Zeit zum Nach­den­ken

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - NI­CO­LAS DELRUE,

Mit ih­rer zwei­ten Zins­an­he­bung in drei Mo­na­ten Mit­te März gab die US-No­ten­bank (Fed) auch zu ver­ste­hen, dass in die­sem Jahr noch wei­te­re fol­gen wür­den. Wäh­rend dies un­mit­tel­bar US-An­le­ger trifft, sind auch die fest­ver­zins­li­chen Märk­te in Eu­ro­pa nicht im­mun ge­gen die Mass­nah­men des Fed, wie die Re­ak­ti­on der eu­ro­päi­schen Ren­di­ten auf die US-Leit­zins­an­he­bung im De­zem­ber zeig­te. An­le­ger, die nach Al­ternativen zu her­kömm­li­chen Fest­zins­pa­pie­ren su­chen, soll­ten spä­tes­tens jetzt über Wandelanleihen nach­den­ken.

Bei Zins­er­hö­hun­gen fun­giert die Op­ti­on der Wand­ler als Si­cher­heits­netz, das die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die An­lei­hen­kom­po­nen­te ab­fe­dert. Die Ge­schich­te zeigt, dass stei­gen­de Zin­sen oft mit stei­gen­den Ak­ti­en­kur­sen ein­her­ge­hen. Wann im­mer die Ren­di­ten der deut­schen Bun­des­an­lei­hen in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren um über 120 Bp stie­gen, hat bei Wandelanleihen der Ge­winn aus der Op­ti­ons­kom­po­nen­te Ver­lus­te auf der Ebe­ne der An­lei­he mehr als kom­pen­siert. Bei sehr nied­ri­gen Zin­sen ist die­se Ei­gen­schaft um­so wert­vol­ler, da das Car­ry al­lein die un­güns­ti­gen Fol­gen ei­ner Zins­er­hö­hung nicht aus­gleicht.

Das breit ge­fass­te An­lei­hen­kauf­pro­gramm der EZB hat die An­lei­hen­märk­te er­heb­lich ver­zerrt, da es die Mög­lich­kei­ten für Spre­ad-Trans­ak­tio­nen aus­höhl­te und die Ren­di­ten un­ter Druck hielt. Wand­ler blie­ben da­von ver­gleichs­wei­se ver­schont. Des­halb ha­ben sie heute bei ver­gleich­ba­rer Du­ra­ti­on ein grös­se­res Wert­po­ten­zi­al als Un­ter­neh­mens­an­lei­hen.

Wäh­rend ex­trem nied­ri­ge Zin­sen zu ei­ner über­kauf­ten Si­tua­ti­on für Un­ter­neh­mens­pa­pie­re füh­ren, ha­ben ei­ni­ge Wandelanleihen be­gon­nen, hö­he­re Ren­di­ten als her­kömm­li­che An­lei­hen ab­zu­wer­fen. So wies En­de Fe­bru­ar der Wand­ler Veo­lia mit Fäl­lig­keit 2021 ei­ne Ren­di­te­prä­mie von 52 Bp ge­gen­über der nor­ma­len An­lei­he mit Fäl­lig­keit Ja­nu­ar 2021 aus. Als wei­te­re Bei­spie­le kön­nen Uni­bail 2022 und Ame­ri­ca Móvil 2020 gel­ten. An­le­ger kön­nen so ein kos­ten­lo­ses En­ga­ge­ment auf das Haus­se­po­ten­zi­al der un­ter­lie­gen­den Ak­tie ein­ge­hen. Bei äus­serst nied­ri­gen Ren­di­ten ist dies ei­ne at­trak­ti­ve Al­ter­na­ti­ve zu ei­ner Zeit, da hö­he­re Wachs­tums­pro­gno­sen und po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung die Ak­ti­en­märk­te trei­ben.

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