Tur­bo-Chips

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Die Ak­ti­en von Nvi­dia (Nas­daq: NVDA, Kurs: 134.26 $, Markt­wert: 73,86 Mrd. $) sind wohl ei­ne Klas­se für sich: Seit sie ver­gan­ge­nen Som­mer zu­letzt an die­ser Stel­le vor­ge­stellt wur­den, ha­ben sie sich wei­te­re 170% ver­teu­ert. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren er­reicht das Plus nun schon 900%. Selbst die Atta­cke ei­nes Short Sel­ler zur Weih­nachts­zeit konn­te den Lauf der Pa­pie­re nur kurz­zei­tig stop­pen. Seit den Quar­tals­zah­len ha­ben die Ak­ti­en des Chip­her­stel­lers wie­der an Fahrt auf­ge­nom­men: In­ves­to­ren sind zu­neh­mend über­zeugt, dass sich ne­ben den Chips für Spie­le­kon­so­len sol­che für künst­li­che In­tel­li­genz und selbst­fah­ren­de Au­tos aus­zah­len.

Be­kannt ist Nvi­dia als Her­stel­ler von Gra­fik­chips. Die fin­den sich in Com­pu­tern, vor al­lem in leis­tungs­star­ken, aber auch in Spie­le­kon­so­len, so zum Bei­spiel in der neu­en Nin­ten­do Switch, die sich bes­ser ver­kauft als ge­dacht. Der Um­satz in der Ga­ming-Spar­te ist im ers­ten Quar­tal knapp 50% auf 1 Mrd. $ ge­stie­gen. Das al­lein war al­ler­dings nicht der Grund, wie­so sich die Nvi­dia-Pa­pie­re seit An­fang Mai wie­der deut­lich ver­teu­ert ha­ben. In­ves­to­ren hof­fen, dass Nvi­dia in Zu­kunfts­fel­dern wie selbst­fah­ren­den Au­tos, künst­li­cher In­tel­li­genz und in Re­chen­zen­tren stär­ker mit­spie­len wird.

Der Um­satz mit Nvi­dia-Chips in den Re­chen­zen­tren von Goog­le, eBay, Ama­zon & Co. stieg be­son­ders stark: +186% auf 409 Mio. $. Die Gra­fik­chips des Un­ter­neh­mens kön­nen hier ih­re Stär­ke aus­spie­len. Wäh­rend Zen­tral­pro­zes­so­ren, wie sie et­wa In­tel pro­du­ziert, ver­gleichs­wei­se lah­me Al­les­kön­ner sind, sind die Gra­fik­chips von Nvi­dia dar­auf spe­zia­li­siert, im­mer die­sel­ben An­fra­gen über grosse Da­ten­men­gen lau­fen zu las­sen. Ge­nau die­se Fä­hig­kei­ten sind ge­fragt, bei Big-Da­ta-Ana­ly­sen oder um Com­pu­ter für künst­li­che In­tel­li­genz zu trai­nie­ren. Den brand­neu­en Chip Vol­ta et­wa will Nvi­dia in Su­per­com­pu­tern des US-Ener­gie­mi­nis­te­ri­ums ein­set­zen – wäh­rend ein Zen­tral­pro­zes­sor von IBM steu­ert, was Vol­ta ab­ar­bei­ten muss.

Sol­che Fä­hig­kei­ten sind auch in selbst­fah­ren­den Au­tos ge­fragt. Die Da­ten, die Ka­me­ras, Ra­dar und an­de­re Sen­so­ren von der Um­welt auf­neh­men, glei­chen sich, müs­sen aber blitz­schnell ver­ar­bei­tet wer­den. Der Um­satz in der Au­to­mo­bil­spar­te er­höh­te sich im ers­ten Quar­tal 24% auf 140 Mio. $. Noch ver­gleichs­wei­se ge­ring, doch Tes­la, To­yo­ta, Mer­ce­des und Au­di ge­hö­ren hier ne­ben an­de­ren be­reits zu den Part­nern von Nvi­dia. In den bei­den an­de­ren Spar­ten sta­gniert der Um­satz: Pro­fes­sio­nal Vi­sua­liza­t­i­on kam auf 205, das Auf­trags­ge­schäft auf 156 Mio. $. Un­ter dem Strich blieb ein Ge­winn von 507 Mio. $, 144% mehr. Für das lau­fen­de Quar­tal rech­net das Nvi­dia-Ma­nage­ment un­ter CEO Jensen Huang mit ei­nem Um­satz­plus von 37% auf knapp 2 Mrd. $.

Gold­man Sachs hat jüngst das Preis­ziel von 130 auf 165 $ an­ge­zo­gen, vor al­lem we­gen der Aus­sich­ten für das Re­chen­zen­trumge­schäft. Bern­stein hat die Ab­de­ckung der Ti­tel die­se Wo­che auf­ge­nom­men, mit dem glei­chen Kurs­ziel. Trotz­dem: Mit ei­nem Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis 2017 von 38 sind die Va­lo­ren hoch be­wer­tet. Erst Rück­schlä­ge wür­den sie at­trak­tiv ma­chen – dann auch für lang­fris­tig ori­en­tier­te In­ves­to­ren.

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