich ein ver­schärf­tes Zins­er­hö­hungs­tem­po des Fed vor­stel­len kön­nen, soll­ten sich die Pro­gno­sen für ei­nen Auf­schwung fes­ti­gen und die In­fla­ti­on stei­gen. Je nach Kon­junk­tur­aus­blick könn­ten in die­sem Jahr ins­ge­samt vier Schrit­te drin sein, mein­te bei­spiels­wei­se Charles Evans, Chef des Fed von Chi­ca­go­er. Da­bei spiel­ten meh­re­re Fak­to­ren ei­ne Rol­le. Im Zen­trum ste­hen die von Trump in Aus­sicht ge­stell­ten mas­si­ven Steu­er­sen­kun­gen und mil­li­ar­den­schwe­ren In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen, die die Kon­junk­tur stüt­zen, aber auch die In­fla­ti­on wei­ter an­hei­zen wür­den.

Ge­las­sen­heit herrscht

Nach der ers­ten Fern­seh­de­bat­te der fünf wich­tigs­ten Kan­di­da­ten für das Amt des Prä­si­den­ten der Fran­zö­si­schen Re­pu­blik (ins­ge­samt gibt es elf Be­wer­ber) scheint der un­ab­hän­gi­ge Kan­di­dat Em­ma­nu­el Ma­cron sei­nen Fa­vo­ri­ten­sta­tus un­ter­mau­ert zu ha­ben. Jüngs­ten Pro­gno­sen zu­fol­ge dürf­ten Ma­cron und die Vor­sit­zen­de des rechts­ex­tre­men Front Na­tio­nal Ma­ri­ne Le Pen die ers­te Run­de der Prä­si­den­ten­wahl am 23. April für sich ent­schei­den. Bei der Stich­wahl am 7. Mai wird der­zeit mit ei­nem re­la­tiv kla­ren Sieg Ma­crons ge­rech­net. Dies dürf­te an den Fi­nanz­märk­ten mit gros­ser Er­leich­te­rung auf­ge­nom­men wer­den.

Der Über­ra­schungs­ef­fekt des Br­ex­it oder der US-Wah­len dürf­te bei den An­le­gern ge­gen­wär­tig aber nach wie vor für vor­sich­ti­ge Zu­rück­hal­tung sor­gen. Soll­te Le Pen der Über­ra­schungs­coup ge­lin­gen, könn­te dies die EU und den Eu­ro in ei­ne Kri­se stür­zen. Der ge­rin­ge Spre­ad zwi­schen dem eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­leit­in­dex Eu­roS­to­xx 50 ge­gen­über dem fran­zö­si­schen CAC 40 si­gna­li­siert aber ei­ne weit­ge­hen­de Ge­las­sen­heit der Ak­ti­en­an­le­ger ge­gen­über die­sem Ri­si­ko­sze­na­rio.

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