Nest­lé und Ko­max

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ROLAND VOGT

Im Chart der Ak­ti­en von Nest­lé lau­fen die Kur­se von links un­ten nach rechts oben, und das mitt­ler­wei­le über fünf­ein­halb Jah­re hin­weg (vgl. Chart un­ten links). Wie viel Hand­lungs­be­darf be­stand in die­ser Zeit wirk­lich, und wie viel wur­de tat­säch­lich um­ge­schich­tet, ge­kauft und ver­kauft? Zu­ge­ge­ben, im Nach­hin­ein ist die Ant­wort im­mer ein­fach. Die Sa­che zu über­prü­fen, lohnt sich aber den­noch.

Wir ha­ben Nest­lé an die­ser Stel­le über die ver­gan­ge­nen Mo­na­te hin­weg re­gel­mäs­sig be­ur­teilt. Das Wich­tigs­te war wohl früh­zei­tig zu er­ken­nen: dass die Seit­wärts­be­we­gung von An­fang 2015 bis An­fang 2017 als Flag ein­zu­stu­fen ist und dass die­se Kon­stel­la­ti­on seit An­fang De­zem­ber un­ver­än­dert ge­blie­ben ist.

Flag heisst Kon­so­li­die­rung

Ein Flag ist ei­ne Kon­so­li­die­rungs­struk­tur. Was über die letz­ten Mo­na­te ge­sche­hen ist, er­klärt sich dar­aus von selbst. Die Li­ni­en im Chart mar­kie­ren die­ses Flag und sind kei­nes­falls als Si­gnal­li­ni­en zu ver­ste­hen. Wenn sie das wä­ren, hät­te man Nest­lé erst vor ein paar Wo­chen kau­fen müs­sen – was ei­ni­ge In­ves­to­ren und Ch­ar­tis­ten neu­er­dings für rich­tig hal­ten.

Auf­grund der Di­men­sio­nen des Flag ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ti­tel im Op­ti­mal­fall noch bis et­wa 88 Fr. stei­gen wird. Drei Vier­tel die­ser Stre­cke wur­den in den ver­gan­ge­nen 200 Ta­gen al­so be­reits zu­rück­ge­legt. Auch da hilft die Markt­tech­nik, die Über­sicht zu be­hal­ten und sich nicht vom kurz­fris­ti­gen und schein­bar oft so wich­ti­gen Spek­ta­kel ir­ri­tie­ren zu las­sen.

Struk­tu­ren wie bei Ko­max häu­fen sich an den Ak­ti­en­märk­ten. Ei­ne Ri­sing Wedge bil­det sich dann her­aus, wenn ein Trend schon län­ge­re Zeit ge­lau­fen ist und die Sät­ti­gungs­pha­se er­reicht. Der lang­fris­ti­ge Trend ver­ab­schie­det sich dann lang­sam und lei­se. Die Kurs­be­we­gun­gen wer­den kurz­fris­ti­ger und schär­fer, was auch die Auf­merk­sam­keit ei­nes an­de­ren Pu­bli­kums auf sich zieht: In­ves­to­ren stei­gen aus, und tra­din­g­ori­en­tier­te An­le­ger tre­ten an ih­re Stel­le, die aber nach ei­nem an­de­ren An­reiz­sys­tem re­agie­ren.

Ko­max na­he am Li­mit

Für den Auf­wärts­trend von Ko­max be­deu­tet das zu­nächst, dass er ge­gen­über ex­ter­nen Ein­flüs­sen emp­find­li­cher wird. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war dies nach­weis­lich nicht der Fall, wird sich jetzt aber än­dern. Das heisst nicht, dass die Ak­tie von Ko­max kei­ne neu­en Höchst­kur­se mehr er­rei­chen kann. Der Ti­tel ist durch­aus noch da­zu im­stan­de, aber er kann sie dann nicht lan­ge hal­ten. Die Ak­tie steht un­ter dem Dik­tum kurz­fris­ti­ger und schnel­ler Trends. Da gibt es mehr Be­we­gung und we­ni­ger Kon­ti­nui­tät.

Für den In­ves­tor be­deu­tet die­se Si­tua­ti­on, dass er sich über­le­gen muss, was er mit ei­ner sol­chen Ak­tie tun will. Re­la­tiv zum Kurs­an­stieg der ver­gan­ge­nen Jah­re be­trach­tet, liegt nach oben nicht mehr viel drin, aus­ser wenn man als Tra­der un­ter­wegs ist. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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