Welt­wei­ter Auf­schwung

Finanz und Wirtschaft - - MO­NI­TOR - PHIL­IPP SCHÖTT­LER,

Die Bör­sen star­ten op­ti­mis­tisch, be­son­ders US-Rüs­tungs­fir­men ge­win­nen.

Die ers­te Aus­lands­rei­se von US-Prä­si­dent Trump do­mi­nier­te ne­ben dem schreck­li­chen Ter­ror­an­schlag in Man­ches­ter vom Mon­tag­abend die Nach­rich­ten­la­ge. Be­mer­kens­wert schien da­bei vor al­lem, dass sich Trump bis­her kei­ne nen­nens­wer­ten Fehl­trit­te leis­te­te. Mit Sau­di-Ara­bi­en schloss er am Wo­chen­en­de ei­nen Waf­fen­han­del im Um­fang von 110 Mrd. $ ab und ver­schaff­te US-Rüs­tungs­fir­men da­mit ei­nen gu­ten Wo­chen­start. In ei­nem ins­ge­samt freund­li­chen Markt­um­feld leg­ten die Ak­ti­en von Bo­eing und Lock­heed Mar­tin seit Mon­tag knapp 2% zu.

Kaum hat­te er Sau­di-Ara­bi­en ver­las­sen, über­rasch­te der USPrä­si­dent am spä­ten Mon­tag mit dem Vor­schlag, die stra­te­gi­schen Öl­re­ser­ven der USA zu hal­bie­ren, um ge­bun­de­ne Mit­tel des Staats­haus­halts frei­zu­ge­ben. Der Öl­preis fiel dar­auf­hin am Di­ens­tag­vor­mit­tag, er­hol­te sich aber spä­ter auf 54 $/Fass für die Sor­te Brent.

Was macht die Opec?

Mit­tel­fris­tig dürf­te aber das Tref­fen der Opec-Staa­ten am mor­gi­gen Don­ners­tag wich­ti­ger für den Aus­blick sein. Das wahr­schein­lichs­te Sze­na­rio scheint ei­ne Ver­län­ge­rung der Pro­duk­ti­ons­be­schrän­kun­gen um sechs bis neun Mo­na­te, was den Öl­preis zu­min­dest in den kom­men­den Mo­na­ten stüt­zen dürf­te.

Im Hin­ter­grund schwelt un­ter­des­sen wei­ter­hin die Un­si­cher­heit über die Un­ter­su­chung der Russ­land-Be­zie­hun­gen ein­zel­ner Trump-Ver­trau­ter. Ver­gan­ge­ne Wo­che hat­ten die­se ei­nen kurz­fris­ti­gen Schwä­che­an­fall an den Ak­ti­en­märk­ten aus­ge­löst. Der gu­te Wo­chen­start hat die­se Epi­so­de aber schon fast wie­der ver­ges­sen ge­macht. Seit Mon­tag stieg der S&P 500 um 0,6%, der Eu­ro­s­to­xx 50 leg­te 0,3% zu und der SMI klet­ter­te um 0,4%. Der Vo­la­ti­li- täts­in­dex Vix fiel seit letz­ter Wo­che deut­lich.

Ein Grund für die gu­te Stim­mung sind po­si­ti­ve Nach­rich­ten der Un­ter­neh­men. Nach­dem die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne zu­erst in den USA an­ge­zo­gen ha­ben, ho­len jetzt an­de­re Re­gio­nen auf. Über die ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­te wuch­sen die Ge­win­ne der USUn­ter­neh­men um et­wa 4%, wäh­rend im Rest der Welt über 6% zu Bu­che ste­hen. Die glo­ba­len Ak­ti­en­märk­te be­fin­den sich al­so aus gu­tem Grund im Auf­wind. Gleich­zei­tig emp­fiehlt es sich, ne­ben US-Ak­ti­en ver­mehrt auch auf eu­ro­päi­sche und Schwel­len­län­der­ak­ti­en zu set­zen.

Auch auf den Wäh­rungs­märk­ten hat zu­letzt ein Rich­tungs­wech- sel statt­ge­fun­den. Seit­dem die po­li­ti­schen Ri­si­ken in Eu­ro­pa in den Hin­ter­grund ge­tre­ten sind, wird der Eu­ro stär­ker.

Eu­ro fes­ter

Seit Mo­nats­be­ginn klet­ter­te der Wech­sel­kurs von 1.09 $/€ auf über 1.12 $/€. Lang­sam scheint das Ver­trau­en in­ter­na­tio­na­ler An­le­ger in die Wäh­rungs­uni­on zu­rück­zu­keh­ren. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen dürf­ten auch Kom­men­ta­re von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel den Hö­hen­flug un­ter­stützt ha­ben. Sie scheint die Geld­po­li­tik als Wahl­kampf­the­ma ent­deckt zu ha­ben. Zu­erst deu­te­te sie den deut­schen An­spruch auf den Prä­si­den­ten­pos­ten bei der EZB an, wenn Ma­rio Drag­his Amts­zeit 2019 en­det. Am Mon­tag er­wähn­te sie bei­läu­fig, dass der Eu­ro auf­grund der lo­cke­ren Geld­po­li­tik ge­gen­wär­tig für Deutsch­land zu tief sei.

Die gu­te wirt­schaft­li­che Stim­mung in Deutsch­land schlug sich auch im viel be­ach­te­ten Ifo-In­dex nie­der. Mit 114,6 Punk­ten er­reich­te die­ser den höchs­ten Stand seit den Sieb­zie­ger­jah­ren und deu­tet so­mit auf ein star­kes Wirt­schafts­wachs­tum in den nächs­ten Quar­ta­len hin. Aber auch in an­de­ren Län­dern der Eu­ro­zo­ne läuft es mo­men­tan rund. Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index für die Re­gi­on ver­harr­te im Mai nach ers­ter Schät­zung bei star­ken 56,8.

Auch zum Fran­ken ging es für den Eu­ro steil berg­auf, bis auf 1.0915 Fr./€. Die In­ter­ven­tio­nen der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank dürf­ten zwar mitt­ler­wei­le weit­ge­hend zum Er­lie­gen ge­kom­men sein, aber die Mit­tel, wel­che die Zen­tral­bank vor der Frank­reich-Wahl zur Sta­bi­li­sie­rung des Wech­sel­kur­ses auf­ge­wen­det hat­te, könn­ten auch in den nächs­ten Wo­chen noch für ei­ne wei­te­re Ab­schwä­chung des Fran­kens füh­ren.

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