Rei­cher Ha­fen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Da hilft nur noch geist­li­che Für­bit­te: Pu­er­to Ri­co, der «rei­che Ha­fen», ist plei­te. 1797 blo­ckier­ten bri­ti­sche Schif­fe den Ha­fen von San Juan. Der spa­ni­sche Gou­ver­neur der In­sel ord­ne­te in sei­ner Ver­zweif­lung ei­ne Bitt­pro­zes­si­on an, ei­ne «ro­ga­ti­va». Die Frau­en zo­gen, mit dem Bi­schof, durch die nächt-

li­chen Strassen, hiel­ten Fa­ckeln, san­gen Hym­nen, schell­ten mit Glo­cken. Der bri­ti­sche Kom­man­deur kam zum Fehl­schluss, es sei Ver­stär­kung ein­ge­trof­fen und se­gel­te von dan­nen; so geht die Le­gen­de, und dar­an er­in­nern die­se Bron­ze­sta­tu­en. 1898 war die US-Ma­ri­ne ge­gen die Spa­nier hart­nä­cki­ger. Pu­er­to Ri­co wur­de ein selb­stän­di­ges Ter­ri­to­ri­um der USA. Für des­sen Schul­den haf­tet die Bun­des­re­gie­rung nicht. Pu­er­to Ri­co darf In­sol­venz an­mel­den, gleich wie ame­ri- ka­ni­sche Ge­mein­den und Be­zir­ke (à la De­troit oder Oran­ge Coun­ty), je­doch im Ge­gen­satz zu Bun­des­staa­ten. Seit kur­zem ist es so­weit; die In­sel mit ih­ren 3,4 Mio. Ein­woh­nern geht ins Ver­fah­ren mit lott­ri­gen Strom- und Was­ser­net­zen, schrump­fen­der In­dus­trie, schwäch­li­chem Tou­ris­mus. Pu­er­to Ri­co dürf­te zwar ei­nen Teil der Schul­den los­wer­den – doch da­nach kei­nen Zu­gang mehr ha­ben zu den Ka­pi­tal­märk­ten, um drin­gend nö­ti­ge In­ves­ti­tio­nen zu fi­nan­zie­ren.

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