Halb­her­zi­ge Mass­nah­me

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Der Ap­plaus ist die­ses Mal aus­ge­blie­ben. Nach der Ei­ni­gung des Öl­kar­tells Opec auf wei­te­re neun Mo­na­te mit För­der­quo­ten fiel der Fass­preis am Don­ners­tag deut­lich. An­ders als im No­vem­ber 2016 war die Mass­nah­me be­reits im Vor­feld des Jah­res­tref­fens in Wien er­war­tet wor­den. Die Opec ver­moch­te es nicht, noch­mals zu über­ra­schen. Im Ge­gen­teil: Die Ver­län­ge­rung än­dert kaum et­was an der der­zei­ti­gen Markt­si­tua­ti­on (vgl. Sei­te 18).

Von der Eu­pho­rie, die nach der Ei­ni­gung ge­herrscht hat­te, ist nicht mehr viel üb­rig. Die ver­gan­ge­nen fünf Mo­na­te seit der Ein­füh­rung der För­der­brem­se ha­ben ge­zeigt, dass für den Ab­bau des An­ge­bots­über­hangs ei­ne deut­li­che­re Kür­zung nö­tig wä­re. Bis­her ist der im­men­se welt­wei­te La­ger­be­stand nur lang­sam ge­schrumpft. Dar­an än­dert auch die un­er­war­tet ho­he För­der­dis­zi­plin der Opec-Staa­ten und Russ­lands nichts. Über­rascht hat hin­ge­gen die Kon­kur­renz: Das US-För­der­vo­lu­men ist be­reits jetzt so hoch, wie es erst für En­de des Jah­res er­war­tet wor­den war. Dank ei­ner deut­li­chen Kos­ten­sen­kung kön­nen die Un­ter­neh­men zum der­zei­ti­gen Fass­preis pro­blem­los ren­ta­bel Öl aus dem Bo­den pum­pen. Mit gut 700 Bohr­stel­len sind je­doch erst we­ni­ger als halb so vie­le ak­tiv wie zum Höchst En­de 2014. Die US-Pro­du­zen­ten ha­ben noch Luft nach oben.

Das ist wohl auch den Mit­glieds­län­dern der Opec be­wusst. Die ge­gen aus­sen de­mons­trier­te Ei­nig­keit und der Wil­le zur Preis­sta­bi­li­sie­rung soll­ten da­her nicht über­schätzt wer­den. Hin­ter den Ku­lis­sen do­mi­nie­ren na­tio­na­le In­ter­es­sen. So strebt die sau­di­sche Re­gie­rung für die Pu­bli­kums­öff­nung des staat­li­chen För­der­un­ter­neh­mens Sau­di Aram­co ei­nen Fass­preis von 50 $ an. Da­für dürf­te die halb­her­zi­ge Mass­nah­me rei­chen – auch wenn nie­mand ap­plau­diert.

Re­dak­to­rin zum The­ma Öl­preis und Opec

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