In­fla­ti­on – kommt sie wirk­lich bald?

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - RALF AHRENS,

Seit ei­ni­gen Mo­na­ten spielt das The­ma Re­fla­tio­nie­rung ei­ne wich­ti­ge Rol­le in der Ka­pi­tal­markt­ana­ly­se. Die The­se lau­tet: Nach­dem Zen­tral­ban­ken den Kampf ge­gen die De­fla­ti­on ge­won­nen ha­ben, kann nun end­lich wie­der das Zins­ni­veau nor­ma­li­siert wer­den. Tat­säch­lich ha­ben sich die In­fla­ti­ons­ra­ten jüngst von der Null­li­nie in Rich­tung 2% be­wegt. Al­ler­dings war da­für vor al­lem der Öl­preis ver­ant­wort­lich, der der­zeit sta­bil ist und an­ders als in den Vor­jah­ren kei­nen dämp­fen­den Ef­fekt auf das Preis­ni­veau hat. Ent­spre­chend be­ton­te die EZB nach ih­rer jüngs­ten Sit­zung auch, dass sich zwar die Wachs­tums­aus­sich­ten ver­bes­sert hät­ten, nicht aber der «In­fla­ti­on Out­look».

Da­bei spricht der welt­weit ho­he Schul­den­stand schon seit Län­ge­rem für ei­ne Po­li­tik der In­fla­tio­nie­rung. Die ver­gan­ge­nen Jah­re zei­gen je­doch, dass In­fla­ti­on nicht nur ei­ne Fra­ge des Wil­lens ist und Zen­tral­ban­ken al­lein nicht viel aus­rich­ten kön­nen. So­lan­ge die Fis­kal­po­li­tik eher re­strik­tiv ist, die pri­va­te Nach­fra­ge struk­tu­rell nied­rig bleibt, et­wa we­gen de­mo­gra­fi­scher Fak­to­ren, und die Löh­ne auf­grund des glo­ba­len Wett- be­werbs nicht nach­hal­tig stei­gen, bleibt wahr­schein­lich auch die In­fla­ti­on mo­de­rat.

Da In­fla­ti­on re­gel­mäs­sig recht zu­ver­läs­sig ge­mes­sen wird, gibt es kei­nen Grund zu vor­ei­li­gem Han­deln. Soll­te sich ir­gend­wann ein nach­hal­ti­ger An­stieg ab­zeich­nen, sprä­che dies für ei­ne Neu­be­wer­tung der An­lei­hen­märk­te. Wie schlecht die­ses Sze­na­rio für den Ren­ten­markt ist, hängt vor al­lem da­von ab, ob die Geld­po­li­tik bis da­hin schon weit­ge­hend nor­ma­li­siert wor­den ist. Soll­te die Hand­lungs­fä­hig­keit der EZB durch Mass­nah­men zur Sta­bi­li­sie­rung der Eu­ro­zo­ne ein­ge­schränkt sein, könn­te die In­fla­ti­on da­von­lau­fen und zu ei­nem Kurs­rutsch bei An­lei­hen füh­ren. In die­sem Ne­ga­tiv­sze­na­rio kön­nen in­fla­ti­ons­ge­schütz­te An­lei­hen hilf­reich sein, die ja vor der­lei Über­ra­schun­gen schüt­zen.

Man wet­tet, dass die tat­säch­li­che In­fla­ti­on hö­her sein wird als die ein­ge­preis­te Er­war­tung. Bes­ser wä­re es na­tür­lich, wenn Zen­tral­ban­ken früh­zei­tig mit mo­de­rat re­strik­ti­ven Mass­nah­men re­agie­ren kön­nen. Dann wä­re In­fla­ti­on nur ei­ne Be­gleit­erschei­nung der Nor­ma­li­sie­rung des Zins­ni­veaus.

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