Noch ein BSI-Tief­schlag für EFG Bank

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - MH

Al­les, was Kö­nig Mi­das be­rühr­te, wur­de zu Gold. Al­les, was EFG In­ter­na­tio­nal an­fasst, wird zu Gift­müll. An­fangs Mai gab EFG die In­te­gra­ti­on der ita­lie­ni­schen BSI-Nie­der­las­sun­gen be­kannt. «Mit die­sem Schritt kommt der Na­me EFG erst­mals nach Ita­li­en», schrieb die Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­bank, und «für un­ser kom­bi­nier­tes Ge­schäft ist Ita­li­en ein stra­te­gi­scher Markt».

Zwei Ta­ge spä­ter muss­te EFG be­kannt­ge­ben, dass die Ban­ca d’Ita­lia die Schlies­sung der bei­den Nie­der­las­sun­gen in Mai­land und Co­mo ver­fügt hat. Die Zen­tral­bank, gleich­zei­tig das Auf­sichts­or­gan über die Ban­ken, be­grün­det in ih­rer Mit­tei­lung die Mass­nah­me mit In­spek­tio­nen im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber. Sie hät­ten «erns­te Ver­stös­se ge­gen die Geld­wä­sche­rei­be­stim­mun­gen» zu­ta­ge ge­för­dert, zu­dem ha­be das «Ri­si­ko wei­te­rer Un­re­gel­mäs­sig­kei­ten» be­stan­den.

Nur noch das Geld ab­he­ben

Mai­land und Co­mo be­dien­ten ita­lie­ni­sche Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­kun­den der BSI. Die Nie­der­las­sun­gen wer­den nun her­un­ter­ge­fah­ren: Die Kun­den kön­nen nur noch ihr Geld ab­he­ben. EFG er­wägt, ge­gen den Ent­scheid der Ban­ca d’Ita­lia zu re­kur­rie­ren, schreibt sie. Denn er be­rück­sich­ti­ge die seit dem Voll­zug des Zu­sam­men­schlus­ses von EFG und BSI im ver­gan­ge­nen No­vem­ber er­reich­ten Ver­bes­se­run­gen der Ab­läu­fe nicht.

Über das Schrift­li­che hin­aus wa­ren kei­ne Stel­lung­nah­men er­hält­lich. Auch die Schwei­zer Fin­ma er­klär­te bloss, sie ste­he mit der Bank und der ita­lie­ni­schen Auf­sicht in Kon­takt. Noch ist völ­lig un­klar, was ge­lau­fen ist. Zu­dem be­tont EFG, es sei­en kei­ne Kun­den­kon­ten blo­ckiert wor­den. Ins­ge­samt lä­gen in Ita­li­en «we­ni­ger als 1 Mrd. Fr. Kun­den­ver­mö­gen», heisst es.

Erst Singapur, dann Ita­li­en

Für die EFG wie­der­holt sich die Ge­schich­te. Vor knapp ei­nem Jahr hat­te Sin­ga­purs Auf­sichts­be­hör­de der BSI die Bank­li­zenz ent­zo­gen, weil ma­lay­si­sche kor­rup­te Gel­der in Mil­li­ar­den­hö­he über ih­re Kon­ten trans­fe­riert wor­den wa­ren. Die An­ge­le­gen­heit in Ita­li­en be­trifft un­mit­tel­bar we­ni­ger Ver­mö­gen, ist aber image­mäs­sig po­ten­zi­ell ver­hee­rend. Ita­lie­ni­sche Kun­den (die meis­ten von ih­nen ha­ben ihr Kon­to in der Schweiz) dürf­ten rund 20% zu den ver­wal­te­ten Ver­mö­gen der BSI bei­ge­tra­gen ha­ben.

BSI bleibt das Sor­gen­kind. Die Neu­gel­der der EFG In­ter­na­tio­nal wa­ren im ers­ten Quar­tal 2017 ne­ga­tiv, haupt­säch­lich auf­grund von Ab­flüs­sen bei BSI. An­lass für ei­ne sub­stan­zi­el­le Hö­her­be­wer­tung der EFG-Ak­ti­en be­steht kei­ner.

Zu­dem ge­ben die ver­schie­de­nen Skan­da­le An­lass zu auf­wen­di­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen dar­über, wer von den Ei­gen­tü­mern der BSI – Ge­ne­ra­li, BTG Pac­tu­al oder EFG – für den Scha­den auf­kom­men muss. Vor die­sem Hin­ter­grund er­hält auch die Tat­sa­che, dass kürz­lich die Ak­tio­nä­re der EFG dem Ver­wal­tungs­rat die Dé­char­ge ver­wei­ger­ten, zu­sätz­li­che Bri­sanz.

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