Lang­le­bi­ger Tief­zins

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Die­se Kal­ku­la­ti­on ist kom­plex, da sie von vie­len Ein­fluss­fak­to­ren ab­hängt. Wich­tig ist die Fra­ge, wie die Kun­den re­agie­ren und Um­schich­tun­gen vor­neh­men, zum Bei­spiel von kurz­fris­ti­gen An­la­gen bei der Bank in län­ger­fris­ti­ge auf dem Ka­pi­tal­markt. Das hät­te den gröss­ten Ef­fekt auf die Er­folgs­rech­nung. Bis jetzt stel­len wir beim Kun­den­ver­hal­ten kei­ner­lei Ve­rän­de­rung fest. Die Kun­den war­ten nach wie vor auf bes­se­re Zei­ten, das heisst höhere Zin­sen. die Struk­tur, die Sys­te­me, das Know-how und die Grösse, um schnell auf neue An­la­ge­trends re­agie­ren zu kön­nen. Wie über­all sind Preis­druck und In­dus­tria­li­sie­rung ein The­ma. Doch im As­set Ma­nage­ment lässt sich gu­tes Geld ver­die­nen. Lan­ge galt der Tief­zins als ge­fähr­li­ches, aber vor­über­ge­hen­des Phä­no­men. Heu­te aber ist klar: Der tie­fe oder so­gar ne­ga­ti­ve Zins ist we­ni­ger ge­fähr­lich, da­für lang­le­bi­ger als ge­dacht.

Je­den­falls fin­det Tho­mas Jor­dan, Prä­si­dent der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank, die Aus­wir­kun­gen der Ne­ga­tiv­zin­sen auf die Bank­bran­che sei­en we­ni­ger gra­vie­rend als bei der Ein­füh­rung An­fang 2015 er­war­tet. Wie er kürz­lich am Pri­va­te Ban­king Day aus­führ­te, ha­be sich seit der Ein­füh­rung der Ne­ga­tiv­zin­sen die Pro­fi­ta­bi­li­tät der Ban­ken nicht ver­rin­gert. Zu be­ob­ach­ten sei al­ler­dings ei­ne Zu­nah­me der Ri­si­ko­nei­gung. Wäh­rend das Zins­ri­si­ko ge­stie­gen sei, sei die Zins­mar­ge nicht mehr wei­ter zu­rück­ge­gan­gen.

Zu ei­ner et­was an­de­ren Er­kennt­nis kommt ei­ne Ana­ly­se der Stra­te­gie­be­ra­tung Oli­ver Wy­man, die die Jah­res­rech­nun­gen von 320 Schwei­zer Ban­ken von 2003 bis 2016 un­ter­sucht hat (vgl. Gra­fik). Zehn Jah­re nach dem Be­ginn des Nied­rig­zins­um­felds se­hen sich Ban­ken ver­an­lasst, die Kos­ten des Nied­rig­zin­ses an im­mer mehr Kun­den­grup­pen wei­ter­zu­ge­ben: in Form von Straf­zin­sen, Ge­büh­ren oder hö­he­ren Hy­po­the­kar­zin­sen. We­gen der Ne­ga­tiv­zin­sen sind die Zins­mar­gen der Schwei­zer Re­tail­ban­ken in den letz­ten Jah­ren ge­sun­ken. Seit 2007 ha­ben sie mehr als ein Vier­tel ih­rer Mar­ge ein­ge­büsst. Ei­ne Aus­wei­tung des Ge­schäfts­vo­lu­mens bringt im Um­feld re­kord­tie­fer Zin­sen nicht mehr den ent­spre­chend hö­he­ren Er­trag. Dies zwin­ge Ban­ken zu ei­ner Aus­wei­tung der Vo­lu­men oder zu Kos­ten­sen­kungs­pro­gram­men, sagt Ro­ger Stett­ler, Prin­ci­pal bei Oli­ver Wy­man in Zü­rich. Zwar wuch­sen bei fast al­len Ban­ken 2016 die Bi­lan­zen (Durch­schnitt: +3,1%), al­so ver­ga­ben sie mehr Kre­di­te und Hy­po­the­ken. Die rei­nen Ein­nah­men aus Kre­dit- und Hy­po­the­kar­zin­sen san­ken hin­ge­gen (–3,6%). Im­mer mehr Nicht-Ban­ken wie Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­run­gen oder Kre­dit­fonds drän­gen auf den Hy­po­thekar­markt.

«Un­ab­hän­gig von der Fra­ge der Staats­ga­ran­tie brau­chen wir kein zu­sätz­li­ches Ka­pi­tal.»

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