Im Fun­da­ment von Ka­na­das Häu­ser­markt bre­chen ers­te Ris­se auf

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CG

In kaum ei­nem an­de­ren Land läuft der Häu­ser­markt so heiss wie in Ka­na­da. Wäh­rend sich die Im­mo­bi­li­en­prei­se in den USA erst jetzt vom gros­sen Crash er­holt ha­ben, ist es im nörd­li­chen Nach­bar­land gar nie zu ei­ner grös­se­ren Kor­rek­tur ge­kom­men. Ein Boom hat den nächs­ten ge­jagt, wo­bei die Prei­se in ur­ba­nen Zen­tren wie Van­cou­ver und To­ron­to ex­plo­diert sind. Auch die­ses Jahr geht es bis­lang steil auf­wärts. Ge­mäss dem Lan­des­in­dex der ka­na­di­schen Na­tio­nal­bank sind die Häu­ser­prei­se im April über 14% ge­gen­über dem Vor­jah­res­mo­nat ge­stie­gen.

Wie wäh­rend der Bla­se in den USA hei­zen Schul­den den Boom an. Be­güns­tigt durch tie­fe Zin­sen, Ka­pi­tal­strö­me aus dem Aus­land (vor­ab aus Chi­na) so­wie lo­cke­re Stan­dards bei der Ver­ga­be von Hy­po­the­ken ist die Ver­schul­dung der ka­na­di­schen Haus­hal­te ste­tig ge­stie­gen. Ge­mäss dem Da­ten­dienst Sta­tis­tics Ca­na­da hat sie per En­de 2016 fast 170% des ver­füg­ba­ren Ein­kom­mens be­tra­gen. Ge­mes­sen am Stand von 1990 hat sie sich da­mit an­nä­hernd ver­dop­pelt. Das Vo­lu­men an Pri­vat­kre­di­ten um­fasst in­zwi­schen mehr als 100% der Wirt­schafts­leis­tung, was so­gar den Ver­schul­dungs­grad der ame­ri­ka­ni­schen Haus­hal­te auf dem Ze­nit des Im­mo­bi­li­en­booms im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt über­steigt.

Die ra­san­te Ent­wick­lung sorgt schon seit Län­ge­rem für Be­fürch­tun­gen, dass Ka­na­das Im­mo­bi­li­en­boom in ei­ner Ka­ta­stro­phe en­den wird. Ve­r­un­si­che­rung hat in den ver­gan­ge­nen Wo­chen der Kol­laps von Ho­me Ca­pi­tal Group aus­ge­löst. Der auf Hy­po­the­ken für Kre­dit­neh­mer mit ge­rin­ger Bo­ni­tät spe­zia­li­sier­te Fi­nanz­dienst­leis­ter wird von der ka­na­di­schen Bör­sen­auf­sicht we­gen Bi­lanz­fäl­schung un­ter­sucht und hat in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ei­nen dras­ti­schen Mit­tel­ab­fluss er­lit­ten. An der Bör­se von To­ron­to sind sei­ne Ak­ti­en seit An­fang Jahr um 70% ein­ge­bro­chen, was auch un­ter In­ves­to­ren in den Pa­pie­ren von Kon­kur­ren­ten wie Equi­ta­ble Group und Street Ca­pi­tal für wach­sen­de Ner­vo­si­tät ge­sorgt hat.

«Ho­me Ca­pi­tal ist ei­ne Art Ground Ze­ro für Ka­na­das Häu­ser­markt. Die Ge­sell­schaft ver­kör­pert al­les, was im Im­mo­bi­li­en­sek­tor falsch läuft», sagt Short Sel­ler Marc Coho­des, der ge­gen die Ti­tel wet­tet (vgl. In­ter­view auf Sei­te 21). Der Vor­fall weckt bö­se Er­in­ne­run- gen an den Be­ginn der Kri­se im US-Häu­ser­markt. Als ei­nes der ers­ten Warn­si­gna­le ging da­mals am 3. April 2007 der Hy­po­the­ken­fi­nan­zie­rer New Cen­tu­ry Fi­nan­ci­al in Kon­kurs, der sich wie Ho­me Ca­pi­tal auf das Sub­pri­meSeg­ment spe­zia­li­siert hat­te.

Den ka­na­di­schen Be­hör­den ist zwar be­wusst, dass es am Häu­ser­markt zu Über­trei­bun­gen ge­kom­men ist. Auch ha­ben Van­cou­ver und To­ron­to ei­ne Son­der­steu­er für aus­län­di­sche Käu­fer ver­hängt, um Spe­ku­la­tio­nen mit Im­mo­bi­li­en zu brem­sen. Wie die USNo­ten­bank im Früh­jahr 2007 sieht die ka­na­di­sche Zen­tral­bank bis­lang aber kei­nen Grund zur Be­un­ru­hi­gung. So hat No­ten­bank­chef Ste­phen Po­loz übers Wo­che­n­en­de ge­sagt, dass es sich bei Ho­me Ca­pi­tal um ein «spe­zi­fi­sches» Pro­blem hand­le und kei­ne An­ste­ckungs­ge­fahr be­ste­he. Das mag zu­ver­sicht­lich klin­gen. Wie sich vor zehn Jah­ren zeig­te, hat US-No­ten­bank­chef Ben Bernan­ke sei­ne vor­ei­li­ge Ent­war­nung aber schon kur­ze Zeit spä­ter be­reut (vgl. Haupt­ar­ti­kel).

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.