Gold er­hält Auf­trieb

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOMBARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

Die Un­si­cher­heit der An­le­ger stützt den Preis des gel­ben Me­talls.

Gold ge­hör­te in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te zu den we­ni­gen Ge­win­nern an den in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­ten. Am Mitt­woch hat­ten die jüngs­ten Ent­hül­lun­gen um US-Prä­si­dent Do­nald Trump die An­le­ger welt­weit ver­un­si­chert. Der Re­pu­bli­ka­ner soll den ent­las­se­nen FBI-Chef Ja­me Co­mey münd­lich da­zu auf­ge­for­dert ha­ben, die Er­mitt­lung ge­gen sei­nen ehe­ma­li­gen Si­cher­heits­be­ra­ter Micha­el Flynn ein­zu­stel­len. Das geht aus ei­nem Me­mo von Co­mey her­vor. Der Dol­lar fiel in der Fol­ge un­ter 0.98 Fr. und da­mit auf den tiefs­ten Stand seit der US-Wahl En­de No­vem­ber 2016. Der Vo­la­ti­li­täts­in­dex Vix, der die im­pli­zier­te Schwan­kungs­brei­te des US-Ak­ti­en­in­dex S&P 500 spie­gelt, schoss in die Hö­he. Da­vor war er meh­re­re Wo­chen re­kord­ver­däch­tig tief ge­we­sen. Von der Ner­vo­si­tät am Fi­nanz­markt konn­te Gold pro­fi­tie­ren. Das Edel­me­tall ver­teu­er­te sich am Mitt­woch nach der Bör­sen­er­öff­nung in den USA zwi­schen­zeit­lich bis auf 1260 $ je Un­ze. Zwar gab es bis am Frei­tag ei­nen Teil des Ge­winns wie­der preis, den­noch scheint der Preis durch die po­li­ti­schen Tur­bu­len­zen in den USA nach­hal­tig et­was Auf­trieb er­hal­ten zu ha­ben.

Ei­ner­seits ha­ben die welt­wei­ten Ak­ti­en­kur­se in den ver­gan­ge- nen Wo­chen ei­ne ge­fähr­li­che Hö­he er­reicht. Die Re­ak­ti­on auf den Vor­fall in den USA zeigt, wie we­nig es braucht, da­mit die­se ver­meint­lich gu­te Stim­mung kippt. An­de­rer­seits scheint Trumps Re­gie­rung be­reits nach we­ni­gen Mo­na­ten fest­zu­ste­cken. Die an­ge­kün­dig­te Steu­er­re­form und wei­te­re Mass­nah­men zur An­kur­be­lung des Wachs­tums dürf­ten sich ver­zö­gern. Da­mit wach­sen die Zwei­fel an der wei­te­ren Kon­junk­tur­ent­wick­lung und ob die US-No­ten­bank in die­sem Um­feld an den ge­plan­ten Zins­er­hö­hun­gen im lau­fen­den Jahr fest­hält. Die Kor­rek­tur­an­fäl­lig­keit der Bör­sen, die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit und wei­ter­hin tie­fe in­fla­ti­ons­be­rei­nig­te Zin­sen stüt­zen die Nach­fra­ge nach dem Edel­me­tall.

Über das ge­sam­te Jahr 2017 be­trach­tet dürf­te sich der Gold­markt ähn­lich ver­hal­ten wie im April: Kur­ze Ral­lys, ge­folgt von Rück­schlä­gen, je nach­dem, ob die Ein­schät­zung des Mark­tes zum Zu­stand und zu den Aus­sich­ten der US-Wirt­schaft so­wie der Zins­aus­blick des Fed den Gold­preis in die Hö­he trei­ben oder drü­cken. So­li­de Un­ter­stüt­zung dürf­te Gold in ei­ner Han­dels­span­ne um 1250 $ je Un­ze fin­den. Die­se neue Ba­sis hat­te sich schon 2016 zu bil­den be­gon­nen. Im kom­men­den Jahr wer­den wid­ri­ge Er­eig­nis­se zu­neh­mend wahr­schein­lich, wenn sich die wirt­schaft­li­chen Er­mü­dungs­an­zei­chen ver­meh­ren und die Hausse in Ak­ti­en und An­lei­hen an Schwung ver­liert. Vor sol­chen Risk-off-Ge­scheh­nis­sen soll­ten sich An­le­ger mit Gold schüt­zen.

Die Ak­ti­en klei­ner Gold­un­ter­neh­men sind in den letz­ten Wo­chen et­was zu­rück­ge­blie­ben. Dies dürf­te mit Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten nach ei­ner In­dex­an­kün­di­gung Mit­te April zu­sam­men­hän­gen: Die an­ge­kün­dig­te Re­ge­län­de­rung per 17. Ju­ni er­wei­tert den Kreis der für die Auf­nah­me in den In­dex in Fra­ge kom­men­den Ge­sell­schaf­ten. Die Markt­teil­neh­mer ha­ben die Un­ter­neh­men, die aus dem In­dex her­aus­fal­len könn­ten, ver­kauft und ver­mehrt auf die Ak­ti­en ge­setzt, die neu in den In­dex auf­ge­nom­men wer­den.

Gold­ak­ti­en sind vo­la­ti­ler als der zu­grun­de­lie­gen­de Preis. Ver­teu­ert sich das Edel­me­tall, kön­nen sie über­pro­por­tio­nal pro­fi­tie­ren. Zwar gab es im­mer wie­der Aus­nah­men wie im April, doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind die Gold­ak­ti­en ih­rer Rol­le als He­bel zur Preis­ent­wick­lung re­gel­mäs­sig ge­recht ge­wor­den.

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