SNB schwächt den Fran­ken nach wie vor

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - BEG

«Der Eu­ro ist seit dem ers­ten Wahl­gang in Frank­reich En­de April 3 Rp. auf den höchs­ten Stand seit dem letz­ten Som­mer ge­stie­gen», stellt Tho­mas Stucki fest. Er ist An­la­ge­chef der St. Gal­ler Kan­to­nal­bank und war frü­her bei der SNB ver­ant­wort­lich für die Ver­wal­tung der De­vi­sen­re­ser­ven. «Dies gibt der Na­tio­nal­bank im Kampf ge­gen den star­ken Fran­ken et­was Luft, nach­dem sie in den Mo­na­ten vor den Wah­len mit ho­hen Mil­li­ar­den­be­trä­gen im De­vi­sen­markt die Auf­wer­tung be­kämp­fen muss­te», er­klär­te Stucki am Mon­tag.

Im Ge­gen­satz da­zu be­tont Wäh­rungs­stra­te­ge Mar­tin Güth von der Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg (LBBW): «Auch nach dem ers­ten Wahl­durch­gang, der die we­sent­li­chen Un­si­cher­hei­ten be­reits be­sei­tig­te, sind die Sicht­ein­la­gen der Ge­schäfts­ban­ken bei der SNB un­ver­min­dert ge­stie­gen.» Die Sicht­gut­ha­ben sind ein In­di­ka­tor für die De­vi­sen­in­ter­ven­tio­nen der SNB, mit de­nen sie den Fran­ken schwächt.

Noch mehr De­vi­sen kau­fen

Das deu­te dar­auf hin, fol­ger­te Güth ver­gan­ge­ne Wo­che, dass «die jüngs­te Fran­ken­ab­wer­tung nicht nur den Nach­rich­ten aus Frank­reich ge­schul­det ist, son­dern die Schwei­zer No­ten­bank bei der Kurs­ent­wick­lung nach­ge­hol­fen hat».

Die neus­ten Da­ten be­stä­ti­gen die­se Be­ob­ach­tung. Am Mon­tag mel­de­te die SNB die Zu­nah­me der Sicht­gut­ha­ben in der ver­gan­ge­nen Wo­che – sie sind er­neut fast 2 Mrd. Fr. ge­stie­gen. In die­sem Tem­po in­ter­ve­niert die Na­tio­nal­bank seit An­fang März. Im Fe­bru­ar, als der Wech­sel­kurs ge­gen 1.06 Fr./€ sank, wa­ren die In­ter­ven­tio­nen dop­pelt so hoch und da­mit so um­fang­reich wie zu­letzt nach der Br­ex­it-Ab­stim­mung. Am Di­ens­tag stand der Kurs auf 1.0944 Fr./€.

Stucki ver­mu­tet, es sei gut mög­lich, dass der Fran­ken ge­gen­über dem Eu­ro in den nächs­ten Wo­chen noch et­was schwä­cher wer­de und 1.10 Fr./€ über­schrei­te. Doch er er­war­tet, dass die grund­le­gen­den Pro­ble­me des Eu­ros – die wirt­schaft­li­che Schwä­che Frank­reichs und Ita­li­ens, die Schul­den­pro­ble­ma­tik und das un­ge­lös­te Ban­ken­pro­blem in Ita­li­en – die Ein­heits­wäh­rung wie­der ein­ho­len wer­den.

Di­ver­gie­ren­de Pro­gno­sen

Des­halb er­war­tet Stucki für das zwei­te Halb­jahr ei­ne Rück­kehr des Wech­sel­kur­ses in die Re­gi­on von 1.06 bis 1.07 Fr./€. LBBW pro­gnos­ti­ziert per En­de Ju­ni 1.07 Fr./€ und bis zwölf Mo­na­te da­nach ei­nen Kurs­an­stieg auf 1.09 Fr./€.

Ein hö­he­rer Eu­ro drän­ge sich auf, sag­te hin­ge­gen der UBS-Wäh­rungs­stra­te­ge Tho­mas Flu­ry ver­gan­ge­ne Wo­che (vgl. www.fuw.ch/170517-11). Er pro­gnos­ti­ziert 1.10 auf drei Mo­na­te und 1.16 Fr./€ auf zwölf Mo­na­te. De­vi­sen­stra­te­ge Ka­mal Shar­ma von Bank of Ame­ri­ca ML sieht En­de Jahr 1.12 Fr./€, weil die Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie der SNB nun end­lich auf­ge­he (vgl. www.fuw.ch/170517-12).

Die Pro­gno­sen lie­gen weit aus­ein­an­der. Die Na­tio­nal­bank konn­te zwar nach der Wahl­nie­der­la­ge von Ma­ri­ne Le Pen auf­at­men. Trotz­dem re­sü­miert Stucki: «Die SNB wird sich so schnell vom De­vi­sen­markt und von den In­ter­ven­tio­nen nicht ver­ab­schie­den kön­nen.»

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