Ver­trau­en geht ver­lo­ren

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - THO­MAS HÄR­TER,

Das Ma­cher-Image von US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­blasst.

Die vo­r­erst an Man­gel an Stim­men der ei­ge­nen Par­tei ge­schei­ter­te «Re­form» des bis­he­ri­gen US-Ge­sund­heits­sys­tems ( Oba­ma­ca­re) lässt vie­le Markt­kom­men­ta­to­ren an der po­li­ti­schen Durch­set­zungs­fä­hig­keit von US-Prä­si­dent Do­nald Trump und sei­ner Re­gie­rung zwei­feln. Vor al­lem bei der voll­mun­dig an­ge­kün­dig­ten «phä­no­me­na­len Steu­er­re­form» häu­fen sich die Fra­ge­zei­chen. Das ist ver­mut­lich auch ei­ne der Haupt­ur­sa­chen für die der­zei­ti­ge Kor­rek­tur an den Ak­ti­en-, An­lei­hen und Wäh­rungs­märk­ten. Zu­nächst ha­ben USGe­rich­te zwei­mal die Trump’sche Exe­ku­tiv­or­der re­strik­ti­ve­rer Ein­wan­de­rungs­re­geln als ver­fas­sungs­wid­rig ge­stoppt. Nun hat der re­pu­bli­ka­nisch kon­trol­lier­te Kon­gress die Um­wand­lung von Oba­ma­ca­re in Trump­ca­re ver­hin­dert.

Das Ver­trau­en der Fi­nanz­märk­te in die Fä­hig­keit von Trump Ver­hand­lun­gen er­folg­reich zu füh­ren und Mehr­hei­ten zu be­kom­men ist schwer er­schüt­tert. Die Re­form der Un­ter­neh­mens­be­steue­rung dürf­te ver­mut­lich frü­hes­tens 2018 um­ge­setzt wer­den kön­nen. Man fragt sich, ob das po­li­ti­sche Cha­os im Eu­ro­land wirk­lich grös­ser ist als das in den USA, wie die Mehr­heit der an­gel­säch­si­schen Fi­nanz­pres­se be­haup­tet. Spon­ta­ne Ant­wort: Nein.

Eu­ro­pa kommt in Fahrt

Im Ge­gen­satz zu Eu­ro­pa ent­täusch­ten die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes (PMI) in den USA. Im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be be­trug der Wert nur 53,4 statt er­war­te­ter 54,8, der Di­enst­leis­tungs-PMI kommt auf 52,9 statt 54. Der Ge­samt­in­dex sank von 54,1 auf 53,2.

Die Re­fla­tio­nie­rungs­as­sets, Dol­lar, Bank­ak­ti­en und klein­ka­pi­ta­li­sier­te Sub­stanz­wer­te so­wie In­dus­trie­me­tal­le ge­rie­ten be­son­ders un­ter Druck. Zu­le­gen konn­ten be­son­ders der Yen und Gold aber auch si­che­re, lang­lau­fen­de An­lei­hen. Die im­pli­zi­te Vo­la­ti­li­tät auf fast al­len Märk­ten stieg deut­lich.

Wäh­rend­des­sen be­schleu­nigt sich die Wirt­schaft der Eu­ro­zo­ne. In Deutsch­land stieg der Ge­schäfts­kli­ma­in­dex des Ifo-In­sti­tuts mit 112,3 auf den höchs­ten Wert seit Ju­li 2011. Die Er­war­tungs­kom­po­nen­te stieg auf 105,7, die Ein­schät­zung der ak­tu­el­len La­ge auf 119,3.

Frank­reichs Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) stieg ge­gen­über dem Vor­quar­tal 0,4%. Die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes in Frank­reich und Deutsch­land über­rasch­ten po­si­tiv und stie­gen wei­ter: ver­ar­bei­ten­des Ge­wer­be auf 53,4, Di­enst­leis­tun­gen auf 58,5, Ge­samt­in­dex auf 57,6. Die Wer­te für Deutsch­land lie­gen bei 58,3 (ver­ar­bei­ten­des Ge­wer­be), 55,7 (Di­enst­leis­tun­gen) und 57 für den Ge­samt­in­dex.

OPEC ver­han­delt wei­ter

Es gibt An­zei­chen, dass der Auf­schwung lang­sam auch in den Pro­blem­re­gio­nen der Eu­ro­zo­ne Fuss fasst. Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die Eu­ro­zo­ne stieg auf 56,7. Seit fast sechs Mo­na­ten ha­ben die Öko­no­men nun ih­re Schät­zun­gen für das BIP-Wachs­tum der Eu­ro­zo­ne nach oben re­vi­diert. Von 1,3% An­fang De­zem­ber über 1,4% am Jah­res­en­de und 1,5% Mit­te Ja­nu­ar. Seit An­fang März wer­den nun 1,6% BIPWachs­tum pro­gnos­ti­ziert.

Bei den Land­tags­wah­len im Saar­land er­ziel­te die CDU mit 40,7% ihr bes­tes Re­sul­tat seit drei­zehn Jah­ren. Die SPD (29,6%) ver­lor 1 Pro­zent­punkt. Die Rechts­po­pu­lis­ten der AfD kom­men mit 6,2% zum ers­ten Mal in den Land­tag. Die Er­geb­nis­se deu­ten an, dass die Chan­cen der SPD mit Spit­zen­kan­di­dat Mar­tin Schulz die Bun­des­tags­wahl im Herbst zu gewinnen, klei­ner sein dürf­ten als an­ge­nom­men. Ähn­lich, wie in den Nie­der­lan­den gibt es An­zei­chen, dass das Aus­mass der Wäh­ler­ab­wan­de­rung nach ex­trem rechts und links ge­rin­ger als er­war­tet sein dürf­te.

Roh­öl ist wie­der un­ter 50 $/Fass zu ha­ben. Nach An­ga­ben des OPEC-Com­p­li­an­ce-Teams, das die Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen über­wa­chen soll, setz­te das För­der­kar­tell 106% der ge­plan­ten Kür­zun­gen um, die För­der­län­der aus­ser­halb der OPEC aber nur 64%, ins­ge­samt so­mit nur rund 94%. Trotz­dem stieg der La­ger­be­stand wei­ter. Die OPEC-Mi­nis­ter wer­den am 25. Mai in Wi­en über ei­ne Ver­län­ge­rung und/oder Aus­wei­tung der Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen be­ra­ten.

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