Ei­ne Stra­te­gie mit Schwach­stel­len

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Wie ri­si­ko­reich ein spe­zi­fi­scher Va­lor ist, wird ge­mein­hin über sei­ne Vo­la­ti­li­tät ge­mes­sen. Sie quan­ti­fi­ziert, wie stark die Kurs­ver­än­de­run­gen in ei­ner de­fi­nier­ten Pe­ri­ode vom Durch­schnitt ab­wei­chen. Je hef­ti­ger sich das täg­li­che Auf und Ab der No­tie­rung prä­sen­tiert, des­to grös­ser ist die Vo­la­ti­li­tät – und da­mit auch die Ge­fahr, dass die Ren­di­te­er­war­tung ver­fehlt wird. Der Weg, die Schwan­kungs­in­ten­si­tät ei­ner Ak­tie ein­zu­schät­zen, führt da­bei meist über das sta­tis­ti­sche Mass der Stan­dard­ab­wei­chung.

Die Ri­si­ko­be­ur­tei­lung via Vo­la­ti­li­tät birgt al­ler­dings Schwä­chen – ver­fü­gen An­le­ger doch in der Re­gel über ein breit di­ver­si­fi­zier­tes In­vest­ment­port­fo­lio. Der in­di­vi­du­el­le Ri­si­ko­bei­trag ei­ner Ak­tie soll­te des­we­gen idea­ler­wei­se im Kon­text des ge­sam­ten Porte­feuilles be­trach­tet wer­den. Die­ser ist wie­der­um mass­geb­lich von der Kurs­kor­re­la­ti­on des je­wei­li­gen Ti­tels mit al­len an­de­ren Port­fo­li­o­po­si­tio­nen ab­hän­gig.

Ge­ra­de über die ver­gan­ge­nen Jah­re ha­ben zahl­rei­che Ver­mö­gens­ver­wal­ter da­mit be­gon­nen, Low-Vo­la­ti­li­ty-An­la­ge­ve­hi­kel wie Fonds und ETF (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, bör­sen­ge­han­del­te Fonds) auf den Markt zu brin­gen. Wie da­bei die Schwan­kungs­in­ten­si­tät der Ak­ti­en kon­kret ge­mes­sen wird – was die Grund­la­ge für die Ti­tel­s­e­lek­ti­on legt –, ist von An­bie­ter zu An­bie­ter ver­schie­den. So ist bei­spiels­wei­se dis­ku­tier­bar, wel­cher Zei­trah- men idea­ler­wei­se für die Be­stim­mung der Vo­la­ti­li­tät ge­wählt wer­den soll­te: Wei­ter zu­rück­rei­chen­de Be­ob­ach­tun­gen er­hö­hen zwar die Zahl der Da­ten­punk­te, was der Si­gni­fi­kanz der Re­sul­ta­te zu­gu­te­kommt. Um­ge­kehrt wird da­bei wo­mög­lich dem Fakt zu we­nig Rech­nung ge­tra­gen, dass sich der Kur­s­cha­rak­ter ei­ner Ak­tie ver­än­dert hat.

Ei­ne po­ten­zi­el­le Stol­per­fal­le von Lo­wVo­la­ti­li­ty-Stra­te­gi­en liegt dar­in, dass es zu ei­ner un­ge­woll­ten Kon­zen­tra­ti­on in ein­zel­nen Sek­to­ren kom­men kann. Dies il­lus­triert ei­ne Ana­ly­se von Stan­dard & Poor’s für den US-Leit­in­dex S&P 500: In der be­trach­te­ten Pe­ri­ode 1990 bis 2016 er­hiel­ten de­fen­si­ve Sek­to­ren wie Ver­sor­ger oder Ba­sis­kon­sum meist ein deut­li­ches Über­ge­wicht. Zy­kli­sche­re Bran­chen wie die In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie wur­den da­ge­gen stark un­ter­ge­wich­tet. In­dem man pro­zen­tua­le Höchst­gren­zen für Bran­chen und Ein­zel­ti­tel de­fi­niert, lässt sich die­ses Pro­blem frei­lich ver­gleichs­wei­se ein­fach be­he­ben.

Al­lein die Be­ob­ach­tung, dass ei­ne Ak­tie in der Ver­gan­gen­heit nur leicht ge­schwankt hat, gibt dem An­le­ger zu­dem kei­ne Ga­ran­tie, dass dies auch künf­tig so blei­ben wird. An­schau­ungs­un­ter­richt ver­mit­telt er­neut die his­to­ri­sche Sek­tor­zu­sam­men­set­zung des S&P-500-Low-Vo­la­ti­li­ty­In­dex: 2006 mach­te der Fi­nanz­sek­tor mit Ab­stand den gröss­ten An­teil aus (vgl. Gra­fik) – der­je­ni­ge Sek­tor no­ta­be­ne, den es in der fol­gen­den Wirt­schafts­kri­se von 2008/09 be­son­ders übel er­wisch­te.

Ein noch ex­tre­me­res Bei­spiel lie­fer­te ge­ra­de zum Wo­chen­schluss Huis­han Dai­ry, die gröss­te Mol­ke­rei Chi­nas: Über die letz­ten acht­zehn Mo­na­te zeig­te sich der an der Bör­se Hong­kong ko­tier­te Va­lor er­staun­lich sta­bil – und wur­de des­halb gar in den MSCI Emer­ging Mar­kets Mi­ni­mum Vo­la­ti­li­ty In­dex auf­ge­nom­men. Am Frei­tag brach die Ak­tie rund 90% ein, be­vor der Han­del aus­ge­setzt wur­de (vgl. www.fuw.ch/250317-6).

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